So sieht man in Ingolstadt die Übernahme vom MT Misslbeck durch die Ayala Gruppe

Die Ingolstädter MT Misslbeck Technologies GmbH schlüpft unter das Dach des Mischkonzerns Ayala. Damit soll die Zukunft des seit 1869 bestehenden und heute für große Autohersteller tätigen Traditionsunternehmens gesichert werden.

Die Autoindustrie ist im Umbruch. Alternative Antriebe, autonomes Fahren, zunehmende Vernetzung sind nur einige Herausforderungen, vor denen die Branche steht. Und die geradezu revolutionären Veränderungen gehen zunächst einmal mächtig ins Geld. Dies gilt nicht nur für die Fahrzeughersteller selber, sondern verschärft auch für ihre Zulieferer und Dienstleister.

Vor allem dieser Umstand hat die Gesellschafter des Ingolstädter Familienunternehmens MT Misslbeck Technologies dazu veranlasst, ihren Betrieb an die AC Industrial Technology Holding (AC Industrials) in Singapur, eine Tochter des philippinischen Ayala-Konzerns, zu verkaufen. Geschäftsführer Michael Misslbeck nennt als weiteren Grund für die Veräußerung das fehlende Know-how, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Das Unternehmen ist Spezialist im Modell- und Formenbau sowie im Werkzeugbau – international sehr gefragte Fertigkeiten. Die ebenfalls an AC Industrials gehende MKZ Misslbeck Kunststoffzentrum GmbH in Kinding stellt Kunststoffteile als Prototypen und in Kleinserien für die Automobilindustrie sowie andere Kunden her. In beiden Unternehmen sind rund 250 Menschen beschäftigt.

AC Industries lässt sich die 94,6 Prozent der Anteile an MT Misslbeck Technologies 26,8 Millionen Euro kosten, wie aus einer Mitteilung an die Börse hervorgeht. Und das Unternehmen hat mit dem Zukauf offensichtlich Großes vor: „Wir wollen daraus ein Speedboat machen“, sagt Josef Pfister, Europa-Direktor der Ayala-Elektroniktochter IMI. Die künftig als MT Technologies firmierenden Ingolstädter sollen demnach ein „Inkubationszentum“ für Ayalas Automotive-Bereich werden. Insofern sei MT ein „extrem wichtiger strategischer Partner“ gerade angesichts der Transformation der Automobilbranche. Und: „Ayala hat keinen Modell- und Formen- und Werkzeugbau“, sekundiert die künftige Geschäftsführerin von MT Technologies, Barbara Resenberger. Da ließen sich einige Synergien heben.

Zunächst soll der Neuerwerb einen eigenen Vertrieb bekommen, sagt Resenberger, die über 35 Jahre Erfahrung in der Automobilindustrie – unter anderem bei BMW – verfügt. Und Pfister signalisiert, dass es künftig „noch weitere Akquisitionen durch MT Technologies geben“ soll.

Das passt zu der anspruchsvollen Expansionspolitik, die die erst im vergangenen Jahr gegründete AC Industrials und ihre Mutter verfolgen. In dem Unternehmen sind Ayalas Automotive-Aktivitäten auf den Philippinen gebündelt – so der Handel mit Fahrzeugen von Isuzu, Honda und VW, ein Joint Venture mit dem österreichischen Motorradhersteller KTM sowie Zukunftsprojekte in der Automobilbranche. So übernahm Ayala im vergangenen Jahr 76 Prozent an der VIA Optronics in Schwarzenbruck, einem Spezialisten für die LCD-Display-Technologie.

Neben der Automotive- und der Elektroniksparte finden sich unter dem Dach von Ayala mit Sitz in Makati noch Aktivitäten etwa in den Bereichen Immobilien, Banken, Energie, Telekommunikation oder Gesundheit. Der Konzern wurde 1834 gegründet und ist bis heute in Familienbesitz. Geführt wird er von den Brüdern Jaime Augusto und Fernando Zóbel de Ayala.

Während sich Ingolstadts Bürgermeister Sepp Misslbeck und Karl Schleicher als Gesellschafter aus dem Unternehmen zurückziehen, bleibt der bisherige dritte Gesellschafter, Sepp Misslbecks Sohn Michael, der Firma erhalten. Er ist künftig für Personal, Netzwerke und Kommunikation verantwortlich.

Belegschaft und IGM zeigen sich optimistisch

Bei Belegschaft und Betriebsrat von Misslbeck Technologies ist der bevorstehende Eigentümerwechsel offenbar gefasst und sogar mit einer gewissen Zuversicht aufgenommen worden. Bei der gestrigen Belegschaftsversammlung sei die Stimmung keinesfalls gedrückt gewesen, erklärte ein Vertreter der IG Metall anschließend gegenüber unserer Zeitung.

Die Gewerkschaft selbst hält sich mit einer Bewertung vorläufig noch zurück, kann die strategischen Gründe für den Übergang vom Familienbetrieb zu einem konzernintegrierten Technologieunternehmen offenbar aber nachvollziehen: Es sei auch für die Misslbeck-Technologies-Mitarbeiter nach Zeiten, in denen es mehrfach gekriselt habe, sicher beruhigend, das Unternehmen künftig in der „sehr zukunftsorientierten“ und finanzstarken Ayala-Gruppe verankert zu sehen, sagte ein IGM-Sprecher.

Die designierte MT-Geschäftsführerin Barbara Resenberger betonte gegenüber unserer Zeitung, dass der künftigen Unternehmensleitung sehr am Know-how beim bisherigen Ingolstädter Familienunternehmen und damit auch an der Erhaltung der Arbeitsplätze (rund 250, davon etwa 200 am Stammsitz) gelegen sei. Auch die hohe Qualität der firmeninternen Ausbildung werde geschätzt und solle beibehalten werden. Es sei zudem an den Aufbau einer eigenen Vertriebsabteilung am Standort gedacht. Die IG Metall will angesichts der Veränderungen bei MT in Kürze ihre Mitglieder aus dem Unternehmen zu einer eigenen Infoveranstaltung einladen. „Wir haben einen Betriebsrat und wir sind im Unternehmen gut organisiert“, hieß es aus dem Ingolstädter IGM-Büro.

Quelle

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