Bedrohung durch Islamischen Staat wächst

Marawi

Manila, Philippinen – Der Islam verbreitete sich vermutlich ab dem 14. Jahrhundert durch Handelskontakte mit Indonesien und Malaysia auf den Philippinen. Als die Spanier im 16. Jahrhundert den katholischen Glauben zu lehren begannen, zogen sich die Anhänger des Islam auf die südliche Insel Mindanao zurück. Dort lebt bis heute ein Großteil der landesweit etwa fünf Prozent Muslime.

Mindanao ist reich gesegnet an Bodenschätzen – und doch gehören ihre Bewohner zu den ärmsten des Inselstaates. Vor allem die muslimisch dominierten Provinzen fühlen sich von den katholischen Eliten in Manila ausgebeutet, hintergangen und an den Rand gedrängt. Radikale Rebellengruppen kämpfen seit Jahrzehnten für Autonomie und Mitspracherechte. Tausende Menschen kamen in den vergangenen Jahrzehnten bei Gefechten zwischen dem Militär und radikalen Islamisten ums Leben, Hunderttausende Zivilisten mussten aus Kriegsgebieten fliehen. Friedensverhandlungen scheiterten ein ums andere Mal.

Militäreinsatz scheitert kläglich

Während die neue Regierung unter Präsident Rodrigo Duterte sich ebenso wie ihre Vorgänger bemüht hat, einen dauerhaften Friedenspakt mit den muslimischen Aufständischen zu erlangen, sickerte eine sehr ernstzunehmende Gefahr quasi durch die Hintertür ein.

Bereits seit Jahren warnen Experten davor, dass sich die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) im Süden des philippinischen Archipels einen Stützpunkt für Südostasien schaffen könnte. Tatsächlich rief der IS seine aus Syrien und dem Irak abziehenden Kämpfer dazu auf, via Indonesien und Malaysia nach Mindanao vorzudringen. Einen Vorgeschmack, was das bedeuten könnte, hat Duterte im vergangenen Jahr bekommen. Eine Militäraktion, bei der in der muslimischen Hochburg Marawi ein in Washington auf der Liste der meistgesuchten Terroristen stehender Filipino verhaftet werden sollte, misslang kläglich.

Isnilon Hapilon entkam, dafür griffen Hunderte Muslim-Rebellen der Abu-Sayyaf-Gruppe und des lokalen Maute-Clans, der dem IS die Treue geschworen hat, zu den Waffen. Unterstützt wurden sie dabei offenkundig von erfahrenen Kämpfern des Islamischen Staates.

Es brauchte das Kriegsrecht, militärische Unterstützung verbündeter Staaten und sieben Monate, ehe Marawi als befreit gelten konnte. Die Gefechte kosteten mehr als 1200 Menschenleben, Marawi liegt in Schutt und Asche, Hunderttausende Bewohner verloren ihr Hab und Gut.

Zwar wurden einige namhafte Rebellenführer verhaftet, aber das Desaster von Marawi macht klar, dass Friede auf Mindanao weiterhin Wunschdenken bleiben wird. Und dass im Hintergrund eine Gefahr lauert, die die Regierung nicht weiter unterschätzen sollte.

Quelle

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