IS will sein «Kalifat» auf die Philippinen ausweiten

Auf den Philippinen schliessen sich immer mehr gewaltbereite Muslime der Terrormiliz IS an. In Marawi leisten die Extremisten dem Militär Widerstand.

In einer Stadt am See und mit Hunderten Moscheen hat ein Extremist es geschafft, eine verzweifelte Gruppe von Bewaffneten unter seinem Kommando zu einen. Diese Kämpfer haben in der vergangenen Woche in Marawi ihre Kraft gezeigt – und dem Einsatz des philippinischen Militärs standgehalten.

Auf den von Unruhen gezeichneten südlichen Inseln des Landes, wo muslimische Separatisten seit Jahrzehnten wüten, geht die Angst um, dass die Ideologie der Terrormiliz Islamischer Staat Fuss gefasst hat. Doch das Militär wiegelt ab: «Sie sind schwach», sagt der philippinische Stabschef, General Eduardo Ano, mit Blick auf die Bewaffneten. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir sie aus all ihren Verstecken geholt haben.»

Hundert Extremisten gestorben

Ano spricht in einem Spital, in dem verletzte Soldaten behandelt werden. Das Militär besteht darauf, dass der seit rund einer Woche andauernde Einsatz gegen die Rebellen kein Zeichen für deren Stärke sei – sondern dass so die Leben von Zivilisten geschützt werden sollen. Bisher sind mehr als hundert Extremisten bei den Kämpfen gestorben.

Am Dienstag arbeitet sich die Armee weiter von Haus zu Haus vor, um Extremisten in der belagerten Stadt Marawi aufzuspüren. Dort leben rund 200’000 Menschen, vor allem Muslime. Die Gemeinde gilt als Herz des muslimischen Glaubens auf der philippinischen Insel Mindanao.

Ano sagt, dass die verbliebenen Extremisten nun isoliert seien. Dennoch: Die Kämpfer haben sich als bemerkenswert gut bewaffnet und widerstandsfähig präsentiert.

Gebäude anzünden, Geiseln nehmen

Am Montag setzte die Armee Helikopter ein, feuerte Geschosse auf die Verstecke der Kämpfer ab und schickte schwer bewaffnete Soldaten auf der Suche nach den Rebellen von Haus zu Haus. Die islamistischen Separatisten haben die Armee in Schach gehalten, indem sie Gebäude niederbrannten, mindestens ein Dutzend Menschen als Geiseln hielten und Zehntausende Bewohner in die Flucht trieben.

Am Dienstag sagt Ano, dass sich der Anführer der Extremisten, Isnilon Hapilon, noch immer in Marawi verstecke. Er gilt als einer der meistgesuchten Islamisten der Philippinen, war früher Kommandeur der Abu Sayyaf und wurde vom IS zum philippinischen Chef der Terrormiliz auserkoren, der er seine Treue geschworen hat. «Sie wollten der Welt zeigen, dass es hier einen IS-Zweig gibt, der jene Gewalt erzeugen kann, die bereits in Syrien und im Irak gesehen wurde», sagt Ano.

Duterte hat Kriegsrecht verhängt

Präsident Rodrigo Duterte hatte vergangene Woche das Kriegsrecht in der Region verhängt, als die Milizen mit der Belagerung Marawis begonnen hatten. Auslöser war eine gescheiterte Militär-Razzia, um Hapilon festzusetzen. Er steht nun an der Spitze eines Verbundes von mindestens zehn kleineren Gruppen, darunter auch die Maute.

Diese Extremistengruppe hat bei dem Widerstand gegen das Militär in Marawi bisher eine tragende Rolle gespielt. Die Zahl ihrer Mitglieder ist in den jüngsten Jahren stetig angestiegen.

«Nicht länger eine Rebellion philippinischer Bürger»

Schon seit Jahrzehnten gibt es auf den überwiegend katholisch geprägten Philippinen im Süden einen Aufstand von Muslimen. Doch erst in den vergangenen Jahren haben sich mehr und mehr Gruppen unter der Flagge des IS in Indonesien, Malaysia und auf den Philippinen vereint.

Ins Bild passt die jüngste Aussage Anos: Er sagt, unter den toten Extremisten in Marawi seien am Dienstag auch ausländische Kämpfer gewesen – sie stammten ihm zufolge aus Malaysia, Indonesien und arabischen Staaten.

Die Gewalt auf der Insel Mindanao sei «nicht länger eine Rebellion philippinischer Bürger», warnte der oberste Staatsanwalt der Philippinen, Jose Calida, bereits vergangene Woche. Experten fürchten, dass Mindanao für regionale Kämpfer zum Schwerpunkt werden könnte, nun, da der IS in Syrien und im Irak auch angesichts der jahrelangen US-geführten Angriffe immer schwächer wird.

So viele Christen wie möglich töten

Terrorexperte Rohan Gunaratna aus Singapur vermutet, dass der IS und andere regionale Gruppen zusammenarbeiten, um eine philippinische Provinz zum Teil des «Kalifats» zu erklären, das der IS im Nahen Osten ausgerufen hat. Kämpfe in Marawi und anderen Städten könnten Vorläufer dafür sein, warnt Gunaratna. Eine Provinz wäre «ein riesiger Erfolg für die Terroristen».

Indes glaubt Acmad Aliponto, ein 56-jähriger Sheriff von Marawi, dass die Extremisten bei der Bevölkerung nur wenig Rückhalt haben. «Am Ende werden es ihre Verwandten oder andere Menschen aus dem alltäglichen Leben sein, die sie töten», sagt er. «Schaut, was sie angerichtet haben. So viele waren davon betroffen.»

General Ano sagt, die Extremisten wollten Marawi in Brand stecken. Dabei wollten sie so viele Christen wie möglich in der nahegelegenen Stadt Iligan während des muslimischen Fastenmonats Ramadan töten.

Quelle

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