Philippinen: Das Geschäft mit dem Palmöl

Auf der Plantage von Calma Anchor ist ein Arbeiter damit beschäftigt, Schläuche zur Bewässerung der Ölpalmen zu legen. Der junge Familienvater arbeitet von 7 bis 16 Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Dafür erhält er pro Tag 230 Peso, knapp 4,50 Euro. Auf der Nachbarplantage Oro Palma Anchor, wo gerade geerntet wird, gibt es noch weniger: 225 Peso.

Palmölplantagen sind die sich am schnellsten ausbreitende Monokultur der Welt. Auf der einen Seite lässt es sich gut verarbeiten und dazu ist es billig. Da kann ein deutscher Landwirt mit seinem „teuren“ Raps nicht mithalten, und so bedient sich die Industrie bei den Palmenölkonzernen.

Palmöl ist mittlerweile das meistverbrauchteste Pflanzenöl der Welt. Es wird verwendet für Lebensmittel, Reinigungsmittel und besonders für Treibstoff. Doch Palmöl steht für Landraub, Verletzung von Menschenrechten und Ausbeutung von Menschen in allen Teilen der Welt.

Die Philippinen, wo sich die Plantagen Calma Anchor und Oro Calma Anchor befinden, möchten zu den großen Palmölländern aufschließen. Und missachten dabei Menschenrechte.

„Den Reisbauern hat man mit leeren Versprechungen das Land abgequatscht, genauso uns Pala’wans Teile des Waldes“, erhebt abseits der Plantage ein Student schwere Vorwürfe gegen die Agrarkonzerne. Den Ureinwohnern versprachen die Konzerne Schulen und medizinische Einrichtungen, um den Wald nutzen, aber nicht abholzen zu dürfen. Es entstanden ein paar Gebäude – und dann wurde der Regenwald gegen den Willen der Pala’wans abgeholzt.

Möglich machte dies ein Gesetz, das besagt, dass die Ureinwohner ihr Land nur für sich nutzen dürfen. Ihnen ist verboten, ihr Land zu verpachten. Tun sie es trotzdem, wird das verpachtete Land enteignet.

„Weltweit ist es die gleiche Masche. Es werden leere Versprechungen gemacht, die dann nicht eingehalten werden. Stattdessen wird den Menschen ihr Land geraubt und der Wald gerodet. Dabei nutzen die Konzerne aus, dass die Naturvölker weder die Gesetze noch ihre Rechte kennen“, sagt Mathias Rittgerott von der Umweltorganisation „Rettet den Regenwald.“

Sehr viele Lebensmittel wie Margarine, Nuss-Nougat-Crème, Pralinen, Wurst, oder Treibstoffe wie Biodiesel und Körperpflegemitteln, Make-up, Putzmittel haben eines gemeinsam: All diese Produkte enthalten oft Palmöl. Die Umweltorganisation „Rettet den Regenwald“ fand 2010 sogar in mehr als 500 Bio-Waren Palmöl.

Jetzt fordert die Internationale Luftfahrtagentur (ICAO), die den Vereinten Nationen angehört: Der Luftverkehr soll „klimaneutral“ wachsen. Möglich machen sollen das der Handel mit CO2-Zertifikaten und der Einsatz von Palmöl als Treibstoff für Flugzeuge. Damit würde der Bedarf an Palmöl erneut um ein Vielfaches steigen.

Das Öl wurde von der EU als nachhaltig erklärt, weil es ein nachwachsender Rohstoff ist, der nicht mehr Kohlendioxid freisetzt, als die Pflanze vorher gebunden hat. Dagegen spricht die Studie des Internationalen Rates für nachhaltige Ressourcennutzung, dem Ernst Ulrich von Weizsäcker angehört. Laut dieser Studie verursacht ein Liter Biodiesel aus Palmöl 800- bis 2000-mal mehr Treibhausgase als ein Liter aus Erdöl.

Palmöl und Bio ist nach Ansicht von „Rettet den Regenwald“ ein klarer Widerspruch. Die Autorin und Journalistin Kathrin Hartmann kritisiert in ihrem Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ die palmenöl-freundliche Haltung von Politikern der Grünen.

Vor allem die immer wiederkehrenden Berichte über Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in Indonesien drücken Palmöl in die Negativschlagzeilen. Das Land, in dem 1911 Kolonialherren mit kleinen Plantagen begannen, hat sich mit 135000 Quadratkilometern Anbaufläche (entspricht der Größe Griechenlands) zum größten Palmölerzeuger der Welt entwickelt; es besitzt einen Marktanteil von 50 Prozent. Der größte Anteil der Anbaufläche ist durch Landraub enteignetes Regenwaldgebiet.

Jetzt versuchen die Philippinen, ihre Fläche an Ölpalmenplantagen zu erweitern. Auf den Inseln Palawan und Mindanao sollen neben den bestehenden Flächen weitere 3000 Quadratkilometer mit Ölpalmen bepflanzt werden.

Palawan ist eine Insel im Westen der Philippinen, sie besteht zu einem großen Teil aus gebirgigen Regenwäldern. Naturvölker leben noch in den Regenwäldern, unter ihnen sind die Pala’wans die größte Gruppe. Erst 1978 wurden die in Höhlen lebenden Tau’t Batu entdeckt.

Die herrlichen Tauchgebiete und die mit Felsen und goldenen Sandstränden bestückte Bucht von El Nido in Nordpalawan machen die Insel zu einem Urlaubsparadies. Dagegen zerstören Konzerne mit dem Ausbau der Palmölplantagen nach dem Muster Indonesiens den Südteil der Insel.
Laut Nesario Awat, Anwalt aus der Provinzhauptstadt Puerto Princesa auf Palawan, lebten auf den Flächen der heutigen Ölpalmenplantagen einst Reisbauern.

Die staatliche Organisation CENRO holte sie, weil durch das Anwachsen der Bevölkerung Lebensmittelengpässe entstanden. Im Jahr 2007 wurden in Brooks Point und Espanola Rio Tuba die ersten Ölpalmplantagen angepflanzt, nachdem die ersten Reisbauern von ihrem Land vertrieben worden waren. Die Philippinen müssen heute Reis importieren, damit die Bevölkerung nicht hungert.

Aber warum holt man erst Arbeiter nach Palawan und nimmt ihnen dann die Arbeit weg? Nesario Awat: „Es interessiert die Behörden nicht, wie die Leute hier ihrer Arbeit nachgehen, sondern wie hoch der Gewinn ist. Eine hohe Produktivität bringt der Provinz hohe Steuereinnahmen, der Profit zählt.

Flächen mit schlechten Erträgen für Reis werden dann Konzernen gegeben, die Ölpalmen anbauen und sehr viele Chemikalien einsetzen.“ Einen sichtbaren Widerstand auf den Philippinen gegen die Plantagen gibt es nicht. Aus gutem Grund. „Wer zu laut gegen die Ölpalmen protestiert, läuft Gefahr, ermordet zu werden. Wir wissen nicht, ob die Regierung oder die Konzerne dahinterstecken“, sagt der Student.

Der KURIER versuchte vergeblich, von der Philippinischen Botschaft eine Stellungnahme zu den Vorwürfen erhalten. Ein versprochener Rückruf erfolgte nicht, die schriftlich angeforderten Fragen blieben unbeantwortet und wurden an den Landwirtschafts- und Handelsvertreter nach Brüssel weitergeleitet.

Kathrin Hartmann kann den Studenten gut verstehen: „Das grundsätzliche Drama bei Palmöl ist, dass es gar nicht ohne Raubbau, Landraub und Verletzung der Menschenrechte bis hin zum Mord geht.“

Quelle

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