Romblon – Die Marmor-Insel

Romblon - Die Marmor-Insel

Zwar wachsen auf der Insel Romblon, mittig im philippinischen Archipel gelegen, reichlich Reis, Kokos und Tropenfrüchte, und die umgebende See liefert jede Menge Fisch. Dennoch wäre das Dasein weniger behaglich, wenn nicht eine üppige Rohstoffquelle für gutes Einkommen vieler Insulaner sorgen würde.

Große Teile der Inselsubstanz bestehen nämlich aus reinem Marmor, und obwohl selbiger nun schon seit Ewigkeiten abgebaut wird, scheinen die Vorkommen unerschöpflich zu sein. Natürlich wird der Stein nicht wie im italienischen Carrara, der berühmtesten Lagerstätte der Welt, mit teuren diamantenbestückten Bandsägen aus dem Berg geschnitten und dann per Monstertruck abgefahren, ohne dass es noch zur Investition nennenswerter Muskelkraft käme.

Da auf Romblon alles seinen ruhigen Gang geht, sind auch weiterhin Schneidedrähte im Einsatz, wie sie in Italien anno 1896 eingeführt wurden, und wenn schon mechanisch gesägt wird, dann mit einem urzeitlichen Modell. Viel mehr wird jedoch mit Hammer und Meißel gewerkelt, und bis so ein Block sich dann aus dem Fels löst, kann es Wochen dauern. Macht nichts.

Dieserart hat ein ganzer Clan Arbeit, zwar nicht nach den Tarifen der IG Bergbau bezahlt, aber bezahlt. Versteht sich, dass auch keine Berufsgenossenschaft mit spezieller Arbeitskleidung in Bereitschaft steht. Wie jedermann in der philippinischen Provinz gehen die Marmorhauer von Romblon den Job in Badelatschen an, und wenn so ein tonnenschwerer Block sich dann mal aus seiner Vertäuung löst und einem Arbeiter auf die Zehen plumpst, dann hat er eben Pech gehabt und ist wegen seines „Entenfußes“ hinfort nicht mehr im Steinbruch tätig, sondern vielleicht in einer Werkstatt, die den Stoff weiterbehandelt. Gar mancher Bergmann hatte, im Vergleich gesehen, nicht dieses Glück. Der Zeitpunkt, wann ein gewaltiges Trumm plötzlich losbricht, ist nämlich schwer vorhersehbar, und wer ihm dann im Weg steht, wenn er zu Tal taumelt, der hat schlechte Karten. Ganze Häuser – mit Menschen darin – sind auf diese Weise plattgemacht worden.

Überall Familienbetriebe

In Romblon Town, einem durch und durch traulichen Nest ohne Ansprüche auf einen Anschluss an die gehetzte Moderne, wird das Inselgestein an jeder zweiten Ecke zu irgendetwas attraktivem Gewichtigem verarbeitet. Von dieser Klein- bis Kleinstindustrie zehren wiederum ganze Familien, die nicht nur Marmorbüffel, -eier, -elefanten, -marienjungfrauen, –schachfiguren oder –schmucktafeln herstellen, sondern auch komplette Garten- und Terrassenmöbel, deren Fertigung oft genug den mühsamen Handbetrieb mit dem schweren Stoff voraussetzt. Wer mit Marmor arbeitet, den erkennt man an den dicken Muckis; ein Fitness-Studio würde auf Romblon keine Geschäfte machen. Und selbst für die Inselkinder fällt etwas ab. Mit dem weißen Marmorstaub kann man sich nämlich herrlich einseifen und sieht dann wie ein „Amerikano“ aus. Oh, selige Unschuld, dich kann es nur auf Romblon geben!

Mediterranes Ambiente

Weiß und marmorn sind ebenfalls die meisten Strände der Insel und der ihr vorgelagerten kleinen Eilande, die mit glasklarem Wasser, prächtigen Tauchgründen und mangels Straßen mit null Verkehr aufwarten. Schön auch das mediterrane Ambiente von Romblons „Waterfront“, die zu den malerischsten des Landes zählt.  Die Insel war schon zu altspanischen Zeiten (ab dem 16. Jh.) ein wichtiger Stützpunkt für die Kolonialmacht. Die Lokalsprache enthält viele spanische Elemente, und diverse Baulichkeiten erinnern an eine Periode, als die fremde Seemacht von hier Ausfälle gegen die räuberischen Moro-Piraten des Südens unternahm. Die Forts San Andres und Santiago Hill von 1640 stammen aus jener Zeit, und auch die Kirche von 1726 sieht immer noch sehr iberisch aus – von ihrem Wellblechdach einmal abgesehen. Kleine Sehenswürdigkeiten, die man schnell hinter sich gebracht hat, die man aber nicht versäumen sollte. Und dann geht’s ans Erstehen von „Andenken“! Wobei man sich im ersten Kaufrausch nicht über das Gewicht hinwegtäuschen darf, das im Gepäck landet. Marmor ist ein schwerer Stoff, wie auf Romblon so mancher Arbeiter mit „Entenfuß“ bezeugen kann. Immer dran denken: Das generelle Gepäcklimit im Flieger beträgt 20 kg – das sind gerade mal ein paar Marmor-Eier!

Wie kommt man hin? Per Flieger von Manila zum benachbarten Tablas, von dort per Schiff. Logieren kann man u.a. (für ca. 10 Euro) in der bischöflichen Residenz.

Text und Fotos von Roland Hanewald

 

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