Den Ärmsten und Schwächsten zur Seite stehen

ÄRZTIN DR. VERENA GRÖSCHEL BERICHTET ÜBER DIE ORGANISATION „GERMAN DOCTORS“ UND IHREN EINSATZ AUF DEN PHILIPPINEN

Manila, Philippinen – Es sind Biografien, wie sie viele Ärzte haben: Studium, Promotion, Weiterbildung und Tätigkeit in einer Arztpraxis. Was jedoch Dr. Verena Gröschel und ihren Mann Dr. Joachim Gröschel heraushebt, ist ihr Einsatz für die Ärmsten dieser Welt. Und Annegret Wunschmann, die Sprecherin der evangelischen Frauenrunde, freute sich, die beiden im evangelischen Gemeindezentrum begrüßen zu dürfen.

Sie wurden von der Frauenrunde eingeladen, um über ihren Einsatz als Ärzte in Mindanao, der zweitgrößten Insel des philippinischen Archipels, und in Madagaskar, einer tropischen Insel im Indischen Ozean, sowie über ihr freiwilliges Engagement dort zu berichten. „Darauf sind wir schon sehr gespannt“, sagte sie, „denn manche von Ihnen waren vor zwei Jahren schon mal dort und können sich ein Bild über die Zustände machen.“

Bedrohliche politische Lage

Dass die Philippinen zu den ärmsten Ländern der Welt gehören, dürfte für viele der Zuhörer im fast voll besetzten Saal nichts Neues sein. Neu ist aber die derzeit bedrohliche politische Lage indem muslimischen Land. Islamistische Rebellen sorgen für Unruhe, kürzlich haben sie auf Mindanao eine Stadt angegriffen und Präsident Duterte hat daraufhin das Kriegsrecht verhängt. Verena Gröschel jedoch sprach über jene Zeit, in der sie noch sechs Wochen lang auf der Insel arbeitete und der Hilfsmission die Konflikte zwischen Terrormiliz Abu Sayyaf, Kommunisten und Staatspräsident Rodrigo Duterte noch nicht in die Quere kamen.

„Alle Ärzte sind für German Doctors unentgeltlich im Einsatz“, betonte sie, „und sie bezahlen die Hälfte der Flugkosten selbst. Zudem nehmen sie auch den organisatorischen Aufwand auf sich.“ Dafür opfern sie nicht selten ihren Jahresurlaub, wie es auch Verena Gröschel tat. Zunächst jedoch stellte sie anhand von beeindruckenden Bildern das Land vor, das geprägt ist von krasser Armut, von Menschenrechtsverletzungen und Kinderausbeutung.

Für Besucher aus Deutschland sind auch die Rahmenbedingungen alles andere als einfach: Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, kein fließendes Wasser. Was erfüllt, ist Hilfe für die Ärmsten der Armen zu leisten, wie Gröschel immer wieder betonte. Sie blendete das Foto eines Babys ein, das mit Nabelbruch ins Krankenhaus kam. Es sollte mit Ultraschall untersucht werden: „Das war sogar für mich Neuland“, gestand sie, „aber es gibt immer ein erstes Mal.“ An der Tagesordnung sind Armutserkrankungen, „die bei uns unvorstellbar sind“, dazu gehören Unterernährung, Wurm- und Läuse-Befall sowie Krätze. „Viele Menschen leben mit Tieren auf engstem Raum zusammen unter unvorstellbaren hygienischen Bedingungen.“

Missbrauch und Prostitution

Das Schicksal eines sechsjährigen Mädchens, das mit vaginalem Ausfluss ins Krankenhaus kam, hat sie ganz besonders mitgenommen. „So etwas haben Sechsjährige nicht“, wusste die Ärztin. Ein Abstrich brachte die schreckliche Wahrheit ans Tageslicht: Das Kind wurde vom eigenen Vater sexuell missbraucht.

Ein ebenfalls eindrückliches Erlebnis war für Gröschel der Besuch von „Malisa Home“, einer therapeutischen Einrichtung für junge Frauen, die in die Prostitution gezwungen wurden. „Im Sex-Tourismus nehmen die Philippinen leider einen Spitzenplatz ein.“ Für das jüngste, nur neun Jahre alte Mädchen im Haus übernahm die Schauspielerin Maria Furtwängler die Patenschaft, berichtete Gröschel.

Neben all diesen schrecklichen Dingen habe sie als German Doctor aber auch viel Schönes bei ihren Hilfseinsätzen erlebt. „Besonders die Anhänglichkeit der Kinder ist beeindruckend“, so die Referentin, und sie würde wieder dorthin fahren, „denn die überwältigende Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wird, ist Motivation und Entlohnung genug für den unentgeltlichen Arbeitseinsatz.“

Anschließend stellte Dr. Joachim Gröschel, Facharzt für Anästhesie, die Organisation „Interplast-Germany“ vor und schilderte den Einsatz der Ärzte in Madagaskar, aber auch in anderen Entwicklungsländern Asiens, Afrikas und Südamerikas, wo sie unentgeltlich plastisch-chirurgische Operationen durchführen.

Der Anästhesist zeigte eine Reihe von Fällen bei Kindern auf, die operative Eingriffe erfordern, wie Gesichtsentstellungen, Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten, Handfehlbildungen, Tumoren der Haut oder sonstige Erkrankungen, die in das Fachgebiet der Plastischen Chirurgie fallen.

Spenden finanzieren Arbeit

Es werden solche Patienten operiert, die sich eine Behandlung nicht leisten können. Sowohl German Doctors als auch Interplast-Germany decken die entstehenden Kosten durch Spendengelder sowie den Jahresbeitrag der Mitglieder ab.

Wer helfen möchte, kann Geld überweisen auf das Konto des Vereins German Doctors, IBAN DE26 5502 0500 4000 8000 20, oder für Interplast-Germany, IBAN DE52 5502 0500 0008 6660 00.

Quelle

 

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