Quittung für Präsident Duterte

In der philippinischen Stadt Marawi töten Islamisten 16 Soldaten. Die USA unterstützen die Streitkräfte.

Eine Familie in der umkämpften Stadt Marawi trauert um den Sohn, der in einer Moschee von einem Irrläufer getroffen wurde. Foto: rtr

Das viermotorige Propellerflugzeug brummte in niedriger Höhe über den rauchenden Trümmern in den Stadtteilen von Marawi, in denen philippinische Soldaten seit nunmehr drei Wochen mit begrenztem Erfolg gegen Anhänger der sogenannten Maute-Gruppe kämpfen. Am Freitag hatten die islamistischen Rebellen in einem Hinterhalt 13 Marines von Manilas Eliteeinheit getötet. Das Spionageflugzeug am Himmel hatte freilich kaum jemand erwartet. Denn an der Schwanzflosse trug es das Hoheitszeichen der USA.

Eine Sprecherin der philippinischen Streitkräfte bestätigte, „dass wir in einer begrenzten Rolle von US-Militärs unterstützt werden“. Offenbar beraten auch am Boden US-Soldaten einer Spezialeinheit ihre philippinischen Kollegen.

In die Falle waren Manilas Elitesoldaten geraten, als sie in der einstmals 200 000 Einwohner zählenden Stadt Marawi auf der Insel Mindanao den 51-jährigen Isnilon Hapilon fangen wollten. Auf seinen Kopf haben die USA eine Belohnung von fünf Millionen US-Dollar ausgesetzt. Der einstige Chef der Gangster- und Terrortruppe Abu Sayyaf wurde im vergangenen Jahr vom „Islamischen Staat“ (IS) offiziell als Führer ihres Ablegers auf den Philippinen anerkannt.

Im Dezember höhnte Staatspräsident Rodrigo Duterte noch: „Bringt mir einen Terroristen, Salz und Essig. Ich werde seine Leber verspeisen.“ Er lehnte ein Waffenstillstandsangebot der Maute-Gruppe ab. Diese hatte gedroht, andernfalls Marawi niederzubrennen. „Nur zu“, antwortete Duterte. Nun musste der vollmundige Staatschef nicht nur den Notstand in Mindanao verhängen, sondern kleinlaut bei den USA um Hilfe betteln – also bei der Macht, die er seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr ständig entweder beschimpft oder lächerlich macht.

Während Duterte von der Polizei und Todesschwadronen bis zu 10 000 vorgebliche Drogenkriminelle töten ließ, hat er geflissentlich ein Problem übersehen: Der IS hat sich in Mindanao etabliert. Die mehrheitlich islamischen Staaten Indonesien und Malaysia verfolgten schon länger jede Spur der Terrortruppe. Dagegen stehen nun ausgerechnet die katholisch dominierten Philippinen, in denen nur rund fünf Prozent der 110 Millionen Einwohner Muslime sind, in einer Reihe mit gescheiterten Staaten wie Libyen oder Afghanistan.

Mindanao ist plötzlich zum Ziel der terrorbereiten Islamisten in Asien geworden. „Wer es nicht zu uns in den Irak oder nach Syrien schafft“, so lautete vor einem Jahr eine Botschaft aus dem IS-Hauptquartier, „soll sich Gruppen in der Heimat oder in Nachbarländern anschließen.“ In Europa ging diese Saat auf. In Ländern wie Afghanistan, neben Mindanao ein weiterer Zufluchtsort, in Pakistan, Indien und Bangladesch nahmen seither die Aktivitäten von IS-Anhängern deutlich zu.

Auch in Malaysia und Indonesien stellten die Behörden fest, dass der Aufruf aus der IS-Zentrale befolgt wurde. In Thailand, dessen Hauptstadt nicht nur dem IS, sondern auch Untergrundgruppen aus aller Welt als Umschlagplatz für Geld, Waffen und andere undurchsichtige Geschäfte dient, ist die Militärregierung so auf die Verfolgung von Regimekritikern konzentriert, dass ein General öffentlich erklärte: „Wir brauchen die Hilfe unserer Nachbarn, um den IS zu verfolgen. Wir selbst haben keine Ahnung.“

Die Folgen werden in Mindanao deutlich. Unter getöteten Islamisten identifizierten die Behörden Kämpfer aus Zentralasien, Indonesien und Malaysia.

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