Philippinen werben um Investoren: Gummiproduzenten wollen mehr Wertschöpfung im Land

Manila, Philippinen – Die Republik der Philippinen will ihre bislang nur rudimentär vorhandene Gummiindustrie aufbauen. Zwar gehört der südostasiatische Inselstaat zu den führenden zehn Kautschukproduzenten der Welt. Doch ins Ausland wird fast ausschließlich Rohgummi verkauft. Aus Regierungssicht – und aus wirtschaftspolitischen Erwägungen hinsichtlich der sogenannten Wertschöpfungskette bis zum Endprodukt – sei es dringend geboten, das Rohprodukt im Land selbst weiterzuverarbeiten. Beispielsweise bei der Herstellung von Kondomen, verlautete vergangene Woche in Manila. Das Department of Agriculture (DA) werde im neuen Jahr deshalb Geldgeber ermuntern, in diese Branche zu investieren, berichtete das Wirtschaftsblatt Business Mirror am 11. Januar.

Für Kondomhersteller seien die Philippinen »ein verlässlicher und gesunder Markt«, so Rodolfo L. Galang, Direktor des Philippinischen Gummiforschungsinstituts (PRRI), das dem DA untersteht. Bisher allerdings gebe es landesweit keine Fabrik dafür. »Wir haben eine große Bevölkerung, und alle Kondome müssen aus Malaysia und Thailand importiert werden«, so Galang. 104 Millionen Einwohner zählt der Inselstaat, und dort wachsen genug Kautschukbäume. Was fehlt, ist zuallererst eine Fertigungsanlage, um Latex als Zwischenprodukt zu erzeugen. Bisher wird Naturkautschuk im Lande nur in einer einzigen Branche weiterverarbeitet: der Reifenindustrie.

Galang verwies auf die in den vergangenen Jahren gefallenen Weltmarktpreise für den Rohstoff. Die Vereinigung der Naturgummi produzierenden Länder (ANRPC) habe deshalb bereits knappe Devisen aufgewendet, um auf stärkere Wertschöpfungsketten im Inland zu setzen. Es gelte, mehr Betriebsstätten zur Weiterverarbeitung für verschiedene Zwischen- und Endprodukte zu etablieren. Dass hierbei Nachholbedarf existiert, steht außer Zweifel. Zudem würden die Fabriken neue Arbeitsplätze schaffen – ein wichtiger Aspekt, denn auskömmliche Verdienstmöglichkeiten sind Mangelware im Lande. Nicht zuletzt deshalb arbeitet ein hoher Prozentsatz gerade der jüngeren Bevölkerung im Ausland, beispielsweise auf den Baustellen der Golfstaaten oder Hochseeschiffen zahlloser internationaler Reedereien. Orientierung und Ansporn bieten Konkurrenten wie Vietnam, Indonesien, Malaysia und Thailand. Dort gibt es bereits eine diversifizierte Gummiindustrie.

Die Kautschukproduktion ist 2016 erneut gestiegen, um zehn Prozent auf 110.000 Tonnen. Nur 30.000 davon wurden selbst verwendet, der Rest ging vor allem nach Japan, Südkorea, Malaysia und China. Dabei, so die Angaben aus der Landschaftsbehörde, könnten die Philippinen ganze 100.000 Tonnen im eigenen Land verarbeiten, wenn es denn Fertigungsstätten gäbe.

Für 2017 wird ein weiterer Zuwachs bei der Rohgummigewinnung prognostiziert. Die DA rechnet mit wenigstens zwei Prozent – Resultat der ersten Ernte jener Plantagen, die 2011/2012 angelegt worden seien. In diesem Jahr sollen Bestände auf 15.000 Hektar erneuert werden, kündigte Galang an. Zudem müssen Altbestände auf 50.000 Hektar schneller als bisher ersetzt werden.

Quelle: jungewelt.de

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