Vom philippinischen Nationalspieler zum alten Eisen

Stephan Schröck, einst Hoffnungsträger bei Greuther Fürth, darf nicht einmal mehr in der zweiten Mannschaft spielen.

Zweieinhalb Jahre ist es her, da fielen Stephan Schröck in Fürth wildfremde Menschen beim Bäcker in der Schlange um den Hals, so glücklich waren sie. In Schlagzeilen wurde die Rückkehr vom „verlorenen Sohn“ gefeiert. Der mächtige Präsident Helmut Hack ließ sich damals zitieren: „Kein gewöhnlicher Transfer“, und „für jeden Fürther etwas ganz Besonderes“. Und Schröck selbst? Der sagte: „Ich kehre zurück in meine Heimat.“

Wem so viel Zuneigung und Pathos im Profifußball verdächtig ist, der kann sich entspannt zurücklehnen. Denn wo einst heiß und innig umeinander geworben wurde, ist die Liebe erkaltet. Die Geschichte der SpVgg Greuther Fürth und Stephan Schröck ist keine glückliche Heimkehrer-Geschichte, sondern die Geschichte einer Entfremdung.

„Ich bin doch nicht jemand, den man von der Straße aufgelesen hat“, sagt Schröck

„Abgeschoben“ sei Schröck heute, in die Fürther U23 verbannt. Und dort auch nur als Trainingsgast geduldet. „Ich hab dreimal nachgefragt, ob ich mitspielen darf.“ Die Antwort: Nein. Obwohl die U23 im Abstiegskampf steckt. Obwohl sie von Thomas Kleine trainiert wird, einem alten Kumpel von Schröck. Ein Profi, der nicht spielt, dessen Name wird vergessen, dessen Wert sinkt. „Ich bin doch nicht jemand, den man von der Straße aufgelesen hat.“ Aber noch einmal fragen, dazu sei er zu stolz. „Der Manager oder Präsident, wer immer dafür zuständig ist, wird sich schon was dabei gedacht haben.“

Wer nachfragt, warum der einstige Hoffnungsträger sich nicht beweisen darf, der hört, man befinde sich noch in „ergebnisoffenen Gesprächen“, wie Manager Ramazan Yildirim es nennt. „Ich hänge in der Luft“, so nennt es Stephan Schröck.

2012, am Höhepunkt der „Schröggla“-Manie, wie sie den 1,70 Meter großen Profi nennen, saß er nach den Siegen bei den Fans auf dem Zaun, als Vorsänger krähte er ins Mikrofon, Humbahumba-Täterä. Er war der Zaunkönig, ein Fan im Trikot, einer von ihnen. Dass Schröck dann nach dem Aufstieg lieber zur TSG Hoffenheim wechselte, nahmen ihm einige übel. Fürth stieg wieder ab, Schröck wechselte nach Frankfurt, aber auch er fand sein Glück nicht in der Bundesliga.

Also holten sie ihn wieder zurück, und Schröck, ausgestattet mit einem Vertrag bis Sommer 2018, sollte Fürth wieder nach oben bringen. Doch der Plan ging schief, das Kleeblatt rettete sich nur knapp vor dem Abstieg. In der nächsten Saison passierte dann etwas, das Verein und Spieler auseinandertrieb. Unter Stefan Ruthenbeck wünschte sich der Außenverteidiger eine offensivere Position. Ein paar Mal stellte der Trainer Schröck für Kurzeinsätze ins Mittelfeld, auf 120 Minuten in acht Spielen kam er. Dann hieß es, er solle sich einen neuen Verein suchen. Seitdem raunt man, Schröck sei ein Querulant, einer, der sich über das Wohl der Mannschaft stelle. „Das ist nicht die Wahrheit“, sagte Schröck. Er musste trotzdem gehen.

Schröck landete dort, wo ihm wieder die Menschen auf der Straße um dem Hals fielen: auf den Philippinen. 7107 Inseln, von denen die Hälfte nicht mal einen Namen haben. Weiter weg vom Frankenschnellweg und „Drei im Weckla“ konnte Schröck nicht sein. Er wurde für ein Jahr zu Ceres-Negros FC ausgeliehen. Dort holte er sich wieder Anerkennung. Seit 2011 spielt er im Nationalteam des Landes seiner Mutter, 2013 wurde er zum Fußballer des Jahres gewählt. 2016 wurde er gar mit dem ehemaligen BVB-Profi Henrikh Mkhitaryan als bester Vorlagengeber weltweit geführt. Zwanzig Tore bereitete er in 17 Spielen vor, 18 erzielte er selbst. Mkhitaryans Weg führte in die Premier League. Schröcks Weg in eine Sackgasse. Man plane nicht mehr mit ihm, hieß es in Fürth, als er zurückkehrte. Schröck glaubte, trotzdem eine Chance zu bekommen – er täuschte sich. Mittlerweile laufen Gespräche über eine Vertragsauflösung, es geht um eine Abfindung. „Ich bin nicht bereit, auf viel Geld zu verzichten. Das wäre anders gewesen, wenn man mir Anstand entgegengebracht hätte“, sagt Schröck. 15 Monate läuft sein Vertrag noch, „da muss ich es meiner Familie nicht antun, wegzugehen.“ Vor wenigen Tagen ist er wieder Vater geworden.

Für das nächste Länderspiel der Philippinen haben sie ihn nicht nominiert. „Das hat auch mit Fürth zu tun. Der Trainer weiß: Das letzte Spiel von mir war Ende November“, sagt Schröck. Auch die zweite Heimat will ihn gerade nicht haben.

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