More Women – More Peace» – Miriam Coronel Ferrer in der Schweiz

Bern, Schweiz – FriedensFrauen Weltweit organisierte im November 2017 verschiedene Veranstaltungen mit Miriam Coronel Ferrer, der Chefunterhändlerin des Bangsamoro-Friedensabkommens in den Philippinen. Dabei stand die Beteiligung der Frauen in Friedensprozessen und deren Mehrwert und transformative Kraft im Zentrum.

Miriam Coronel Ferrer

Professor Miriam Coronel Ferrer

Prof. Ferrer war weltweit die erste Frau, der es als Chefunterhändlerin gelang, ein Friedensabkommen mit bewaffneten, nichtstaatlichen Akteuren zu unterzeichnen. Die Moro Islamic Liberation Front (MILF) und die philippinische Regierung unterzeichneten im Jahr 2014 das historische Bangsamoro-Abkommen. Nach 17 Jahren Verhandlungen gelang es damit, den 40 Jahre andauernden Konflikt mit der MILF zu beenden. Die Umsetzung des Friedensvertrages ist jedoch in der Zwischenzeit durch politische Umstände ins Stocken geraten.

Miriam Coronel Ferrer besuchte die Schweiz auf Einladung von FriedensFrauen Weltweit – Peace Women Across the Globe (PWAG). PWAG ist das internationale Netzwerk der 1000 Frauen, die 2005 für den Friedensnobelpreis nominiert wurden. Die internationale Organisation mit Sitz in Bern setzt sich für die Partizipation von Frauen in Friedensprozessen ein. PWAG fördert den Erfahrungsaustausch unter den weltweit tätigen FriedensFrauen und setzt sich für eine nachhaltige und sichtbare Friedensarbeit von Frauen ein.

FriedensFrauen Weltweit hat 2017 FrauenFriedensTische in 30 Ländern organisiert. Diese Tische sind lokale Plattformen, wo Frauen zusammen kommen und über ihre Rolle in Konflikten und in der Friedensarbeit diskutieren. Im Herbst 2017 haben weltweit 30 FrauenFriedensTische stattgefunden. In Afghanistan, Kolumbien, Mali, Nepal und zahlreichen weiteren konfliktbetroffenen Ländern diskutierten Frauen, wie Frieden für sie aussehen soll. Eine geschlechtergerechte Aufarbeitung des Konflikts, politische Mitbestimmung, Inklusion, ökonomische und soziale Sicherheit – dies sind nur einige der Forderungen der 30 FrauenFriedensTische. Beim FriedensTisch in Bern machte Professorin Coronel Ferrer deutlich, dass die Einbindung der Frauen in die Verhandlungen eine Wirkung über den Friedensvertrag hinaus hat.

Brüder und Schwestern

«Wir können nicht mit einer Frau verhandeln!» – auf solche Widerstände stiess Prof. Ferrer bei ihrer Nominierung als Chefunterhändlerin. Aber auch von Regierungsseite gab es anfänglich Zweifel. Frauen waren zwar im wirtschaftlichen Bereich präsent, nicht aber im Zentrum politischen Handelns. Eingang in die Verhandlungen erhielten Frauen mit dem Argument der Gleichwertigkeit. Wenn die Moro als ethnische Minderheit eine Anerkennung als gleichwertig verlangten, so gebühre dieser Respekt auch genauso den Frauen. Zudem zeigen zahlreiche Studien, dass Frieden am besten erreicht wird und nachhaltiger wirkt, wenn alle Bevölkerungsgruppen im Friedensprozess vertreten sind.

Die Einbindung von Frauen entwickelt eine transformative Kraft, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt. «Es gab eine wirkliche Veränderung im Bewusstsein der männlichen Unterhändler der Gegenseite. In einer Pressekonferenz, nachdem wir das Friedensabkommen unterzeichnet hatten, hörte ich sie plötzlich geschlechtergerechte Sprache verwenden.» Während die Unterhändler der MILF zu Beginn der Verhandlungen stets von «er» und «muslimischen Brüdern» sprachen, war später immer mehr die Rede von «er oder sie» sowie von «muslimischen Brüdern und Schwestern».

Mobilisierung von Frauen

Die weibliche Form fand nicht nur Eingang in den Sprachgebrauch, auch wurden im Anschluss in Bangsamoro Ausbildungen zur Friedensbildung nur für Frauen angeboten. Natürlich sei diese Art des Wandels auch beängstigend für die Männer gewesen, erzählte Prof. Ferrer. Aber der Wandel habe zu mehr Offenheit geführt und alle Beteiligten hätten den Vorteil der Beteiligung der Frauen zu sehen und akzeptieren begonnen. «Und einmal mobilisiert sind die Frauen nicht mehr im Haus zu halten» – so Miriam Coronel Ferrer.

Die Mobilisierung und Solidarität unter Frauen war aber während der Verhandlungen selbst von grösster Bedeutung für Prof. Ferrer. Die Chefunterhändlerin sagt: «Ich hätte es nicht alleine schaffen können, ich erhielt viel moralische Unterstützung von meinen Schwestern im Friedensprozess». Im Panel aber auch bei der Vermittlung nach Aussen seien ihre Mitarbeiterinnen für sie sehr wichtig gewesen. «Sie halfen mir, die weitere Gesellschaft zu erreichen und zu erklären, was wir zu schaffen versuchten.» Frieden benötige immer Vorstellungskraft, da etwas geschaffen werde, was es vorher nicht gab.

Transformation von Friedensprozessen

Die Verhandlungen auf den Philippinen haben auch zu internationalem Wandel beigetragen, so Miriam Coronel Ferrer. So habe der Friedensvertrag der kolumbianischen Regierung mit der FARC 2016 diese Ansprüche an Geschlechtergerechtigkeit weiter erhöht habe. Diese war nicht mehr nur Thema, sondern es gab eine eigene Gender-Subkommission. «Keine Friedensverhandlungen werden mehr dieselben sein, weil sie auf der Basis von neuen Normen gemessen werden.»

«More women – more peace» – so das Schlusswort von Miriam Coronel Ferrer am FrauenFriedensTisch in der Schweiz.

Cécile Bannwart, FriedensFrauen Weltweit

Weitere Informationen zu FriedensFrauen Weltweit: www.1000peacewomen.org

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