Auswandern – In Zukunft Sonne tanken

Wenn Florida und Josef Rann am 31. Januar 2018 zum letzten Mal ihre Tankstelle abschließen, dann haben sie sich den Ruhestand mehr als verdient. Zwei Tankstellen und für ihn zusätzlich eine Vollzeitstelle in Stuttgart haben die beiden bewältigt. Josef Ranns Tage begannen, je nach Schicht, um 3.30 Uhr in der Presserei bei Daimler Benz, danach ging es in einer der Tankstellen weiter.

Wenn er Spätschicht in Stuttgart hatte, fuhr er, bevor es heim ins Bett ging, um Mitternacht an die Benzin-Preisschilder und schraubte sie für den nächsten Tag um. Seine Frau schob Schichten, meist arbeitete sie in der Tankstelle im Gewerbegebiet „In der Kerz“. Das war die erste Tankstelle, die die beiden pachteten. Florida Rann wollte gerne selbstständig sein, und so nahmen sie 1992 das Angebot von Kaufland an und wurden Pächter. 2004 kam dann die zweite Tankstelle „Im Gründle“ in Hessental dazu, die sie vor einiger Zeit abgaben.

Viele Stammkunden haben sie in 25 Jahren gewonnen. „Hallo Tankstelle!“, rufen ihnen oft Menschen zu, die ihnen auf der Straße begegnen. Josef Rann sagt selbst, er sei bekannt wie ein bunter Hund. Auch durch seine Vorstandsarbeit beim Verein „Help! – Wir helfen!“ und als Mitgründer des Tischtennisvereins in Gnadental, dem Wohnort der beiden.

Wohnhaus für den Eigenbedarf

Wenn das Paar heute über all die arbeitsreichen Jahre nachdenkt, sagen sie: „Das würden wir nicht noch einmal so machen. Man geht daran kaputt.“ Aber sie hatten ein Ziel: Sie wollten ein Haus bauen und das sollte bis zum Ruhestand abbezahlt sein. Das haben sie geschafft. Und vor 15 Jahren auch noch ein Grundstück auf den Philippinen gekauft – 30 Meter vom Meer entfernt. Erst war geplant, dort ein Wohnhaus für den Eigenbedarf zu errichten. „Aber was machen wir dann dort?“, fragt die 63-Jährige. Florida Rann will beschäftigt bleiben, hat Angst krank zu werden, wenn Körper und Geist nichts mehr zu tun haben. Also heckte das Ehepaar einen neuen Plan aus: Sie bauen ein Hotel. Sieben Zimmer, acht Angestellte, ein Pool und ein Garten mit Papayabäumen ist daraus geworden. Sie wohnen in einem der Zimmer und haben als Chefs eigentlich nichts dort zu suchen, wo gearbeitet wird – So sei die Kultur auf den Philippinen.

Was die Angestellten zu tun haben, wird Florida Rann ihnen sagen und sie wird auch die Buchführung übernehmen. Josef Rann freut sich darauf, die Füße hochlegen zu dürfen. Morgens aufstehen, Frühstück serviert bekommen, Liegestuhl. Sonntagmorgen zum Stammtisch mit anderen Auswanderern und einen Tischtennisverein gründen. Die Flagge seines Fußballvereins, Borussia Mönchengladbach, steckt schon im Garten.

Weder Englisch noch die Landessprache Tagalog spricht der Hotelbesitzer besonders gut, aber ein befreundetes Paar aus Hall wandert mit aus und bietet Gesellschaft.

Andere Einstellung

Florida Rann, die seit 35 Jahren in Deutschland lebt, hat erst jetzt, da sie wieder auf ihre Insel zurückkehrt gemerkt, wie sehr sie die deutsche Mentalität übernommen hat. Sie verlangt Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit von ihren Angestellten und hat ganz vergessen, wie anders, wie „Lebe den Tag!“ ihre Nation ist.

„Loreley“ heißt das kleine Hotel der Ranns. Weil der gleichnamige Felsen am Rhein sie immer so fasziniert hat. In der „Loreley“ gibt es, neben Reis und Früchten, zwei Spezialitäten: Schnitzel und Braten. Am 31. Januar also werden sie die Tankstelle dem künftigen Pächter überlassen. „Das wird mir schwer fallen“, sagt Florida Rann. Josef Rann meint dagegen: „Wenn ich einmal etwas beendet habe, dann ist es beendet.“

Quelle

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