Migranten überweisen Milliarden in die Heimat

Wer aus dem Ausland nach Deutschland kommt, unterstützt oft weiter seine Familie in der Heimat. Dabei geht es um Milliarden Euro. FOCUS Online liegen exklusive Daten vor, die zeigen, in welche Länder Migranten in Deutschland wie viel Geld überweisen.

Mehr als 250 Millionen Menschen leben der Weltbank zufolgeaußerhalb ihrer Heimatländer – und fast alle von ihnen schicken Geld nachhause. Obwohl die einzelnen Beträge selten mehr als ein paar hundert Euro umfassen, geht es insgesamt um immense Summen.

Allein 2016 wurden laut Weltbank mehr als 575 Milliarden Euro rund um den Globus zurück in Heimatländer überwiesen. Das ist zwar etwas weniger als im Vorjahr, aber immer noch mehr als das Vierfache der offiziellen Entwicklungshilfen . Die beliefen sich 2015 laut Statista nur auf 132 Milliarden Euro.

Am meisten Geld wurde auf die Philippinen überwiesen

Neben großen Transferinstituten wie „Western Union“ etablieren sich mehr und mehr auch kleinere Player auf dem Markt. Einer der neuen Anbieter ist „Azimo“, ein Startup für Geldtransfers via App. Es hat FOCUS Online erstmals und exklusiv Zahlen zu Transfers aus Deutschland vorgelegt.

Am meisten Geld überweisen Migranten in Deutschland über „Azimo“ nicht etwa in die Türkeioder klassische Flüchtlingsherkunftsländer wie Syrienoder den Irak. Stattdessen floss 2016 die größte Gesamtsumme auf die Philippinen. Zweitgrößter Empfänger der Transfers aus Deutschland ist Nigeria, gefolgt von Bangladesch, Keniaund Thailand.

Auch die überwiesenen Summen unterscheiden sich je nach Land deutlich. So betragen die monatlichen Transfers nach Thailand im Schnitt 351 Euro, während es nach Nigeria nur 110 Euro sind. „Azimo“ hat zudem erhoben, aus welchen deutschen Regionen das meiste Geld überwiesen wird. Die meisten Transfers werden demnach in Berlin getätigt, gefolgt von Hamburg, München, Stuttgart und Köln.

Insgesamt verschickten Migranten in Deutschland laut Weltbank 2015 mehr als 23 Milliarden Euro ins Ausland.

Die Hälfte der Haushaltseinkommen aus Geldtransfers

Experten halten die Rücküberweisungen nicht nur für die größere, sondern auch für die bessere Entwicklungshilfe: Das Geld kommt direkt in den Familien an, die es gezielt einsetzen können, statt dass es in möglicherweise korrupten Staatsstrukturen versandet.

Auf den Philippinen etwa stammt Schätzungen zufolge die Hälfte der Haushaltseinkommen aus Geldtransfers. 4,3 Millionen Menschen dort bleiben demnach nur aufgrund der Überweisungen über der Armutsgrenze.

„Internationale Bevölkerungswanderungen haben enorme Auswirkungen auf Wachstum und Armut, sowohl in den Ursprungs- als auch in den Zielländern“, analysiert die Weltbank. Insgesamt seien die wirtschaftlichen Auswirkungen jedoch eindeutig positiv: „Die Migration treibt Einkommen weltweit nach oben.“

Quelle

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