Ein Sonntag im Park

Ein Sonntag im Park

Zu spanischen Zeiten trug die ausgedehnte Parkanlage an der Manila-Bucht den Namen „Luneta“. Hier flanierten die Doñas und Caballeros der Besatzungsmacht, noch nicht ahnend, dass 1898 ihre Tage auf den Philippinen gezählt sein würden. Den Ausschlag für das koloniale Ende gab die Exekution des späteren Nationalhelden José Rizal, der am 30. Dezember 1896 an dieser Stelle erschossen wurde.

Der Wegbereiter der philippinischen Unabhängigkeit liegt unter einem eindrucksvollen, von einer riesigen Nationalflagge überwehten Monument an diesem Platz begraben, und hier ist der kultige Mittelpunkt des Landes. Nach dem Heroen wurde 1913 die ganze Anlage in Rizal Park umbenannt; man kann sich immer noch einen der beiden Namen aussuchen. Eine Ehrenwache ist ständig präsent und beliebtes Fotoobjekt nicht nur ausländischer Touristen, sondern auch einheimischer Teenies, die sich geradezu darum reißen, mal mit den Soldaten oder privaten Wachmännern posieren zu dürfen.

Der Rizal Park ist die grüne Lunge Manilas, wo ansonsten herzlich wenig grünt. Zu allen Seiten des Gevierts braust der Kraftverkehr dröhnend vorbei und verpestet die Atmophäre. Doch im Park selbst ist die Luft einigermaßen rein, namentlich wenn der Wind von der Buch hineinsteht, und deshalb versammeln sich große Scharen von Manileños und anderen Filipinos ständig, um einmal kräftig durchzuatmen. Am heftigsten ist der Andrang an Sonntagen. Man hat die Kirchen besucht, und nur zieht es die Großstädter nach einiger echter Entspannung, wie sie nur der Rizal bieten kann.

Man reist im Familienverband an, mit Kind und Kegel. Zur Entspannung gehört auch, dass man Nahrung zu sich nimmt, und der Reistopf fehlt deshalb in der Regel nicht. Die Kiddies erhalten Eiskrem und Plastikfood, plus Getränke, die ihnen bald die Zähne ausfallen lassen. Egal, die müssen sowieso raus. Dafür kann man sonntags das kostenlose „Concert at the Park“ genießen, und wenn Oma und Opa mal eine Kutschfahrt spendieren, lässt man sich solchen Luxus auch gern gefallen. Der Hausherr muss derweil auf die Habe achtgeben, denn Taschendiebe sind unterwegs. Ganz speziell am 1. Januar, wenn das neue Jahr mit einem Riesenklamauk begrüßt wird und Manilas Hospitäler Hochbetrieb haben, weil wieder mal Finger und andere Gliedmaßen durch die Luft geflogen sind.

Viel zu tun haben am nächsten Montag auch die Müllbeseitiger, denn der Abfall heißt ja Abfall, weil man ihn fallen lassen kann. Darüber sollte man sich als Besucher nicht ärgern, sondern bewundernd anerkennen, dass der Rizal Park trotz Kriegen (Manila war nach Warschau die am stärksten zerstörte Stadt des 2. Weltkriegs) und ausufernden Baubooms über einhundert Jahre fast im Original erhalten geblieben ist. Wer Kontakt mit Filipinos machen möchte — hier, erkennbar an vielen Liebespaaren, ist der richtige Platz!

Text und Bilder Roland Hanewald

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