Tod eines 17-jährigen Schülers – Ändert Duterte seine Taktik im Krieg gegen Drogen?

Manila, Philippinen – Die Proteste gegen die Ermordung des 17-jährigen Schülers, Kian Loyd delos Santos ebben nicht ab, national und international werden die Stimmen immer lauter, den blutigen Anti-Drogen-Krieg der Duterte Administration zu beenden.

Am Donnerstag ist eine Untersuchung im Senat der Philippinen geplant, bei der 3 Zeugen gehört werden sollen, die über die „Hinrichtung“ des Schülers berichten sollen. Der Justizminister, Vitaliano Aguirre II wurde zwischenzeitlich von den Abgeordneten der Repräsentantenhauses scharf kritisiert, er hatte den Tod des Jungen runtergespielt und die Glaubwürdigkeit der Zeugen in Zweifel gezogen. So sagte er der Tod von Kian wurde in den Medien „aufgeblasen“ und stehe in keinem Verhältnis zu den Erfolgen im Kampf gegen die Drogen. Weiter sagte er, die Tötung war nur eine Ausnahme von der Regel. (Quelle 1) (Quelle 2)

Auch eine 2. Autopsie, die von der philippinischen Polizei in Auftrag gegeben wurde, widerspricht den Aussagen der 3 Polizisten, die in den Mord verwickelt sind, so wurden keine Schmauchspuren an den Händen des Jungen festgestellt. Die Polizisten behaupteten Kian hätte auf sie geschossen. Weiterhin wurde bewiesen, dass das Opfer bereits am Boden lag, als aus etwa 60 Zentimetern in seinen Kopf geschossen wurde.(Quelle 1) (Quelle 2)

In den sozialen Medien, wie Facebook und Twitter wird der Ton immer schärfer, zwischen den bezahlten Trollen und den Menschen die eine lückenlose Aufklärung und Bestrafung fordern und den Stopp der außergerichtlichen Tötungen. Dies veranlasste Abgeordnete vor gefälschten Konten im Netz zu warnen, die den Jungen als Drogendealer diffamierten. „Die bezahlten Trolle täuschen die Öffentlichkeit und verleumden Kian, der brutal getötet wurde“, sagte Senator Francis Pangilinan am Mittwoch. (Quelle)

Aber auch auf der Strasse protestieren die Menschen gegen den sinnlosen Tod von Kian und anderen Kindern im Kampf der Regierung gegen Drogen. So demonstrierte am Mittwoch eine Gruppe von Menschen, die sich über Facebook zusammengefunden hat, vor dem Polizeihauptquartier der Polizei in Manila.

„Wir fordern die Duterte Regierung auf den Krieg gegen die Drogen, mit einem ganzheitlichen Programm gegen die Ursachen von Armut und Unterentwicklung zu ersetzen“, sagte Cordero. „Es sollte gegen das organisierten kriminelle Verbrechen gekämpft werden, anstatt den verrückten Amoklauf in unseren Gemeinden zu befürwortet.“ (Quelle)

Aber Kian ist bei weitem nicht das einzige Opfer in Dutertes blutigen Kampf gegen Drogen, in den letzten 12 Monaten wurden 17 Kinder Opfer von Polizeigewalt oder gezielter Tötung. Eines der jüngsten Opfer war die 5-jährige Danica, die bei einer Polizeioperation durch die Kugel eine Polizisten getötet wurde. Der Polizist wurde nie zur Verantwortung gezogen. (Quelle)

Ob nur Lippenbekenntnis oder Änderung der Taktik, Duterte sagte am Mittwoch, „das ist wirklich schlecht“. So beschrieb der Präsident bei einer Veranstaltung in Batangas, die Polizeioperation, bei der der 17-jährige Schüler getötet wurde. (Quelle)

Bemerkenswert war aber seine Aufforderung an die Polizei, er will nicht das die Polizisten im Kampf gegen illegale Drogen nachlassen, sie sollen aber nur schießen, wenn ihr eigenes Leben in Gefahr ist. „Töten Sie nicht, wenn eine Person Kniet und um sein Leben bettelt. Das ist Mord“, sagte Duterte in einer Rede. (Quelle)

 

Dutertes Äußerungen stehen im krassen Gegensatz zu seinen früheren Aussagen gegenüber Sicherheitskräften, im Zusammenhang mit den Drogen Verdächtigen. Im Dezember letzten Jahr gab Duterte scheinbar sein Go-Signal, für die Polizei Beweise gegen Drogen Verdächtigen unter zuschieben.

Im Juli sagte Duterte, Polizisten und Soldaten sollen Verdächtige auffordern sich zu wehren, um damit die Anwendung von Gewalt zu rechtfertigen. Er prahlte auch in einer Rede vor Gefängnispersonal, dass er der einzige Präsident sei, der die Tötung von Kriminellen befohlen hat, vor allem von Drogenhändlern.

Der Palast hat regelmäßig bestritten, dass Duterte solche Aufträge erteilt hatte, in der Regel stellte der Palast solche Aussagen sich bloße Witze, Hyperbeln oder nur den Ausdruck von Frustration dar. wie kann ein Polizist wissen was ein Witz oder eine Anweisung ist?

Anfang des Monats setzte Duterte 19 Polizisten wieder auf ihre Posten, die einen Drogenverdächtigen Bürgermeister erschossen, der sich wehrlos in seiner Gefängniszelle befand. (Quelle)

Auch sein Gefolgsmann, Polizeichef Ronald dela Rosa gab am Mittwoch die Anweisung an sein Personal aus, mit dem Unterschieben von Beweisen aufzuhören. Auch der Polizeichef steht in der Kritik, da bei dem Opfer eine Pistole und 2 Tütchen Shabu gefunden wurden, die unmöglich von dem Opfer stammen konnten. (Quelle)

Nach einem Bericht der staatlichen Menschenrechtskommission (CHR), der am Mittwoch veröffentlicht wurde, sind von den 555 Fällen, die vom 10. Mai 2016 bis zum 30. Juni 2017 untersucht wurden, 78 Fälle von außergerichtlicher Tötung erfasst worden. (Quelle)

Redaktion

 

 

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