Samir El-Fuqaha – Im Juni geht es auf die Philippinen

Samir El-Fuqaha

Tägliches Training und eine strenge Diät sollen dieses Jahr den Weltmeistertitel bringen. Samir El-Fuqaha (33) aus Lindlar bereitet sich auf die NAC International auf den Philippinen im Juni vor. (Foto: Schmitz)

Wenige Zentimeter Stoff, etwas Öl für den Körper und Gel, damit die Frisur hält. Viel Ausrüstung braucht Samir El-Fuqaha wirklich nicht, wenn er bei einem Wettkampf startet. Die Muskeln sprechen für sich. Und wie.

Der 33-jährige Lindlarer steigt gerade zu einem der erfolgreichsten Kraftsportler der Bundesrepublik auf. Als Starter des deutschen National Athletic Committee (NAC) kam er jüngst unter die zehn erfolgreichsten Bewerber für den Titel des „Mr. Universe“. Ab Januar bereitet er sich auf die Weltmeisterschaft im Juni vor – auf den Philippinen werden dann die stärksten Muskeln der Erde gesucht.

El-Fuqaha startet stets in der Athletik-Klasse. Also gegen jene Typen mit breitem Kreuz, die wirklich Kraft haben und nicht nur so aussehen. Bodybuilding – diesen Ausdruck lehnt er ab. Zu viele Klischees und noch mehr Steroide hafteten ihm an, findet der Lindlarer. Nicht dumpfes Hanteldrücken und jede Menge Chemie, sondern nur eine akribisch ausgeklügelte Mischung aus Training und Ernährung machten den Weg in die Spitzengruppe möglich.

Im Juni geht es auf die Philippinen

Mit 14 Jahren sieht El-Fuqaha den Actionfilm „Running Man“. In der Hauptrolle kämpft Arnold Schwarzenegger. Die Gegner rücken im Dutzend an und haben doch keine Chance. Das österreichische Muskelpaket mit seinen anderthalb Metern Brustumfang und den sieben „Mr. Olympia“-Titeln imponiert dem jungen Lindlarer damals sehr. „Mich hat Schwarzenegger total beeindruckt“, erinnert sich El-Fuqaha. Ein Jahr später stemmt er in einer kleinen Muckibude über dem Café Elan die ersten Eisen.

Bis dahin war er vor allem auf den Fußballplätzen der Region bekannt. Als Stürmer steht er heute noch in den Torjägerlisten des Fußballkreises Berg, mit dem SV Bergisch Gladbach 09 trat er in der Verbandsliga an, später schoss er den SSV Süng zum Aufstieg. Durch allerlei Verletzungen fällt ihm der Wechsel vom Fußball zum Kraftsport schließlich leichter. Statt gegen Innenverteidiger will er künftig gegen Gewichte kämpfen.

Samir El-Fuqaha trainiert fleißig, aber neben dem Job fehlt lange die Zeit für eine Wettkampf-Vorbereitung. 2015 traut er sich zum ersten Mal auf die Bühne. Ein dritter Platz im Newcomer-Wettbewerb des NAC belohnt seinen Mut. Im Sommer 2017 startete dann das bislang erfolgreichste Jahr seiner Kraftsport-Karriere.

Morgens um 5 Uhr geht es auf den Crosstrainer

Vordere Plätze bei der Westdeutschen Meisterschaft in Rheinbach und die anvisierte Silbermedaille bei der Deutschen Meisterschaft in Magdeburg brachten ihn Ende November als potenziellen „Mr. Universum“ in die nähere Auswahl – noch dazu vor deutschem Publikum in Hamburg. „Wenn du diese Bühne betrittst, weißt du, dass sich die ganze Arbeit definitiv gelohnt hat“, sagt El-Fuqaha.

Vor den Wettkämpfen dreht sich alles ums Training und vor allem die Mahlzeiten. Genau 85 Kilogramm darf er laut Reglement wiegen. Dafür stemmt er sechs Tage die Woche Lang- und Kurzhanteln, macht Gymnastik, arbeitet mit Fitnessbändern. 60 Minuten pro Einheit und zwar hochkonzentriert. Ganz langsam ausgeführte Wiederholungen brächten den größten Erfolg, verrät der Lindlarer. „Du musst den Muskel spüren.“ Morgens um 5 Uhr geht es für ihn aus dem Bett direkt auf den Cross-Trainer – für bis zu schweißtreibende 90 Minuten mit leerem Magen, um die Fettverbrennung optimal zu fördern. Danach wartet das Frühstück: Reiswaffeln, zehn Eier und ein winziger Spritzer Süßstoff, um das Ganze einigermaßen genießbar zu machen.

„Zucker ist der größte Feind“, erklärt El-Fuqaha. „Er wirft dich um mehrere Wochen zurück.“ Der Gedanke an Süßigkeiten sei immer präsent, je länger die Diät dauere, desto öfter. Stattdessen warten alle zwei bis drei Stunden weiterer Reis, Brokkoli und Hähnchen – jeweils exakt mit der Digitalwaage abgemessen. Drei Stunden pro Tag nimmt so allein das Essen ein.

Fitness-Konzern All Stars unterstützt El-Fuqaha

Trainingsfortschritt, Ernährung und vor allem die Motivation überwacht Coach Sebastian Zöller aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Nach der Top-Ten-Platzierung beim „Mr. Universum“ wird er El-Fuqaha auch auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2018 auf den Philippinen begleiten. Ein Muss ist zuvor der Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Mai. Seine Beine hat der Lindlarer inzwischen als leichte Schwäche ausgemacht, an denen er besonders intensiv arbeiten will.

Fast 900 000 Menschen weltweit haben „Sam’s Transformation“, wie El-Fuqaha seine letzte Vorbereitung genannt hat, im Internet verfolgt. Auch Sponsoren sind hellhörig geworden. Kurz vor Weihnachten kam die Nachricht, dass der Fitness-Konzern All Stars ihn künftig als Werbeträger unterstützt – genau wie Arnold Schwarzenegger in den 70er Jahren. „Ich will unbedingt zur WM“, betont der Lindlarer und die Art, wie er es sagt, lässt kaum Zweifel aufkommen, dass er alles daran setzen wird. Aktuell müssen bis zum Juni 14 Kilo runter und jede Muskelfaser optimal definiert werden. Am Neujahrstag gab es übrigens Reiswaffeln.

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