Ärztin bietet Unterstützung auf den Philippinen

Die Ärztin Verena Gröschel zieht es zum zweiten Mal auf die Philippinen – Dort versorgt sie sechs Wochen die Ärmsten der Armen

Dieses Mal hat Verena Gröschel mehr Gepäck angemeldet. Zwei Koffer nimmt sie mit, wenn sie am 26. Januar auf die Philippinen fliegt. Doch das wenigste darin wird für sie sein: Die 53-Jährige reist für einen sechswöchigen Hilfseinsatz mit den „German Doctors“ nach Südostasien. Dort kümmert sich die Allgemeinärztin um die Ärmsten der Armen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Eppelheimerin die 24-stündige Reise nach Mindanao auf sich nimmt: Bereits 2015 hatte sie einen Einsatz auf der zweitgrößten Insel der Philippinen. „Und seit zwei Jahren überlege ich, wie ich helfen kann – also nicht nur medizinisch“, sagt sie. Zudem hat sie viele Vorträge gehalten, um auf die Hilfsorganisation „German Doctors“ aufmerksam zu machen, die auf Spenden angewiesen ist.

Die letzten Wochen hat sie vor allen Dingen gebrauchte Kleidung und Spielzeug gesammelt, aber auch spezielle Medikamente und Verbandsmaterial. Denn sie weiß noch von ihrem letzten Einsatz: „Wundverbände werden einfach mit Kompresse und Pflaster gemacht.“ Dabei würden viele Wunden mit Spezialverbänden viel schneller heilen. Daher nimmt sie einiges aus ihrer Praxis in Brühl mit, in der sie seit einigen Jahren mit anderen Ärzten tätig ist, und teilweise bekommt sie auch Spenden von Apotheken aus der Region.

Die ersten vier Wochen wird Gröschel in der Ambulanz der „German Doctors“ arbeiten. Diese ist in Cagayan de Oro, einer Stadt mit etwa 600.000 Einwohnern. „Da gibt es viele Armenbezirke“, weiß Gröschel. Danach ist sie zusammen mit einem philippinischen Team zwei Wochen auf dem Land im Südosten der Insel unterwegs: „Jeden Tag ein anderes Dorf“, erklärt sie das System, das sich „Rolling Clinic“ nennt. Denn ihre „Praxis“ für diese Zeit kommt aus einem vollbepackten Jeep. Daher steht ihr für ihre Arbeit nur ein gewisses Kontingent an Medikamenten zur Verfügung. „Und damit muss ich haushalten.“ Schlafen wird sie in dieser Zeit in den jeweiligen Dorfgemeinschaftshäusern, auf einer Matte mit Schlafsack.

Doch was treibt Gröschel an? Immerhin muss sie sich für diese Zeit Urlaub nehmen, eine Vertretung suchen, sogar die Hälfte des Fluges zahlen. „Ich wollte das schon immer machen“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. „Aber dann kam die Familie dazwischen.“ Mittlerweile seien ihre beiden Kinder 16 und 18 Jahre alt, also groß genug. Ihren Mann, ebenfalls Arzt, hat sie inzwischen „infiziert“, wie sie lachend berichtet: „Der ist vor eineinhalb Jahren zu einem Einsatz nach Afrika gegangen.“

Sie selbst kam zu den „German Doctors“, als sie vor einigen Jahren einen Vortrag einer Heidelberger Ärztin besuchte. Sie war sofort Feuer und Flamme. Denn im Gegensatz zu den monatelangen Einsätzen bei „Ärzte ohne Grenzen“ seien es hier nur einige Wochen und sie muss auch nicht in ein Krisengebiet. Wobei sie ursprünglich mal nach Bangladesch wollte, dies wurde ihr aber bei einer Fortbildung ausgeredet. „Das ist hardcore, hat man mir gesagt“, erinnert sie sich schmunzelnd. Die Philippinen waren eigentlich ihre letzte Wahl.

Aber der Inselstaat und insbesondere die Menschen haben vor zwei Jahren ihr Herz erobert: „Ich war so begeistert, dass ich da jetzt wieder hinwollte.“ Insbesondere die Dankbarkeit der Philippiner hat schweren Eindruck bei ihr hinterlassen. Menschen, die nichts hätten, würden sich bemühen, ihr und ihrem Team ein gutes Essen zuzubereiten. „Und wenn wir uns verabschieden, bedanken sie sich überschwänglich, umarmen uns und singen ein Lied“, schwärmt die Ärztin. Daher hat sie auch überhaupt keine Angst, als Frau allein durch das Land zu reisen. „Die Philippiner sind sehr friedlich“, sagt Gröschel. Abends würde sie auch mal alleine die Gegend erkunden und die Landschaft und das Dorfleben in sich aufsaugen.

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