Philippinische Pflegekräfte finden in Quickborn neue berufliche Perspektiven. Pilotprojekt startete vor drei Jahren

Kristiane Garibay fühlt sich in Quickborn wohl. Jan Kaiser ist mit ihrer Arbeit sehr zufrieden.

In der Pflege fehlt das Personal. Für manche Bundesländer bedeutet dies die Schließung von Pflegeheimen. Allein in Schleswig-Holstein fehlen heute 1200 Pflegekräfte, in den nächsten Jahren wird die Zahl schätzungsweise auf 4500 steigen. Dem möchte das Quickborner Unternehmen CareProfis entgegenwirken. Der regionale Anbieter vermittelt qualifiziertes medizinisches Personal sowie Pflegekräfte. Vor drei Jahren startete Geschäftsführer Jan Kaiser ein Pilotprojekt bei dem das Unternehmen Fachkräfte aus Portugal in die Eulenstadt rekrutierte. Jetzt sind es philippinische Fachkräfte.

Nach Aussage des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) wird die Pflegebedürftigkeit in Deutschland in den nächsten Jahren massiv ansteigen. Bereits heute fehlen 50.000 Pflegekräfte, bis 2020 werden es laut bpa 220.000 sein. Schätzungen zufolge werden 2030 mehr als drei Millionen Menschen auf professionelle Pflege angewiesen sein.

Dass ein Defizit an Pflegekräften vorliege, sei nicht von der Hand zu weisen. „Es wird immer schwieriger den Personalmangel kurzfristig zu entschärfen“, sagte Kaiser. Um eine mittelfristige Lösung schaffen zu können, setzt das Unternehmen auf das Projekt. „Wir fliegen auf die Philippinen, sprechen mit den Kandidaten, kümmern uns um die Ausreiseregularien und unterstützen sie weiter“, zählte Kaiser auf. Derzeit befinden sich 40 Pflegekräfte in Deutschland, weitere warten auf die Einreisegenehmigung. Damit sie vor Ort arbeiten können, durchlaufen sie umfangreiche Qualifizierungs- und Ausbildungsmaßnahmen.

Zu den Kandidaten gehörte auch Kristiane Garibay. Sie lebt seit zwei Jahren in Deutschland und spricht gutes Deutsch. Garibay verließ ihre Heimat auf den Philippinen wegen der beruflichen Perspektive. „Ich bin nach Deutschland gekommen, um als Krankenschwester arbeiten zu können“, erklärte die 27-Jährige. Doch warum kommt sie dafür nach Deutschland? „Auf den Philippinen ist das Gehalt nicht gut“, sagte Garibay. Außerdem seien die Bedingungen für eine Ausbildung nicht fair. Der Krankenpflegeberuf ist mit einem Studium verbunden. „Bevor man überhaupt anfangen kann zu studieren, müssen wir Trainings selber bezahlen“, erläuterte die Philippinin. Wer nicht zahle, könne auch keinen Job erwarten. „Wer sich das leisten kann, hat Glück“, so Garibay weiter.

Die 27-Jährige ist heute im ambulanten Dienst in Quickborn tätig. Sie habe während der vergangenen zwei Jahre festgestellt, dass in Deutschland die Vorstellungen von Arbeit anders sind, als auf den Philippinen: „Es gibt sehr viel mehr Druck, aber das ist in Ordnung. Die Leute hier sind nett und ich bin gerne hier.“ Kaiser betonte, dass es nicht darum gehe, das Land auszubeuten. Auf den Philippinen herrsche ein Überangebot an Pflegekräften. „Es gibt fünf Universitäten für den Krankenpflegeberuf“, erklärte er. Das Unternehmen lege besonderen Wert darauf, die Pflegekräfte nicht nur zum Arbeiten nach Deutschland zu holen. „Sie sollen auch integriert werden“, bekräftigte Kaiser. Dennoch könne dieses Projekt keine vollständige Lösung für personelle Engpässe sein. „Das Berufsbild muss wieder attraktiver gemacht werden“, appellierte er.

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