Philippinische Bischöfe appellieren an Regierung – Gebete für einen Sinneswandel

Manila, Philippinen – Die katholischen Bischöfe der Philippinen haben in einem dramatischen Appell ein Ende der Morde im sogenannten „Anti-Drogenkrieg“ gefordert. „In Gottes Namen, stoppt die Morde“, forderte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

„Wir sind angewidert von der Gnadenlosigkeit, durch die sogar Jugendliche exekutiert werden“, betonte Erzbischof Socrates Villegas, in der am Dienstag veröffentlichten Erklärung. Er bezog sich dabei konkret auf die Tötungen der drei Teenager Kian, Carlos und Reynaldo durch die Polizei.

Alle drei waren in den vergangenen vier Wochen von der Polizei bei Razzien erschossen worden. Die Beamten gaben in allen drei Fällen an, in Notwehr gehandelt zu haben. Zeugen, Autopsien und in einem Fall eine Videoaufzeichnung lassen aber den Verdacht zu, dass die drei jungen Männer vorsätzlich von den Polizisten erschossen wurden.

Bürgerrechtler: Mehr als 13.000 Menschen getötet

Über die drei Teenager sagte Villegas: „Sie können nicht nur eine Statistik sein. Sie einfach auf Zahlen in einer immer länger werdenden Liste zu reduzieren, heißt, ihnen noch mehr Unrecht zuzufügen als ihnen so schon angetan wurde.“

Bürgerrechtler auf den Philippinen schätzen die Zahl der in Dutertes „Anti-Drogenkrieg“ getöteten Menschen inzwischen auf mehr als 13.000 Menschen. Verantwortlich für die außergerichtlichen Tötungen sind demnach die Polizei sowie unabhängige Bürgerwehren. Präsident Duterte sicherte der Polizei mehrfach Schutz vor Strafverfolgung für Tötungen zu.

Kritik an allgemeiner Gleichgültigkeit

Villegas stellte aber auch klar, dass die Kritik nicht allein auf Duterte abziele, der namentlich in der Bischofs-Erklärung nicht genannt wird. „Wir sind nicht über einen Einzigen erzürnt, sondern über die Gleichgültigkeit unter uns.“ Mit Blick auf den Kampf gegen die Drogenkriminalität fügte er hinzu: „Wir bekämpfen die Dunkelheit nicht mit einem Kugelhagel, sondern mit dem Licht Christus. Wir bitten um Gebete und wir bitten um einen Sinneswandel bei uns allen.“

Vorwurf: Behinderung der Justiz

Unterdessen wehrt sich der katholische Bischof von Caloocan gegen Vorwürfe des philippinischen Justizministers Vitaliano Aguirre. Dieser wirft dem Bischof vor, er behindere die Justiz, weil er einem Zeugen für die polizeiliche Tötung des Schülers Kian delos Santos Schutz biete.

„Ehrlich gesagt, meiner Meinung nach unterstützen wir Gerechtigkeit, statt sie zu behindern“, sagte Bischof Pablo Virgilio David, designierter Vizepräsident der Bischofskonferenz, am Dienstag dem philippinischen Nachrichtenportal „PhilStar“. Mit Bezug auf die Ermittlungseinheit der Polizei (CIDG) fügte der Bischof hinzu: „Kann man unter den gegebenen Umständen (…) den Zeugen vorwerfen, dass sie sich bei der Kirche sicherer fühlen als bei der CIDG?“

Der Vater eines Zeugen hatte am vergangenen Wochenende die Kirche um Schutz gebeten, nachdem er eigenen Angaben zufolge von Beamten der CIDG zur Änderung seiner Aussage gedrängt worden war. Justizminister Aguirre hatte am Montag Bischof David mit Strafverfolgung wegen Behinderung der Justiz gedroht. David wird am 1. Dezember den Posten des Vizepräsidenten der Bischofskonferenz antreten.

Quelle

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