Ungewöhnliche Hilfe – Tölzerin massiert auf den Philippinen Opfer des Taifuns

Manila, Philippinen – Edna Ullmann ist ein fröhlicher Mensch, jedenfalls nach außen hin. Sie lacht in fast jedem Moment, auch wenn sie spricht, leuchten noch ihre dunklen Augen. Ihr philippinisch gefärbtes Deutsch mit den vielen S statt Sch kommt so geschwind daher, dass man ihr nicht immer gleich folgen kann.

Aber eine ihrer Lebensmaximen drückt die 53 Jahre alte Tölzerin in Englisch aus: „Don’t give up.“ Den Willen zum Weitermachen brauchen gerade wieder die Menschen in ihrem Heimatland nach dem verheerenden Tropensturm, der an Weihnachten mehr als 240Todesopfer forderte. Edna Ullmann fliegt an diesem Montag auf die Philippinen, um dort auf ungewöhnliche Weise zu helfen: Sie bietet Wellness-Massagen an, um den traumatisierten Landsleuten ein wenig Entspannung in all dem Elend zu verschaffen.

Seit 26 Jahren lebt die 53-Jährige in Bad Tölz, wo sie mit dem Kirchenrestaurator und Maler Siegfried Ullmann verheiratet ist. An der Bockschützstraße betreibt sie eine Praxis „Asian Beauty & Wellness Service“, außerdem hält sie Vorträge im Kurhaus oder auf Kongressen. Sie liebe es, mit ihrer Arbeit zu helfen, sagt Edna Ullmann: „Wenn ich als Mensch andere Menschen glücklich machen kann, dann bin auch ich glücklich.“ Materiell kann sie den Filipinos kaum helfen, von denen viele ihr Zuhause in dem Tropensturm verloren haben. Mit den Massagen versuche sie jedoch, ihnen eine positive Energie zu vermitteln, Blockaden zu lösen, dem Körper wieder Kraft und Balance zu geben, sagt Edna Ullmann. Und dann erzählt sie von einer psychisch kranken Patientin im Krankenhaus Agatharied, der sie einmal die Hand massiert hat, eine Stunde, zwei Stunden lang. Danach habe die Frau die Hand wieder ein wenig bewegen können, „sie war überglücklich“.

Mehr als 240 Todesopfer hat der Tropensturm an Weihnachten auf den Philippinen gefordert

Mehr als 240 Todesopfer hat der Tropensturm an Weihnachten auf den Philippinen gefordert. (Foto: OH)

Es ist nicht das erste Mal, dass die Tölzerin auf die Philippinen zurückkehrt, um den Menschen dort nach einer Naturkatastrophe zu helfen. Nach dem Taifun „Haiyan“ war sie vor zwei Jahren in Tacloban, das rund 600 Kilometer von ihrem Geburtsort Davao-City entfernt liegt. Von damals hat sie noch Fotos, die zum Beispiel zeigen, wie die Wellblechdächer der Häuser in schlammigen Fluten treiben. Die Betroffenen seien sehr deprimiert gewesen, hätten keine Kraft mehr gehabt, erzählt sie. „Es ist nicht so einfach, seine Heimat zu verlieren.“ Es gehe darum, dass sie trotz aller Zerstörung wieder Mut fassten. In Tacloban hätten sie den Schock überwunden und sich gesagt, „wir bauen wieder auf“. Drei Monate lang war sie damals bei den Opfern, massierte und betreute sie, um ihre Seelen aus dem Dunkel wieder ans Licht zu holen, wie sie sagt. Diesmal will sie gleich fünf Monate lang in der Provinz Zambaonga bleiben, in den ersten sechs Wochen ist auch ihr Mann dabei. Um die eigene Unterkunft machen sie sich keine Sorgen. Die Filipinos seien sehr hilfsbereit, sagt Siegfried Ullmann. „Das ist ähnlich wie bei uns, als es das Hochwasser an der Elbe gab, da konnten die Helfer aus Bayern auch bei Familien übernachten.“

Außerdem hat Edna Ullmann noch Verwandte auf der Insel im Pazifik, unter anderem lebt dort ihr Cousin, der Fernsehmoderator ist. Leicht hatte es die Tölzerin in ihrer Kindheit dort nicht. Als sie zehn Jahre alt war, starb ihre Mutter. Danach war sie für ihre älteren Geschwister eine Art Haussklavin, die waschen,putzen, kochen musste. „Ich wurde geschlagen und missbraucht“, erzählt sie. „Abandoned“ sei sie gewesen, alleine gelassen. Ein Weg, mit den psychischen Folgen dieser Zeit fertig zu werden, war für sie die Kunst. „Gott hat mir die Kraft gegeben zum Malen.“ In Bad Tölz gehört sie dem Kunstverein an, ihre Bilder waren im August vorigen Jahres in der Ausstellung „Sommer Spezial“ im Kunstsalon zu sehen. Damals verriet sie ein Geheimnis: In all ihren Werken seien Engel versteckt, die ganz ohne Zutun auf die Leinwand kämen.

Die Tölzerin Edna Ullmann will den traumatisierten Menschen helfen, vor allem mit Massagen.

Die Tölzerin Edna Ullmann will den traumatisierten Menschen helfen, vor allem mit Massagen. (Foto: Manfred Neubauer)

„Ich habe mein Schicksal in die Hand genommen“, sagt die 53-Jährige. Zu diesem inneren Aufbruch will sie auch den Tropensturm-Opfern verhelfen, wobei ihr allerdings das Geld fehlt, um all die ätherischen Öle und anderen Utensilien für die Massagen selbst zu kaufen. Deshalb wäre sie für Spenden an den Freundeskreis Manao dankbar (Katholische Kirchenstiftung Maria Himmelfahrt, Stichwort: Philippinen, IBAN 63 7005 4306 0000 0049 79). Dann lachen die dunklen Augen von Edna Ullmann wieder, als sie noch eine Lebensmaxime verkündet: „Man muss vorwärts denken und daran glauben, dass in nächster Zeit wieder mehr Licht in mein Leben kommt.“

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