Der tägliche Wahnsinn – Der Verkehr in Manila

Manila, Philippinen – Wer in Manila von A nach B kommen will braucht Nerven aus Stahlseile, wir berichteten am 17.Juli 2017, dass sich die Fahrzeit auf EDSA im durchschnitt um 11 Minuten verkürzt, nun berichtet uns, unser Leser Martin Angelmann, gebürtiger Österreicher, der seit 20 Jahren in Manila lebt, von seinem täglichen Wahnsin in der Metropole.

Metro Manila ist der Zusammenschluss von 17 Städten zu einem gemeinsamen Großraum, offiziellen Zahlen zufolge beträgt die Einwohnerzahl etwa 11,5 Millionen. Diese Zahl darf aber stark bezweifelt werden, täglich strömen Tausende nach Manila, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, sie wohnen meist illegal in den Slums, die es überall in der Stadt gibt, anderen Schätzungen zufolge leben hier bereits mehr als 20 Millionen Menschen.

Täglich drängen Hunderttausende Fahrzeuge nach und durch die Metropole, Pendler kommen morgens und wollen abends wieder nach Hause. Reisende von Nord nach Süd oder von Süd nach Nord wollen die Metropole so schnell wie möglich passieren. Dazu kommen noch Lieferfahrzeuge, die die Stadt mit allem, was man zum Leben braucht versorgen.

Hinzu kommen noch Millionen von Menschen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Die öffentlichen Verkehrsmittel bestehen vorrangig aus einem rudimentären Strassenbahnsystem, das zwar preiswert ist, aber völlig überlastet. Buslinien, die den Namen nicht verdienen, meist sind es Busse, die als Fernbusse aussortiert wurden und jetzt ihren „Ruhestand“ auf den Strassen Manilas erleben. Diese Busse sind meist übervoll und haben nur Holzbänke als Sitzgelegenheiten, Fenster sind oft nicht vorhanden, was auch besser ist, man würde sonst ersticken.

Das immer noch meist benutzte öffentliche Verkehrsmittel sind die Jeepneys, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, sie bieten zwischen 10 und 18 Passagieren Platz, sind mit 8 Peso je Fahrt das billigste Verkehrsmittel und auch das umweltschädlichste. Die Fahrzeuge sind meist älter als ihre Fahrer, die veralteten Dieselmotoren kennen keine Abgasnorm, Filter oder Katalysatoren. Wenn ein solcher Jeepney, voll beladen Gas gibt ist man umhüllt, von einer stinkenden schwarzen Russwolke. Und von diesen Fahrzeugen fahren noch Hunderttausende durch die Metropole, immer auf Jagt nach neuen Fahrgästen. Doch das ist bei weitem nicht alles, sieht ein Jeepney-Fahrer einen potenziellen Fahrgast, stoppt dieser sofort, egal auf welcher Fahrspur er sich gerade befindet, das gleiche gilt, wenn ein Passagier „Para“ ruft, was dem Fahrer signalisiert das jemand aussteigen will. So kommt es selbst auf 8 oder 10 spurigen Strassen zu Behinderungen, weil Jeepneys halten, wo es gerade passt. Haltebuchten, Bushaltestellen, Buslinien, das alles gibt es in Metro Manila, nur hält sich niemand daran.

Hinzu kommen noch Fahrzeuge, die Passagiere auf einer kürzeren Strecke transportieren, Trykes und Pedicaps, die einen angetrieben von einem Motorrad, die anderen durch pure Muskelkraft, die die Stadt zusätzlich verstopfen.

Doch das grösste Problem ist der Autoverkehr in der Metropole, immer mehr Menschen auf den Philippinen sind stolze Besitzer eines Autos, egal ob 50 Jahre oder 50 Tage alt.

Metro Manila ist eng, begrenzt durch die Bucht von Manila, auf der einen Seite und die Provinz Antipolo, auf der anderen Seite. Man kann Manila nicht umfahren. Wer von Nord Luzon nach Süd Luzon will, oder umgekehrt muss durch die Metropole, egal wie lange es dauert. Und es dauert, abhängig vom Wochentag oder der Tageszeit kann man schon mal 4 – 8 Stunden einplanen um von einem Ende der Stadt zum anderen zu gelangen. Die beste Tageszeit ist nachts, da braucht man in der Regel nur etwa 60 – 90 Minuten oder sonntags, wo man mit etwa 2 Stunden Fahrzeit rechnen kann.

Die Regierung versucht seit geraumer Zeit der prekären Lage Herr zu werden, doch nur mit mäßigem Erfolg, das liegt zu einem am immer stärker werdenden Aufkommen an zugelassenen Fahrzeugen, an der geografischen Lage des Ballungsraumes und der Struktur der vorhandenen Verkehrswege. Es wird wenig helfen, wenn nicht in absehbarer Zeit die öffentlichen Verkehrsmittel modernisiert werden, der Bau einer U-Bahn ist da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Auch die Disziplin aller Verkehrsteilnehmer, besonders der Jeepney-Fahrer muss sich ändern.

Martin Angelmann

 

 

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