Artikelwettbewerb – Philippinen sind unsere Heimat geworden

Es ist Herbst 2008, das Wetter ist wie immer um diese Jahreszeit trüb, erste Schneeflocken künden vom baldigen Wintersanfang, die Stimmung ist gedrückt, der Job ist weg, jahrelanges Mobbing endlich ausgestanden, der neue Rentner nach der Arbeitslosigkeit ins neue Leben namens „Ruhestand“ entlassen. Dem Ehepartner ging‘s ähnlich, nun sitzen die zwei vor der TV-Kiste und grübeln wie es weitergehen soll. So kam es, daß durch einen winzigen Anstoß im nachmittäglichen Fernsehprogramm der Gedanke Form annahm, im Internet zu suchen, wo man die kommenden kaltfeuchten Monate verbringen könnte. Spaß und Abwechslung sollten dabei eine große Rolle spielen und die Minirente nach gefühlten 100 Jahren Arbeit und Mühen soll auch noch halbwegs reichen. Nach 2 Tagen Suche war klar, wir wollen auf die Philippinen fliegen. Da gab es einen tollen Strand in der unmittelbaren Nähe der Stadt Sipalay auf der Insel Negros. Die Anfrage wegen einer Unterkunftsmöglichkeit wurde innerhalb weniger Stunden, trotz Zeitverschiebung, positiv beantwortet, wohl auch wegen der Langzeitmiete über 4 Monate.

In einem Beitrag im Internet lasen wir über den Inlandsflug von Manila nach Bacolod, der Inselhauptstadt von Negros Occidental – die Insel ist in zwei Regionen unterteilt, die andere ist Negros Oriental mit der Hauptstadt Dumaguete – wie turbulent der Flug sein soll, kleine einmotorige Maschine mit Fluggästen samt Hähnen, Ferkeln auf dem Schoß, die sog. „Holzklasse“! Auch das werden wir überstehen, wir wollen ins Paradies! Angekommen in Manila gabs keinen Inlandflug mehr, also Fahrt in ein Hotel in der Nähe, aber wie geht das in einer solch für Europäer völlig ungewohnten Atmosphäre, Menschenmassen im, am und besonders vor dem Flughafen, Gepäckwagen mit ganzen Familien drum herum, hastende Leute, dazwischen Werber und Verkäufer mit Plastiktüten, Inhalt undefinierbar, ein Treiben wie auf einem asiatischen Basar. Nicht lang dauerte es und uns hatten gleich mehrere Filipinos erspäht, endlich Frischfleisch von der Sorte Tourist ohne Ahnung von der Materie! Wir waren in dem Moment recht überfordert, englisch zum letzten Mal vor Jahren gesprochen, in Neuseeland, wo fast Oxfort-Englisch gesprochen wird und unser Schulenglisch Chancen hatte. „Taxi, Taxi?“, „Yes“ und schon die nächste Frage nach Hotel. Also, das ging flott. Wir entschieden uns für den jüngsten und kleinsten der Werber. Er schnappte sich unseren Gepäckwagen und auf gings zum Taxistand um die Ecke. Der kleine Kerl managte die Fahrt und kam auch gleich mit. Woher kommt ihr, wohin wollt ihr, bleibt ihr in Manila, ich hole euch vom Hotel ab, zeige euch Manila… Wir waren froh vor einem Hotel gelandet zu sein, bedankten uns freundlich und waren angekommen. Ein sauberes und angenehmes Hotel mit sehr freundlichem Personal war uns empfohlen worden, gutes Essen, wir haben geschlafen wie die Murmeltiere.

Am nächsten Morgen fuhren wir wieder per Taxi, vom Hotel gerufen für den halben Preis zum Terminal 3, dem Inlandsairport. Der Flug war schon vom Hotel noch am Abend gebucht worden. Wir waren so froh in Deutschland, dass unser Flug nach Manila 35kg Freigepäck pro Person inklusiv hatte, nun die große Überraschung, Nachzahlung des Übergewichts für 60 kg insgesamt. Ich weiß nicht mehr wie viele Euro es letztendlich waren, jedenfalls hats uns umgehauen. Gleich übers Internet zusammen mit dem Flug gebucht hätte es entscheidend weniger gekostet, das wissen wir heute! Nun sollte es ja per Holzklasse weiter gehen, das nächste Abenteuer stand uns bevor. Es war schon verwunderlich, dass so viele Menschen im Abfertigungsraum saßen, kein Hahn, kein Schwein, nur Leute mit viel Kartons und unendlich viel Handgepäck. Als wir dann vor den Flieger per Bus gebracht worden waren erwartete uns eine moderne Maschine mit zwei starken Düsentriebwerken. Der Flug war ruhig, wolkenfreier Himmel mit Blick auf die Inselwelt unter uns, einfach wunderschön.

In Bacolod angekommen wurden wir schon empfangen und nun ging die Fahrt zur Stadt, durch die wir fahren mussten, um auf den Weg nach Sipalay zu kommen. Wer noch nie auf den Philippinen oder in Asien unterwegs war kann sich nicht vorstellen wie es ist, wenn einem Motorräder mit Gespannen entgegen kommen, wo 10 Leute mit Gepäck auf einem Gefährt Platz genommen haben, selbst das Dach des Beiwagens war besetzt! Unglaublich, ich habe viel später noch einmal geträumt von einem solchen Gefährt, welches über eine große, von einem Polizisten geregelte Kreuzung in unserer Stadt fuhr, der Polizist wie versteinert hinter her schaute, die Trillerpfeife ihm aus dem Mund fiel und zu keiner Reaktion fähig war. Nun denn, die 160 km bis Sipalay ließen uns gebannt auf die Straße vor uns starren, das Genick tat uns schon weh nachdem wir gerade mal Bacolod durchquert hatten. Unser Fahrer war ein Spezialist sondergleichen, er lenkte das Auto zwischen auf den Straßen sitzenden Kindern und Fahrzeugen, denen man ansah, dass sie schon jahrelang auf einem Schrottplatz verbracht hatten, welchen, die mit Übergröße nagelneu aus Japan, Korea frisch importiert waren, gelben Bussen des hiesigen Busunternehmens, die mit Höchstgeschwindigkeit sogar uns überholten und an der nächsten Ecke halten mussten weil ein Fahrgast vor seiner Hütte aussteigen wollte, wir nun im Wechsel mal vor dem Gelben und mal hinter dem uns ein Rennen lieferten, mit etwa 50-60 km/h. Es wurde um 6:00 Uhr abends schlagartig dunkel, wir waren noch lange nicht angekommen. Irgendwann fuhren wir dann links ab vom Highway, wir waren schon in Sipalay City angekommen. So richtig City war es dann doch nicht, eher ein Dorf mit vielen Hütten rechts und links von der Straße, dann wieder links und die Straße wurde bald enger. Wir fuhren auf einer von Palmen gesäumten schmalen Betonpiste bis es dann in einem dunklen Dorf rechts hinunter zur Küste ging. Ein Farbenspiel erwartete uns am Strand, wir waren nach 5 Stunden angekommen, ganz sicher im Paradies, denn der Anblick des Anwesens war faszinierend schön. Gleich sprangen ein paar Helfer herbei, schnappten sich unser Gepäck und begleiteten uns zu einem Bungalow direkt am Strand gelegen. Wenig später saßen wir in einem wie von Schilf gedecktem Restaurant, andere Gäste saßen in Gruppen und es gab dort viel zu erzählen und zu lachen. Die Bedienung brachte unser bestelltes Abendessen, einen Willkommensdrink und wünschte uns einen angenehmen Aufenthalt. Vier Monate wollten wir hier bleiben. Schon an diesem Abend wussten wir, dass wir noch viel länger hier sein werden.

Es könnte ein Roman werden, was wir alles dort und in den folgenden Jahren erlebt haben. Nie haben wir bereut auf die Insel Negros gekommen zu sein. In jedem Jahr blieben wir seitdem für 6 Monate da, ließen gleich im zweiten Jahr ein Boot bauen in Stil der Philippinen, mit zwei Auslegern und Schlafkabine, kleinem Wasch-und Toilettenraum, Deckküche und Liegeflächen. Darauf lebten wir drei halbe Jahre über die deutsche Winterzeit. Einige Filipinofamilien haben wir ins Herz geschlossen, manche sagen Papa und Mama zu uns, manche Lolo und Lola. In diesem Jahr haben wir uns entschieden, nach etlichen Umzugsnotwendigkeiten, weil immer irgendwelche Probleme, meist Hausverkauf es erforderten, den Standort zu wechseln, nun selbst ein Haus zu bauen. Wir hatten vor Jahren einen Deutschen getroffen, der schon einige Häuser auf Cebu gebaut hat und nun auf Negros lebt. Er wird uns helfen unseren Wunsch zu erfüllen. Mittlerweile leben wir seit einiger Zeit im Winter in Dumaguete, unser Boot steht umsorgt noch in Sipalayer Gewässern und wird nur noch sporadisch besucht. Wenn wir im neuen Haus eingezogen sind, werden wir es nach Dumaguete holen und wieder auf Tour gehen, zusammen mit unseren filipinischen Freunden. Auch Sipalay ist dann ein Ziel.

Und nun noch ein Wort zum neuen Präsidenten Duderte, der in der ganzen Welt und auch von der Europäischer Union gescholten wird. Er hat in Davao als Bürgermeister das Drogen-und Kriminalproblem gelöst. Davao ist die sicherste und sauberste Stadt der Philippinen, die Einwohner lieben ihren Präsidenten. Wir dürfen zwar alle anderer Meinung sein aber sollten uns zurückhalten mit Beleidigungen und Diffamierungen. Sogenannte Kollateralschäden, wenn massenweise friedliche Zivilisten getötet werden durch Bomben auf die Krisengebiete der Welt, sind durch viele Kritiker geduldet, wenige beanstanden das, sind diese Verbrechen etwa akzeptabel? Auf den Philippinen geht es auch um einen Krieg, gegen Verbrecher, die Kinder und Jugendliche mit Rauschgift versorgen, einen Abschaum der Menschheit, der großes Leid im Land verursacht! Man kann keine Million Verbrecher töten, aber ihnen Angst einjagen, von ihrem Tun abzulassen, darum geht’s dem Präsidenten mit seinem in manchen Augen ungerechten Krieg gegen Drogen und Korruption. Es hat sich schon viel geändert seit Präsident Duderte das Zepter übernommen hat. Behörden halten nicht mehr die Hand auf, bevor eine Genehmigung erteilt wird, Visaverlängerungen gehen nun flott und nette Beamte versuchen zu helfen. Hoffen wir, dass es so bleibt und freuen wir uns, wenn es den Menschen auf diesen schönen Inseln besser geht. Viele Ausländer leben dort, einige schwarze Schafe sind auch darunter, die Kindern und Frauen keinen Respekt zollen, ich will nicht weiter darauf eingehen, auch die werden zur Rechenschaft gezogen werden.

 

Roger

r.punde@hotmail.com

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