Der US Präsident in Manila – Trumps pragmatische Außenpolitik

Manila, Philippinen – Im Gegensatz zu Obama sind die Menschenrechtsverletzungen für Trump jedoch kein allzu wichtiger Punkt auf der Agenda. Das Thema sei am Rande kurz angesprochen worden, teilte das Weiße Haus mit. Dutertes Sprecher verkündeten, Menschenrechte seien gar nicht thematisiert worden.

Zu der von Aktivisten geforderten Verurteilung von Dutertes Politik kam es jedenfalls nicht. Autokraten und Brutalos kritiklos als Gesprächspartner hinzunehmen, ist der Preis, den Trump für seinen überfreundlichen Empfang in Asien bezahlen muss.

Diese extrem pragmatische Außenpolitik hat für die USA durchaus Vorteile: So gelang es Trump die wertvolle Allianz mit den Philippinen, die eigentlich als zerrüttet galt, im Handumdrehen zu retten. Noch vor einem Jahr hätte daran kaum jemand geglaubt, als Duterte die traditionellen Militärübungen mit den US-Truppen absagte und damit drohte, die auf den Philippinen stationierten US-Soldaten nach Hause zu schicken.

Doch Trumps Wertelosigkeit ist für die US-Außenpolitik auch gefährlich. In Südostasien – einer Region, die von Korruption und mangelnder Rechtsstaatlichkeit geprägt ist – strahlten die USA als Hort der Freiheit lange eine besonders große Attraktivität für die lokale Bevölkerung aus. Ihre moralische Vorbildfunktion ermöglichte es den Amerikanern, auch abseits von ökonomischer und militärischer Macht, ihren Einfluss auszuweiten.
Doch unter Donald Trump können sich Demokratieverfechter nicht länger auf die Unterstützung aus Washington verlassen. Sie bekommen von den Anhängern der Autokraten Trump lediglich als Beispiel für die These präsentiert, dass die Volksherrschaft am Ende doch nicht so gut funktioniere. Auf Liebeslieder aus der Bevölkerung muss Trump zumindest in Manila verzichten. Demonstranten verbrannten aus Protest eine vier Meter große Trump-Statue. Einer der Anführer erklärte: „Trump ist der Feind des Volkes.“
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