IS zieht es in den Osten – Kämpfe auf Mindanao

Die seit einer Woche andauernden Gefechte zwischen den Regierungstruppen und Terroristen auf den Philippinen sind beispiellos in ihrer Grausamkeit und Länge, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Dienstag.

Das Kommando der Streitkräfte verkündete gestern, den größten Teil der von Kämpfern angegriffenen Stadt Marawi auf der Insel Mindanao wieder unter ihre Kontrolle genommen zu haben. Zuvor hatte Präsident Rodrigo Duterte dort den Kriegszustand ausgerufen und betont: „Solange die Polizei mir nicht berichtet, dass die Philippinen wieder in Sicherheit sind, wird der Kriegszustand in Kraft bleiben.“

Der Überfall von Terroristen aus der Organisation „Maute“ auf die Stadt kostete mehr als 100 Menschen das Leben, darunter mindestens 61 Kämpfer, 17 Soldaten, vier Polizisten und 19 Zivilisten.  Ende der vorigen Woche war die ganze Stadt mit etwa 200 000 Einwohnern in Geiselhaft der Terroristen.

General Eduardo Año, der den Einsatz zur Befreiung Marawis leitete, teilte gestern mit, dass die Kämpfer größtenteils niedergeschlagen worden seien, aber einige von ihnen würden sich noch in Hochhäusern befinden, so dass ihre Unterdrückung noch etwas Zeit in Anspruch nehmen werde.

„Das wird ihr Grab werden“, sagte General Año am Freitag bei einem Treffen mit Präsident Duterte. Es könnte jedoch passieren, dass auch viele Einwohner dabei sterben.

Für den Überfall auf Marawi ist die ganze „terroristische Internationale“ zuständig – Kämpfer aus verschiedenen mit dem IS verbundenen Gruppierungen, darunter von den Philippinen, aus Malaysia, Indonesien, Singapur und sogar aus arabischen Ländern. „Was auf Mindanao vorgeht, ist kein Aufstand der Einwohner, sondern eher eine Invasion von ausländischen Terroristen, die dem IS die Treue halten“, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt der Philippinen, Jose Calida.

Die Philippinen, vor allem die südliche Insel Mindanao, hatten seit vielen Jahren unter Auseinandersetzungen zwischen der Regierungsarmee und verschiedenen Rebellen gelitten. In den 1970er-Jahren war vor allem die so genannte „Islamische Front für die Befreiung von Moro“ stark, die für die Autonomie der muslimischen Einwohner Mindanaos kämpfte, auf die 5,1 Prozent der gesamten Landesbevölkerung entfielen. Im März 2014 wurde ein Friedensabkommen abgeschlossen, dem zufolge die Kämpfer sich verpflichteten, die Waffen zu strecken.

Der Krieg war damit so gut wie zu Ende gegangen, aber im Juni 2014 wurde die Bildung eines muslimischen „Kalifats“ mit dem syrischen Rakka als „Hauptstadt“ ausgerufen. Diverse muslimische Gruppierungen schworen dem IS sofort die Treue. Zu ihrem Anführer auf den Philippinen ernannte der IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi den Dschihadführer in Südostasien Isnilon Hapilon.

Quelle

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