Spiegel: Duterte verhängt Kriegsrecht und bittet Putin um Waffen

Islamistische Rebellen verbreiten Angst und Schrecken in einer Großstadt im Süden der Philippinen. Nun wurde das Kriegsrecht für die Region ausgerufen. Präsident Duterte hofft zudem auf russische Hilfe.

Als Reaktion auf den Angriff von mindestens 100 islamistischen Rebellen in der Großstadt Marawi hat der philippinische Präsident Rodrigo Duterte das Kriegsrecht über die südliche Region Mindanao verhängt. Es gilt nun für 60 Tage, Duterte kündigte aber in einer Video-Botschaft an, dass es auch ein Jahr lang gelten könnte. In der Region Mindanao, die rund ein Drittel des Landes ausmacht, leben rund 20 Millionen Menschen.

Die Verhängung des Kriegsrechts ist auf den Philippinen besonders heikel, weil diese Maßnahme von Diktator Ferdinand Marcos genutzt worden war, um seine zwei Jahrzehnte bis 1986 andauernde Herrschaft zu festigen. „Wenn es in einem Monat vorüber ist, dann wäre ich glücklich“, sagte Duterte.

Der philippinische Präsident bat während seines Besuchs beim russischen Präsidenten Wladimir Putin zudem um Waffen im Kampf gegen die Rebellen. Sein Land sei nicht für den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gerüstet, sagte Duterte bei einem kurzen Treffen mit Putin im Kreml. Das meldeten russische Agenturen. Die Präsidenten zogen damit ihr eigentlich für Donnerstag geplantes Treffen vor, wegen der Lage in Mindanao verkürzte Duterte seinen Besuch und wollte noch in der Nacht zurück auf die Philippinen fliegen.

Bei den Kämpfen in Marawi seien mindestens zwei Soldaten und ein Polizist bei Schießereien getötet und weitere zwölf verletzt worden, sagte Verteidigungsminister Delfin Lorenzana. Auf Fotos waren Bewaffnete zu sehen, die mit IS-Fahnen durch die Straßen der 200.000-Einwohner-Stadt zogen. Nach Angaben von Polizei und Militär brannten sie eine katholische Kirche, ein Gefängnis und zwei Schulen sowie mehrere andere Häuser nieder.

Marawis Bürgermeister fordert Verstärkung

 In der ganzen Stadt, die rund 800 südlich von der Hauptstadt Manila liegt, sei der Strom ausgefallen und überall seien Scharfschützen der Angreifer, sagte der Minister. Die Kämpfe brachen demnach aus, als Soldaten vergeblich versuchten, den Abu-Sayyaf-Anführer Isnilon Hapilon festzunehmen. Dieser will nach Erkenntnissen der philippinischen Behörden sämtliche Gruppen, die dem IS die Treue schwören, vereinen. Bei den Bewaffneten handele es sich mutmaßlich um Mitglieder der Terrorgruppen Abu Sayyaf und Maute, die dem IS die Treue geschworen haben, sagte ein Armee-Sprecher.

Die Terroristen brachten nach Berichten von Einwohnern auch ein Krankenhaus unter ihre Kontrolle, wohin sie ihre Verletzten gebracht hätten. Ärzte, Pfleger und andere Patienten würden von den Bewaffneten festgehalten. Der Leiter des Krankenhauses wandte sich mit einem dramatischen Appell an die Außenwelt: „Bitte betet für uns hier.“ Gebäude würden in Flammen stehen und der Strom sei ausgefallen.

 Generalstabschef Eduardo Ano rief die Menschen auf, sich in ihren Häusern zu verbarrikadieren. Von Moskau aus, wo er Duterte begleitete, versicherte er, es gebe ausreichend Regierungssoldaten in der Stadt, um die Lage rasch unter Kontrolle zu bekommen. Marawis Bürgermeister Majul Gandamra widersprach dem Generalstabschef. Es gebe nicht genügend Soldaten in der Stadt und Verstärkung würde dringend benötigt. Er selbst sei mit Verwandten im Rathaus. „Wir sind die einzigen hier, die das Gebäude verteidigen“, sagte er im Radio. „Wir werden nicht zulassen, dass die Terroristen das Rathaus einnehmen“, sagte er.

Im Süden der mehrheitlich katholischen Philippinen kämpfen muslimische Separatisten seit den Sechzigerjahren für Autonomie. Immer wieder verübten sie auch Bombenanschläge. Unter dem Einfluss von Al-Qaida entstand 1991 die Organisation Abu Sayyaf. Die Gruppe finanziert ihren Kampf unter anderem mit Entführungen. Im Februar hatte Abu Sayyaf einen 70-jährigen deutschen Segler enthauptet. Kurz zuvor hatte die philippinische Armee mutmaßliche Stellungen von Abu Sayyaf bombardiert.

Quelle

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Auswandern auf die Philippinen – Tablas Sunshine Village