So sieht die Zukunft des Kinos aus

Auf den Philippinen haben Frauen wenig zu sagen, wenn es um Verhütung geht. Szene aus dem Dokumentarfilm «Motherland» von Ramona Diaz.

Das Zurich Film Festival widmet sich der Förderung von Nachwuchstalenten. Diese zehn Erstlingswerke geben Einblicke ins vielversprechende Schaffen von Talenten aus aller Welt. Sie erzählen von Familien, von Tauchern, der Mafia und Gefängnissen. Bald politisch, bald märchenhaft. Wir stellen Ihnen „Motherland“ von Ramona Diaz vor. Den gesamten Artikel können Sie HIER lesen.

«Ich will nicht sehr viele Kinder haben. Nur fünf», erklärt eine 24-Jährige, als sie in das grösste Geburtspital der Welt aufgenommen wird, um dieses fünfte Kind zu gebären. Auf den Philippinen, wo ­viele Frauen zehn und mehr Kinder haben, ist das tatsächlich wenig. «Sagen Sie Ihrem Mann, dass Sie keine weiteren Kinder mehr wollen», rät die Krankenschwester. Die Frau wackelt nur unbestimmt mit dem Kopf.

Frauen haben oft wenig zu sagen, wenn es um Verhütung geht. Die Regisseurin Ramona Diaz war auf den Philippinen, um einen Dokumentarfilm zu drehen über ein bald zu verabschiedendes Gesetz, das sowohl Sexualkunde in der Schule etablieren als auch eine Steuerung der Bevölkerungsexplosion regeln soll. Während der Recherche wurde die 55-Jährige auf das Dr. Jose Fabella Memorial Hospital in Manila aufmerksam, das den Übernamen «Babyfabrik» trägt. Um dort zu drehen, bedurfte es der Zustimmung des Gesundheitsministers und das Verständnis des Personals. «Also verbrachte ich sehr viel Zeit dort, bevor ich 2014 für sechs Wochen mit einer Kamerafrau filmte», erklärt die Amerikanerin, die auf den Philippinen geboren wurde und zum Studieren in die USA zog.

«Als ich das erste Mal dort war, überraschten mich der Humor dieser Frauen und die Gemeinschaft, die sie um diese Betten herum bilden, obwohl sie sich nach dem Austritt wahrscheinlich nie wieder sehen werden. Aber in den Tagen, in denen sie zusammen sind, ist es eine sehr intensive Beziehung, in der sie alles teilen, teilweise sogar die Muttermilch. Das hat mich berührt», erklärt Diaz.

Mit ihrem Film, in dem sie nur beobachtet und der ohne ein einziges Interview und ohne Kommentar auskommt, wollte sie sowohl auf die Situation der Frauen als auch die Situation auf den Philippinen aufmerksam machen. Wegen fehlender Schulbildung und vor allem wegend des Einflusses der katholischen Kirche kursieren viele negative Gerüchte über Verhütung. So sieht man in der eindrücklichsten Szene des Films eine Krankenschwester, die diese Mütter, die mit Anfang zwanzig schon unzählige Kinder haben, davon zu überzeugen versucht, sich eine Spirale einsetzen oder – wenn sie älter sind – sich unterbinden zu lassen. Doch fast jedes Gespräch endet mit einem Kopfschütteln der Patientin und der Gewissheit der Zuschauerin, dass sie nächstes Jahr wieder hier sein wird.

Quelle

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