Wie steht es um die philippinische Börse?

Wie andere Börsen segelt auch Manila im Aufwind der grossen Märkte, die täglich Bestmarken setzten. Dabei machen viele Analysten einen grossen Bogen um den «Blindgänger» im Raum: Nordkorea.

Manila, Philippinen – Gestützt von Finanz-, Telekom- und Bauwerten, hat die philippinische Börse in der vergangenen Woche ein Höchst erklommen. Manila steht mit seiner Rekordjagd in Asien nicht alleine da: Auch in Jakarta und Bangkok herrscht Flugwetter mit Höhenwinden. Mit 8377 Punkten erreichte der Philippine-Stock- Exchange-Index (PSEI) am Mittwoch aber ein Niveau, das zu Jahresbeginn, als der Richtwert an der 7000er-Marke laborierte, als Phantasie gegolten hätte.

Schwer erklärbarer Optimismus

Woher bloss kommt dieser Optimismus? Ein Drogenkrieg verunsichert das Land und hält Touristen fern. Präsident Duterte droht ein Amtsenthebungsverfahren, das dieser mit der Ausrufung von Notrecht quittieren könnte. Seine Vizepräsidentin Robredo könnte bald durch einen gewissen Ferdinand Marcos junior ersetzt werden. Dutertes kalte Schulter gegenüber den USA und seine Hinwendung zu China ist das Werk eines zittrigen Hasardeurs. Die geplante Aussöhnung mit kommunistischen Rebellen ist geplatzt. Auf Mindanao herrscht Kriegsrecht, und um die Stadt Marawi wird seit vier Monaten erbittert gegen Islamisten gekämpft. Deren Wiederaufbau wird Milliarden kosten, die andernorts fehlen werden.

Kürzlich haben die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) und die Weltbank die Wachstumsprognosen für die meisten asiatischen Länder nach oben revidiert. Für die Philippinen setzte es eine Korrektur nach unten ab: 6,6% statt 6,8% soll das Bruttoinlandprodukt 2017 zulegen. Die Infrastrukturvorhaben, mit denen die Regierung das unterentwickelte Land voranbringen wollte, kämen nicht vom Fleck, heisst es bei der Weltbank. Bei der ADB gilt der Inselstaat trotz der ausgewiesenen Wachstumsdynamik als Kandidat für die «Middle Income Trap», also jene Falle, die zuschnappt, bevor das Land richtig entwickelt ist.

Nahe an Seoul

Die Kursgewinne an der Börse sollten ohnehin nicht blenden. Sie werden weitgehend durch den Zerfall der Landeswährung zunichtegemacht, die gegenüber dem Dollar und dem Euro viel Terrain eingebüsst hat. Zentralbank und Regierung erklären dies mit dem hohen Importüberschuss, der mit den öffentlichen Bauvorhaben zusammenhänge.

Wie die meisten anderen Börsen segelt auch Manila im Aufwind der grossen Märkte, die derzeit fast täglich Bestmarken setzen. Dabei machen die meisten Analytiker einen grossen Bogen um den unbequemen «Blindgänger», an den man sich langsam zu gewöhnen scheint: Nordkorea. Gewiss, Seoul liegt viel näher als Manila. Doch unter den asiatischen Ländern sind die Philippinen aufgrund der engen Wirtschaftsbeziehungen zu Südkorea und der eng verzahnten Supply Chain sowie wegen der geografischen Nähe recht stark exponiert.

Quelle

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