IS-Anhänger enthaupten Polizeichef

Rund 100 IS-Terroristen versuchen auf den Philippinen, eine ganze Großstadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Präsident Duterte verhängt das Kriegsrecht und kündigt eine brutale Antwort an. Doch die Lage eskaliert weiter.

Philippinische Soldaten an einem Checkpoint nahe Marawi

Islamistische Extremisten haben in den Südphilippinen den Polizeichef der Stadt Marawi enthauptet. Das teilte Präsident Rodrigo Duterte mit und brach seinen Russland-Besuch ab. Er kündigte nach der Verhängung des Kriegsrechts im Süden des Landes an, mit äußerster Härte gegen islamistische Rebellen vorgehen. Etwa 100 Bewaffnete waren am Dienstag in die Großstadt Marawi vorgedrungen und versuchen, die Kontrolle über die Stadt zu erlangen. Seinen Landsleuten versicherte der 72-Jährige: „Habt keine Angst, ich komme nach Hause.“ An die Adresse der Rebellen sagte er: „Ich werde brutal sein.“

Duterte hatte am Dienstagabend für 60 Tage das Kriegsrecht über die südliche Region Mindanao verhängt. Damit reagierte er auf die Krise in Marawi, einer Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern, etwa 800 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Die islamistischen Rebellen brannten dort mehrere Häuser nieder, darunter eine Kirche und ein Gefängnis. Dann zogen sie mit schwarzen Fahnen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) durch die Straßen.

Duterte hat mit der Ausweitung des Kriegsrechts auf das ganze Land gedroht, falls sich der Terrorismus vom Süden weiter ausweite. Dann könnte das Kriegsrecht über die Region Mindanao hinaus auch im Rest des Landes in Kraft gesetzt werden, sagte er. „Ich könnte das Kriegsrecht für das ganze Land erklären, um die Leute zu schützen.“

Putin um Waffen gebeten

Mindestens drei Menschen wurden getötet. Angeblich brachten die Rebellen auch ein Krankenhaus unter ihre Kontrolle. Nach Angaben der katholischen Kirche brachten sie auch einen Priester und mehrere Zivilisten in ihrer Gewalt. Erzbischof Socrates Villages, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, sagte: „Sie drohen damit, die Geiseln umzubringen, wenn die Regierungskräfte nicht zurückgerufen werden.“

Nach Angaben von Verteidigungsminister Delfin Lorenzana handelt es sich um Mitglieder der Terrorgruppen Abu Sayyaf und Maute, die dem IS die Treue geschworen haben. Abu-Sayyaf-Mitglieder hatten im Februar einen deutschen Segler enthauptet.

Im Süden der mehrheitlich katholischen Philippinen kämpfen muslimische Separatisten bereits seit den 1960er Jahren für Autonomie. Abu Sayyaf finanziert sich auch mit der Erpressung von Lösegeld für entführte Ausländer. Vor dem Heimflug bat Duterte Russland um moderne Waffen zum Kampf gegen die Islamisten. Die Philippinen seien dafür nicht gerüstet, sagte er nach Berichten russischer Agenturen bei einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin.

In den vergangenen Wochen war der Konflikt aus dem Süden der Philippinen wiederholt in andere Landesteile getragen worden. Im April lieferten sich islamistische Kämpfer mehrere Feuergefechte mit Sicherheitskräften auf der bei Urlaubern beliebten Insel Bohol. Philippinischen Medienberichten zufolge wurden Mitglieder von Abu Sayyaf ebenfalls auf der Insel Negros und auf Siquijor getötet.

Quelle

Meister Solar