Bittere Realität – Theologe Engelbert Groß gab Einblicke in „Oasen der verwüsteten Kinder“ auf den Philippinen

Den Ärmsten und Schwächsten eine Stimme zu geben – dafür ist Engelbert Groß, emeritierter Eichstätter Professor für Religionspädagogik und Autor mehrerer Bücher, in Eichstätt und Umgebung bereits bekannt.

Theologe Professor Dr. Engelbert Groß

Zu einer Lesung aus seinem Buch „Oasen der verwüsteten Kinder“ lud Groß in Zusammenarbeit mit der Weltbrücke, der Steuergruppe Fairtrade-Stadt Eichstätt sowie der Katholischen Erwachsenenbildung in das Caritas-Pirckheimer-Haus ein. Über 80 Besucher verfolgten die bewegenden Ausführungen des Theologen über die von dem diesjährigen Shalompreisträger Pater Shay Cullen begründete Kinderschutz- und Fairhandels-Organisation Preda auf den Philippinen. Der musikalisch umrahmte Abend war zugleich Auftakt für den Verkauf des „Eichstätter Fairlebkuchen“, der in diesem Jahr dem Engagement von Preda zugutekommt.

Es sind unvorstellbar harte Schicksale, mit denen Engelbert Groß sein Publikum konfrontierte: philippinische Kinder und Jugendliche, die unverschuldet in den Sumpf aus Gewalt, Drogen, Kriminalität, Straßenstrich und Knast geraten sind und nun einen Ausweg suchen. Da ist die 12-jährige Liwliwa, die lange Zeit in den Bordellen von Olongapo missbraucht und entwürdigt wurde, bevor sie das Glück hatte, im „Girl’s Home“ der Kinderschutzorganisation Preda Therapie, Erholung und die Rückkehr in ein kindgerechtes Leben zu erhalten. Ganz still war es unter den über 80 Zuhörern, als Groß von Jamie erzählte, 12 Jahre alt, der mit Vergewaltigern und Mördern zusammen in einem Gefängnis in Manila eingesperrt worden war. Sein „Vergehen“: Laut Polizei war es Glücksspiel, seine Familie sagte, es sei ein Kinderspiel gewesen. Kein Staatsanwalt, kein Richter hatte ihn je angehört; seine Familie konnte das Lösegeld nicht bezahlen, damit er freigelassen würde. Tuberkulose, Vergewaltigung, Hunger, Erpressung und Folter waren lange Alltag dieses Kindes, doch Jamie hatte Glück: Auch er kam in das Preda-Kinderzentrum in Cullens „Boy’s Home“, wo er sich erholen und wieder zu seiner Familie zurückkehren konnte.

In berührender Weise ließ Groß seine Zuhörer an den Gedanken und Gefühlen teilhaben, die ihm bei seinen persönlichen Besuchen im „Girl’s Home“ bei Preda durch den Kopf gingen: „Sie alle, diese Kinder, die jungen Mädchen um mich herum, sind Opfer vom brutalen Prostitutionsmarkt der Städte. Hautnah: lauter Opfer sexuellen Missbrauchs. Das macht mir den Atem kurz. Das versetzt mein Fühlen in einen Engpass, drängt es zusammen, macht mich beklommen“, las er. Viele der Mädchen seien gerade einmal zwölf Jahre alt – kaum vorstellbar, welches Leid ihnen durch „Monster, Unhold, Vandalen“, wie Groß sie nannte, durch Missbrauch und Entwürdigung widerfahren sei.

Neben der Arbeit gegen Kinderprostitution und Kindergefängnisse setzt sich Shalom-Preisträger Shay Cullen mit seiner Organisation Preda auf einem weiteren Feld ein: ein Projekt des fairen Handels mit Mangos, das mit der Rekordspendensumme von 30 500 Euro aus der diesjährigen Shalomaktion unterstützt wird. Das Projekt bildet die Lebensgrundlage und Einkommensquelle vor allem für die indigene Bevölkerungsgruppe der Aeta. Eben deren Kinder und Jugendliche liefen lange Zeit aus purer Not in die philippinischen Großstädte, um dort wehrlose Opfer von Kriminalität und Prostitution zu werden. Die Fairtrade-Bewegung von Preda indes, so berichtete Groß eindrücklich, konnte viele dieser wehrlosen Kinder retten, indem Cullen und sein Team sie aus den Gefängnissen, Bordellen, Sexbars und von den Straßen holten, um ihnen und ihren Familien durch Anbau und Handel fair produzierter Mangofrüchte wieder Ausbildung, Arbeit und Auskommen zu ermöglichen.

Zwischen den berührenden, teilweise anspruchsvoll poetischen Lesungen aus dem Buch „Oasen der verwüsteten Kinder“ begeisterte das Musik-Duo von Constanze Ferstl mit Fagott und Frieda Dumann am Klavier mit gefühlvoll-bewegenden Musikstücken das Publikum; beide Gymnasiastinnen lasen immer wieder auch nachdenklich stimmende Texte.

Engelbert Groß engagiert sich weiter: Am Samstag, 2. Juni 2018, 19.30 Uhr, wird in der Rebdorfer Pfarrkirche St. Johannes die Premiere seines als „Drama für Sprecher und Instrumentalisten“ verarbeiteten Werks „Oasen der verwüsteten Kinder“ stattfinden. Für die musikalische Umsetzung hat er Steven Heelein, Professor an der Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth, gewinnen können; Sponsoren für die Veranstaltung werden noch gesucht.

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