Auf den Philippinen soll der Markt ausgehebelt werden, um mehr Konkurrenz zu schaffen

Das Internet- und Mobilfunkangebot auf den Philippinen gehört zu den schlechtesten in Asien. Nun soll Konkurrenz aus China die verkrustete Struktur aufbrechen. Doch der Plan tönt zu schön, um wahr zu sein.

telco

Manila, Philippinen – Die Öffnung der philippinischen Wirtschaft gegenüber China steht vor einem interessanten Test. Wenn es nach dem Willen des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte geht, soll ein chinesischer Telekom-Anbieter den heimischen Markt aufmischen. Eine entsprechende Zusage soll der Staatschef in der vergangenen Woche anlässlich des Asean-Gipfeltreffens in Manila dem chinesischen Premierminister Le Keqiang gegeben haben. (wir berichteten) Chinesische Anbieter verfügten über die modernste Technologie und über Erfahrung mit einem Massenmarkt, heisst es im Umkreis des Staatschefs.

Die Bevölkerung als Milchkuh

Ein dritter, starker Anbieter aus dem Ausland würde das Duopol von Philippine Long Distance Telephone (PLDT) und Globe Telecom beenden. An PLDT ist die japanische Nippon Telegraph & Telephone Corp. mit 20% beteiligt; bei Globe ist seinerzeit Singapore Telecommunications mit knapp 30% eingestiegen. Das Duopol und die damit einhergehenden Absprachen sind wesentlich dafür verantwortlich, dass auf dem Archipel bezüglich Internet-Verbindungen und Mobiltelefonie zum Teil haarsträubende Zustände herrschen: Die Übertragungsgeschwindigkeiten sind langsam, die geografische Abdeckung ist lückenhaft; mitunter ist nicht einmal Interoperabilität von Festnetz und Mobilfunk gewährleistet. Das Malaise wurde unlängst unverblümt von Jack Ma, dem Gründer von Alibaba, anlässlich eines Vortrags in Manila angesprochen.

Handy und Internet gelten auf den Philippinen als Menschenrecht. Auf die knapp 100 Mio. extrem kommunikationsfreudigen Bürger kommen denn auch 120 Mio. Handynummern. PLDT und Globe haben es in der Vergangenheit aber geschafft, sich alle Konkurrenz vom Leibe und die Preise hoch zu halten. Im vergangenen Jahr kauften sie mit vereinten Kräften für 1,5 Mrd. $ die 700-MHz-Band-Frequenz von San Miguel Corp, mit der das Industrie-Konglomerat für frischen Wind in der Telekommunikation sorgen wollte; ursprünglich war dazu eine Kooperation mit dem australischen Anbieter Telstra geplant. Juristische Anfechtungen, wonach der Deal mit San Miguel illegal sei und einer Wettbewerbsabsprache gleichkomme, wurden von einem Gericht unlängst abgewiesen. Auf den Philippinen gibt es wohl eine Wettbewerbskommission, aber kein griffiges Kartell-Gesetz, weshalb beispielsweise auch lokale Bierproduzenten den Markt ungeniert unter sich aufgeteilt haben.

Negativliste für Investitionen

Mit Erfolg lobbyierten die beiden Firmen bisher auch für die Beibehaltung der in der Verfassung verankerten Regel, wonach ausländische Investoren an einheimischen Firmen kapitalmässig nur bis maximal 40% beteiligt sein dürfen. In diesem Zusammenhang hatten sich die zwei Grossunternehmen hinter den Kulissen im Wahlkampf 2016 auch für die etablierten Präsidentschaftskandidaten engagiert – also gegen Duterte. Zu dessen wirtschaftspolitischen Zielen gehört nämlich die Lockerung der als Foreign Investment Negative List (FINL) bekannten Vorschrift mit der 40%-Regel, was aber weiterhin auf Widerstand stossen dürfte.

Noch sind auf chinesischer Seite keine Interessenten bekannt. Ob dort aber die richtigen Partner zu finden sind, ist eine durchaus berechtigte Frage: Vor zehn Jahren schon endete der Versuch des chinesischen Telekom-Riesen ZTE, auf den Philippinen Fuss zu fassen, vorzeitig. Es ging um Kickbacks und Korruptionsversuche, die später unter anderem zur Verhaftung von Ex-Präsidentin Gloria Arroyo beigetragen haben. Als Fiasko erwies sich ferner das von China geplante und finanzierte Northrail-Projekt für den Betrieb eines oberirdischen städtischen Verkehrssystems.

Weshalb gibt es keine Ausschreibung, und wieso soll eigentlich nur ein neuer Anbieter für frischen Wind sorgen? Im kleinen Singapur, wo man gerade mal 6 Mio. Anschlüsse zählt, hat es insgesamt sechs Anbieter. Interessenten für den vermutlich lukrativsten Markt in Südostasien gibt es denn auch in Australien (Telstra), Japan, Korea und Vietnam. Für einige wirkt Dutertes Einladung an die Chinesen deshalb etwas voreilig – oder gar suspekt.

Quelle

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