Unternehmen zur Verantwortung zwingen

Neue Studie fördert Menschenrechtsverletzungen beim Nickelabbau zutage und fordert Konsequenzen

Beim Abbau wertvoller Ressourcen wie Nickel kommt es in Ländern wie den Philippinen zu schweren Menschenrechtsverletzungen. Dies belegt eine Studie, die das Kölner Philippinenbüro am Donnerstag zusammen mit der handels- und energiepolitischen Organisation Powershift herausgegeben hat. Mit 530 000 Tonnen pro Jahr sind die Philippinen der wichtigste Produzent für Nickel.

Im Bergbauland Philippinen, wo in 27 Minen Nickel sowohl im Tagebau als auch unterirdisch Nickel abgebaut wird, entstehen starke Schäden. Hierzu gehören die Verunreinigung von Flüssen und Grundwasser. Darauf weist die Studie hin.

Auf der Insel Palawan etwa kommt es beim Abbau von Nickel zu sauren Grubenabwässern, die sich im Grundwasser sowie in den Böden niederschlagen. Sie behindern das Pflanzenwachstum und somit die landwirtschaftliche Produktion. Darunter und durch ein Fischsterben, das ebenfalls durch den Nickelabbau verursacht wurde, leiden die betroffenen Gemeinden. Eine andere Gegend hat mit wirtschaftliche Einbußen zu kämpfen, weil der Anbau von Reis und Mangos stark eingeschränkt werden musste.

In dem Inselstaat trägt der Nickelbergbau etwa zwei Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Im Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Schäden, die durch den Abbau entstehen, scheint dies gering.

400 000 Minenarbeiter und -arbeiterinnen sind in den Nickelbergwerken beschäftigt. Die Studie berichtet allerdings auch über die starken gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten: »Die Emissionen, die beim Abbau von Nickel freigesetzt werden, können sich ohne ausreichenden Schutz in den Atemwegen der Arbeiterinnen und Arbeiter festsetzen. Langzeitschäden sind Asthma und andere Lungenkrankheiten sowie Herzkrankheiten«, heißt dort.

Inzwischen gibt es in den Philippinen starke Proteste der Zivilgesellschaft gegen den Nickelabbau. Viele Nickelminen liegen auf Gebieten der indigenen Bevölkerung, die sich durch den Abbau in ihrer Existenz bedroht fühlen.

Auch für die deutsche Stahlindus- trie ist Nickel ein unabdingbares Bauteil. Bei der Kfz-Herstellung wird es vor allem als Legierung benutzt und wegen seiner stahlhärtenden und temperaturbeständigen Eigenschaften geschätzt. Genutzt wird Nickel auch als guter Strom- und Wärmeleiter oder als Katalysator für verschiedene chemische Prozess.

Der größte Teil des philippinischen Nickels wird in rohem Zustand etwa durch das Brasilianische Unternehmen Vale nach China verschifft. Dort wird es eingeschmolzen und weiterverarbeitet. China ist das Land mit der größten weiterverarbeitenden Nickelindustrie. Dort kauft die deutsche Bau- und Automobilindustrie Nickel, zum Teil schon in Rohstahl verarbeitet, ein. Deutschland hat weltweit den fünftgrößten Bedarf an Nickel.

Die weit verzweigten Lieferketten der Nickelherstellung lassen sich schwer kontrollieren. Dennoch sind sich die Autoren der Studie sicher, dass deutsche Unternehmen vom philippinischen Nickel abhängen. Zusammen mit entwicklungspolitischen Organisationen und Menschenrechtsgruppen fordern sie die Regierung auf, die mit dem »Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte« aus der Taufe gehobene Initiative für Transparenz konsequent weiterzuführen. Er sieht vor, dass bis 2020 die Hälfte aller deutschen Großunternehmen menschenrechtliche Sorgfaltspflichten wahrnehmen sollen.

Für Kritiker wie die Herausgeber der aktuellen Philippinenstudie ist das Programm unzureichend. Sie rufen die Bundesregierung dazu auf, die Unternehmen zur Verantwortung für Schäden in der Lieferkette zu zwingen. Ihrer Meinung nach sollte Deutschland dem Beispiel Frankreichs folgen und ein Gesetz zur Sorgfaltspflicht der Unternehmen erlassen.

Quelle

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Auswandern auf die Philippinen – Tablas Sunshine Village