Kinderschutz: Philippinischer Kardinal Tagle fordert Kulturwandel

Erzbischof von Manila, Luis Antonio Tagle

Manila, Philippinen – Mit Blick auf sexualisierte Gewalt gegen Kinder hat Kardinal Luis Antonio Tagle einen Kulturwandel in Asien gefordert. Es brauche eine „ernsthafte Auseinandersetzung mit der Kindheit und der Würde des Kindes“ in Theologie, Philosophie und Gesellschaft, eine „ganzheitliche Perspektive auf das Kind“, sagte der Erzbischof von Manila und Präsident von Caritas Internationalis am Donnerstag auf einer internationalen Kinderschutzkonferenz in Rom. Abgesehen von kriminellen globalen Netzwerken, die mit Kindesmissbrauch Geld machten, gebe es in Asiens Gesellschaften Faktoren, die solche Verbrechen begünstigten. Zu diesen Faktoren gehöre Armut, aber auch eine bestimmte Sicht auf das Kind.

Auf den Philippinen hätten die meisten Fälle von Missbrauch einen familiären Bezug, führte der Erzbischof von Manila aus: Arme Eltern verkauften ihre Kinder, um Geld zu verdienen, zudem seien Fälle von Missbrauch innerhalb der Familie häufig. Die Schauplätze der Verbrechen reichten vom Slum bis zur Luxusvilla. In einigen Kulturen Asiens würden Kinder als Besitz verstanden, über den man frei verfügen könne, oder als Möglichkeit, Profit zu machen, so der Kardinal. Tagle forderte vor diesem Hintergrund einen Blickwechsel: Es brauche eine breite Auseinandersetzung über die Würde des Kindes und dessen Schutzbedürftigkeit, wie sie das Christentum verinnerlicht habe. Hier könne auch ein interreligiöser Dialog nützlich sein, um darüber nachzudenken, „wie die Religionen unsere Sicht vom Kind prägen“.

Weiter forderte der Caritas internationalis-Präsident dazu auf, die Stimme der Opfer von Missbrauch hörbarer zu machen. Wenn Kinder, die zu sexuellen Handlungen gezwungen wurden, über ihre Leidensgeschichte berichteten, könne auch ein anderes Verhältnis zu solchen Phänomenen in der Öffentlichkeit entstehen, zeigte sich der Kardinal zuversichtlich. Opfer von scheinbar virtueller Phänomene wie der Kinderpornografie bekämen dann ein menschliches Gesicht, so Tagle mit Blick auf die mediale Rezeption und Verbreitung solcher Bilder und Filme über das Internet. Die Alterspanne der Opfer reiche heute von zehn Monaten bis 15 Jahren, fügte er an. Die Zahl der online vermarkteten Buben übersteige auf den Philippinen inzwischen die Zahl jener, die sich auf der Straße prostituieren müssten, berichtete der Kardinal aus seinem Heimatland. Die Konsumenten pädopornografischer Inhalte säßen hauptsächlich im Ausland, so Tagle weiter.

Der Kardinal sprach am Donnerstag auf der internationalen Konferenz „Die Würde des Kindes in der digitalen Welt“ an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

Quelle

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