Eine schreckliche Situation – Die Arbeit der Helfer von Marawi

Manila, Philippinen – Sie riskieren ihr Leben, um das von anderen zu retten. Seit Tagen sind zahlreiche Helfer unermüdlich im Einsatz, um die in der umkämpften Stadt Marawi eingeschlossenen Menschen zu retten.

Seine Kleidung hat Salonga Edzela seit fünf Tagen nicht mehr gewechselt. Dazu fehlt ihm schlicht die Zeit.

Er leitet ein Team von Rettungskräften, das seit Ende vergangener Woche in der umkämpften Region Mindanao im Süden der Philippinen im Einsatz ist.

Mehr als 100 Menschen haben die neun Helfer bereits aus verschiedenen Teilen Marawis herausholen können.

In der Stadt 800 Kilometer südlich von Manila gehen Regierungstruppen seit mehr als sieben Tagen mit Panzern und Artillerie gegen islamistische Rebellen vor.

Brände, Geiselnahmen und Enthauptungen

„Es ist riskant, aber das ist Teil des Jobs“, sagt Edzela. „Unser Grundsatz ist es, Menschen das Leben zu retten.“ Der Einsatz in Marawi sei jedoch einer der schlimmsten in seiner vierjährigen Tätigkeit als freiwilliger Katastrophenhelfer. Der Teamleiter trägt trotz der sengenden Hitze einen Helm mit Kopflampe.

Die größte Gefahr gehe von den bewaffneten Islamisten aus, erklärt Edzela. „Wir können nicht mit ihnen sprechen und unseren Job daher auch nicht so schnell erledigen, wie wir möchten.“

Erschwert würden die Rettungsarbeiten auch durch die dauernden Angriffe der philippinischen Streitkräfte. „Die Offensive sollte vorübergehend gestoppt werden“, fordert der Einsatzleiter.

Nur so könnten er und seine Leute die noch in Marawi eingeschlossenen Menschen retten und Opfer bergen.

Die Islamisten hatten Marawi am Dienstag angegriffen. Sie brannten Häuser und eine Kirche nieder, köpften den Polizeichef und nahmen unzählige Geiseln, darunter einen Priester.

In verschiedenen Gegenden der Stadt hissten sie die schwarze Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Extremisten gehören überwiegend zur Terrorgruppe Maute, die dem IS nahesteht.

Kriegsähnliche Zustände

Als Reaktion hatte Präsident Rodrigo Duterte das Kriegsrecht über die Region verhängt. Den Aufständischen drohte er damit, ihren Vormarsch mit äußerster Härte niederschlagen zu lassen.

„Wenn das den Tod von vielen Leuten bedeuten sollte, dann sei es so“, erklärte Duterte. Die Behörden meldeten bislang den Tod von 105 Menschen, darunter 24 Zivilisten. Schätzungen zufolge haben bis zu 90 Prozent der rund 200.000 Einwohner Marawis ihr Zuhause verlassen.

Zuflucht gefunden haben sie unter anderem in Lagern der Armee. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) geht davon aus, das noch rund 3.000 Einwohner in Marawi in der Falle sitzen – die meisten davon im Zentrum der Stadt.

„Es ist wirklich eine schreckliche Situation“, sagt der Leiter des Rote-Kreuz-Teams vor Ort, Martin Thalmann. Es sei sehr schwierig, in die umkämpften Gebiete vorzudringen.

Rettungskräfte stellen sich auf das Schlimmste ein

Sein etwa 80-köpfiges Team arbeite mit beiden Konfliktparteien zusammen, erklärt Thalmann. „Wir versuchen, jederzeit mit allen Seiten zu sprechen.“

Solange die Behörden nicht ihr Okay gegeben hätten, wagten sich die Rettungskräfte nicht in die besonders gefährlichen Bezirke Marawis hinein. „Ich möchte ja nicht, dass sie getötet werden“, sagt Thalmann mit Blick auf seine Leute.

Überraschend: „Die Islamisten respektieren uns für die Arbeit, die wir für die Zivilisten leisten“, sagt der Rote-Kreuz-Mann. Sein Team und er hofften, dass sich die Rebellen der Situation der Einwohner bewusst seien.

Maria Estrellieta Lara ist Einsatzleiterin der Feuerwehr der Provinz Lanao del Sur und mit zwei je siebenköpfigen Teams vor Ort. Sie warnt davor, sich auf die Angaben der Behörden zu verlassen.

„Wir müssen in Alarmbereitschaft bleiben, auch wenn sie uns sagen, dass bestimmte Gegenden sicher sind“, sagt Lara. „Eine Gewährleistung für unsere Sicherheit haben wir nicht.“

Ihre Teams bittet Lara, sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Es heiße, dass viele Kämpfer an Schusswunden starben und ihre Körper nun verwesten.

„Wir sind darauf eingestellt“, sagt Lara. „Wir haben Leichensäcke, Handschuhe, Masken und Desinfektionssprays.“

Quelle

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