Was ist der Unterschied zwischen Hurrikan, Tornado, Taifun und Zyklon?

Tornado: Was unterscheidet den Wirbelsturm vom Hurrikan? (Foto: Getty Images)

Was ist ein Hurrikan? Was ist ein Tornado? Was ist ein Taifun? Und was ist ein Zyklon? Wir erklären die Unterschiede und blicken auch auf die größten Orkane und Sturmfluten der vergangenen Jahre.

Hurrikan Irma fegt über Florida hinweg und reißt Gebäude wie Kartenhäuser nieder. Es sind Bilder, bei denen man sich heimlich denkt: „Gut, dass es so etwas in Deutschland nicht gibt“. Und sich damit in falscher Sicherheit wiegt. Auch in Deutschland riss schon so mancher Orkan Bäume um, auch hier wirbelte schon mancher Tornado Autos in die Luft. Wo aber liegt der Unterschied zwischen den ganzen Fachbegriffen? Wir erklären’s.

Tropischer Wirbelsturm

Tropische Wirbelstürme entstehen in den Tropen in sogenannten Tiefdruckgebieten – also dort, wo Luft nach oben steigt. Sie bilden sich nur über dem Meer. Dort verdunstet ab 26 Grad Wassertemperatur das Wasser: Der Dampf steigt nach oben. Weil sich die Erde um die eigene Achse dreht, drehen sich auch die Dampfwolken. Es entsteht ein Wirbelsturm, der wie ein Staubsauger von unten immer mehr Luft einsaugt. Man unterscheidet drei Intensitätsstufen:

  • Tropische Depression: Windgeschwindigkeit bis 61 km/h (schwach)
  • Tropischer Sturm: Windgeschwindigkeit von 62 bis 117 km/h (mittel)
  • Tropischer Orkan: Windgeschwindigkeit ab 118 km/h (stark)

Die tropischen Orkane lassen sich anhand ihrer Intensität wiederum in verschiedene Kategorien unterteilen. Das geschieht meist nach der Saffir-Simpson-Hurrikanskala. Die hat fünf Kategorien, die 1969 festgelegt wurden und Auskunft über die Windgeschwindigkeit, Luftdruck und den Anstieg des Wasserspiegels geben. Je nachdem, wo auf der Welt man sich befindet, bezeichnet man einen tropischen Orkan als HurrikanZyklonTaifun oder Baguio. Generell gilt: Je weiter ein tropischer Orkan sich ins Landesinnere bewegt, desto schwächer wird er. Schließlich fehlt dann das verdunstende Wasser, das ihn wachsen lässt.

Hurrikan

Tropische Orkane, die im Nordatlantik entstehen, nennt man Hurrikans. Sie beeinflussen vor allem die Ostküste der USA, die Karibik und den Golf von Mexiko. Entsteht ein solcher Wirbelsturm im nordöstlichen Pazifik, spricht man ebenfalls von einem Hurrikan. Dieser kann dann die Westküste der USA, Mexiko oder Hawaii treffen. Als Hurrikan-Saison gilt die Zeit von Juni bis November.

Hurrikan der Kategorie 5: Häuser und Brücken werden zerstört, kleine Gebäude vollständig um- oder weggeweht, Schiffe werden Hunderte von Metern an Land geworfen. Küstengebiete niedriger als 5 m über dem Meeresspiegel sind bis 16 kmlandeinwärts überschwemmt. – Deutscher Wetterdienst, Saffir-Simpson-Skala

Mit Windgeschwindigkeiten von anfangs bis zu 300 km/h gilt der Hurrikan Irma, der in der Karibik und im US-Bundesstaat Florida wütete, als einer der stärksten Hurrikans aller Zeiten.

Zyklon

Im indischen Ozean sowie im südlichen Pazifik rund um Australien heißen die tropischen Orkane Zyklone. Darunter leiden müssen dann Länder wie Indien, Madagaskar oder Australien. Der einzige Unterschied zu Hurrikans oder auch Taifunen ist die Drehrichtung. Zyklone auf der Südhalbkugel drehen sich im Uhrzeigersinn, während sich Wirbelstürme auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn bewegen.

Anfang Juni 2007 bildete sich der Zyklon Gonu über dem arabischen Meer. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 km/h gilt er als einer der stärksten je gemessenen Zyklone. Dabei starben mehr als 60 Menschen, während 60.000 in Sicherheit gebracht werden mussten.

Taifun

Als Taifun bezeichnet man tropische Orkane in Ost- und Südostasien. Sie entstehen also im nordwestlichen Pazifik und richten Schäden vor allem in Japan, Taiwan und den Philippinen an. Im Bereich der Philippinen nennt man einen solchen Taifun auch Baguio. In der Regel erreichen sie sogar noch höhere Geschwindigkeiten als Hurrikans. Das liegt unter anderem an der höheren Wassertemperatur im Entstehungsgebiet.

Der stärkste Taifun, den Meteorologen jemals gemessen haben, war der Taifun Haiyan auf den Philippinen im November 2013. Er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 315 km/h und gilt somit als Supertaifun (ab 240 km/h). Insgesamt forderte der Sturm mehr als 6300 bestätigte Todesopfer.

Medicane

Das Wort Medicane setzt sich zusammen aus „Mediterranean Sea“ und „Hurricane“. Es bezeichnet einen Wirbelsturm über dem Mittelmeer.

Ein Beispiel ist der Medicane Rolf aus dem November 2011. Er erreichte bis zu 122 km/h,  sechs Menschen in Italien und fünf Menschen in Frankreich kamen dabei ums Leben.

Orkan

Im Gegensatz zu den tropischen Wirbelstürmen bilden sich Orkane außerhalb der tropischen Breiten. Sie sind die Folge von kalter Luft, die auf warme Luft trifft. Da sie häufig im Herbst oder Winter entstehen – nämlich immer dann, wenn der Temperaturunterschied zwischen den Subtropen und den Polargebieten am höchsten ist –  nennt man sie auch Winterstürme.

Damit ein Sturm als Orkan gilt, muss er mindestens zehn Minuten mit einer Geschwindigkeit von mindestens 118 km/h wehen. Schwächt der Wind vorher ab, erreicht aber dennoch 118 km/h, spricht man von Orkanböen. Gemessen werden Orkane mit Hilfe der Beaufort-Skala. Diese reicht von Stärke 0 für Windstille bis Stärke 12 für Orkan. Besonders schlimm war der Orkan Kyrill im Jahr 2007, bei dem 47 Menschen starben. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 225 km/h richtete Kyrill allein in Deutschland Schäden in Höhe von 5,5 Milliarden Euro an.

Tornado

Tornados misst man aufgrund der hohen Windgeschwindigkeiten mit einer eigenen Skala: der Fujita-Skala. Eigentlich reicht diese bis zur Stufe F12, was einer Windgeschwindigkeit von 1000 km/h entspräche. Jedoch wurde bisher mit 510 km/h nie mehr als die Stufe F5 erreicht.

Ein Unterschied von Tornados zu tropischen Wirbelstürmen ist, dass diese auch auf dem Land entstehen können. Und zwar immer dann, wenn feuchtwarme Luft auf kalte, trockene Luft trifft. Außerdem haben Tornados nur einen Durchmesser von mehreren 100 Metern, während Hurrikans beispielsweise mehrere 100 Kilometer breit werden können. Dafür können sie doppelt so schnell werden wie Hurrikans, halten aber auch nur einige Minuten oder Stunden und nicht etwa mehrere Wochen an.

Die USA suchen jährlich bis zu 1000 Tornados heim und auch in Deutschland entstehen jedes Jahr etwa 50 bis 60 Tornados, wie Meteorologe Dominik Jung der „Bild“ erklärte. So verwüstete am 19.August 2013 ein Tornado das Baden-Württembergische Abtsgmünd und verletzte 27 Menschen.

Windhose

Windhose ist ein anderer Begriff für Tornado. Beides beschreibt das gleiche Wetterphänomen.

Leider wird das Wort „Windhose“ oft benutzt, um den Sturm zu verharmlosen. Doch die wirbelnde Luftsäule richtet immensen Schaden an, sobald sie den Boden berührt – ganz gleich, wie man sie nennt.

Monsun

Spätestens seit Bill von „Tokio Hotel“ sang, dass er unbedingt dadurch muss, kennt jeder den Begriff „Monsun“. Damit wird ein durchgehender Wind gemeint, der einmal im halben Jahr seine Richtung wechselt. Er beeinflusst maßgeblich das Wetter in Süd- und Südostasien. So werden beispielsweise die Regen- und Trockenphasen in Indien geregelt. Aus diesem Grund teilt man dort das Jahr nicht in die vier Jahreszeiten, sondern in Sommermonsun (Juni bis September) und Wintermonsun (Dezember bis Februar) ein. Dazwischen gibt es eine Übergangszeit.

Da der Sommermonsun mit heftigem Regen einhergeht, kommt es in Indien immer wieder zu Überschwemmungen. In diesem Jahr sollen laut Rotem Kreuz bereits mehr als 1.200 Menschen im Monsunregen gestorben sein. Dennoch ist die Regenzeit nach langer Dürre überlebenswichtig und essentiell für die Wirtschaft des Landes.

Sturmflut

Wenn starker Wind in Richtung Küste bläst, kann es zu Sturmfluten kommen. Damit ist Hochwasser gemeint, das die Deiche ertränkt und die dahinter liegenden Orte überschwemmt. Dazu kommt es häufiger im Frühjahr an den Nordseeküsten. Zwar können Sturmfluten überall auf der Erde auftreten, doch durch Ebbe und Flut sind sie an der Nordsee besonders stark.

Zuletzt überflutete 2013 eine schwere Sturmflut Hamburg. Ausgelöst wurde sie durch den Orkan „Xaver“. Es war die zweithöchste Sturmflut seit Beginn der Aufzeichnungen.

Quelle

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