Dengue – Sanofi warnt vor eigenem Impfstoff

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Manila, Philippinen – Wer vor einer Impfung gegen Denguefieber noch nie zuvor an dem Virus erkrankt ist, sollte sich nicht gegen Dengue impfen lassen. Das teilte der Hersteller des derzeit einzigen verfügbaren Impfstoffs (DengvaxiaTM) Sanofi in einer Pressemitteilung mit. In diesem Fall ist das Risiko erhöht, bei einer Infektion an einer schweren Form zu erkranken, wie die Auswertung klinischer Studiendaten über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren jetzt gezeigt hat.

Denguefieber kann durch vier verschiedene Serotypen des Denguevirus verursacht werden. Nach der Erstinfektion kommt es nur zu einer Immunität gegen den verantwortlichen Serotypen. Bei einer weiteren Infektion mit einem anderen Serotyp kann die Erkrankung schwerer verlaufen. Als Ursache vermutet man sogenannte infektionsverstärkende Antikörper. So verläuft die Erstinfektion zumeist harmlos mit grippeähnlichen Symptomen. Dagegen kann es bei der zweiten Infektion infolge der Antikörper zu schwerem hämorrhagischem Dengue-Fieber kommen. Die Studienergebnisse deuten nun daraufhin, dass auch die Impfung infektionsverstärkende Antikörper erzeugt und bei den Geimpften auch bei Erstinfektion mit Dengueviren die Gefahr für hämorrhagisches Dengue-Fieber erhöht ist.

Dengvaxia ist ein tetravalenter rekombinanter Lebendimpfstoff, der gegen alle vier Serotypen des Virus schützen soll. Die Vakzine ist bislang nur in Ländern mit hoher Dengue-Verbreitung zugelassen. Er soll 93 Prozent aller schweren Erkrankungen und 80 Prozent der Krankenhausaufenthalte verhindern. Nach WHO-Schätzungen infizieren sich jährlich 50 bis 100 Millionen Menschen weltweit mit Dengueviren. Etwa 500.000 erleiden einen schweren Krankheitsverlauf. Jedes Jahr sterben schätzungsweise 22.000 Menschen an Denguefieber, vor allem Kinder. Das höchste Risiko für eine schwere Erkrankung haben Sanofi zufolge diejenigen mit einer Zweitinfektion mit einem anderen Serotyp.

Sanofi hat den Zulassungsbehörden nun eine Änderung der Fach- und Gebrauchsinformationen vorgeschlagen. Demnach soll abgeschätzt werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Impfling bereits zuvor an Denguefieber erkrankt ist. Nutzen und Risiken sollen sorgfältig abgewogen werden. Für bislang nicht Infizierte sollte die Impfung nicht empfohlen werden.

Die Philippinen hatten nach Sanofis Meldung vom Mittwoch das landesweite Impfprogramm für rund eine Million Kinder am Freitag gestoppt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Heute hat das Justizministerium des Landes Ermittlungen gegen Sanofi eingeleitet. Die Philippinen hatten im April 2016 eine staatliche Impfkampagne gegen Denguefieber für Kinder gestartet. Seitdem sind dort schätzungsweise bereits 733.000 Kinder immunisiert worden.

Quelle

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