Kulturschock in Manila

Die Eichstätter Studentin Lisa-Marie Wimmer lebte viereinhalb Monate lang in der philippinischen Hauptstadt

Zwischen paradiesischen Stränden und tagelangen Taifunen: Die Studentin Lisa-Marie Wimmer tauschte ihren Alltag an der Universität Eichstätt gegen ein abenteuerliches Semester in der philippinischen Hauptstadt Manila. Die Kulturunterschiede sind enorm.

Studentin Lisa-Marie Wimmer

Studentin Lisa-Marie Wimmer

Manila, Philippinen – Südkorea oder die Philippinen: Sie wollte unbedingt nach Asien. Die Auswahlmöglichkeiten, die ihr der Journalistik-Studiengang der Katholischen Universität Eichstätt für ihr Auslandssemester angeboten hatte, waren begrenzt. Trotz politischer Unruhen war für Wimmer die Entscheidung klar: Mit zwei Kommilitoninnen flog sie am 5. August zu dem Archipel mit 7 641 Inseln im Pazifischen Ozean.

Alles Notwendige packte sie in einen Koffer und ein Handgepäck – das sollte für die nächsten Monate reichen. Erst kurz vor der Abreise habe sie überhaupt wirklich verstanden, dass sie ab jetzt ihren Alltag hinter sich lassen wird. Zu viel musste sie vorher noch organisieren, wie etwa die obligatorischen Impfungen: Tollwut, japanische Enzephalitis, Hepatitis A und B und Typhus.

In 26 Stunden ging es um die Welt. In Manila angekommen hieß es erst einmal: Verkehrschaos. Fünf Stunden brauchte das Taxi für 18 Kilometer vom Flughafen zu ihrem Hotel. Beide Fahrbahnseiten waren fünfspurig. Teilweise fuhren die Autos aber so nah beieinander, dass aus den fünf Spuren schnell mal sieben wurden. Manche Jeeps waren umgebaut mit provisorischen Sitzbänken, auf denen sich die Menschen festhielten. Stau war Dauerzustand auf den Straßen Manilas. Trotzdem gab es verhältnismäßig wenig Unfälle.

Einige Tage lang mussten sich die drei Studentinnen mit Kakerlaken ein Zimmer im Hotel teilen. Kommilitonen durchforsteten dann für sie die philippinischen Wohnungsanzeigen und sie hatten Glück – die Unterkünfte waren fünf Minuten vom Campus entfernt. Ihre Kurse an der Universität fanden von Dienstag bis Donnerstag statt. Über das sogenannte Buddy-System, bei dem einheimische Studenten ausländischen helfen, hatte Wimmer zwar ständig Kontakt zu ihren Kommilitonen, die hatten aber oft nur wenig Zeit. Der Leistungsdruck für die Filipinos an ihrer Austauschuniversität, der Elite-Hochschule Ateneo, sei sehr hoch. 600 bis 700 Euro Studiengebühren zahlen die Studenten pro Monat – nicht nur für die Menschen vor Ort viel Geld.

Wimmer verfolgte vor allem die deutschen Medien. Zu viel habe sie von philippinischen Freunden über die Voreingenommenheit der lokalen Medien erfahren. An jeder Ecke Manilas hätte es Zeitungsverkäufer gegeben, aber eine Zeitungsvielfalt, wie man sie in Deutschland kennt, habe der Journalistik-Studentin gefehlt. „Man weiß: In Manila werden fast täglich Leute erschossen.“ Eines Abends habe sie erst im Internet von wieder 200 Toten in der Hauptstadt erfahren: „Man bekommt es einfach nicht mit.“ Besonders an ihrer Universität habe sie sich immer sicher gefühlt, Tipps ihrer Kommilitonen gab es reichlich, wie etwa: „Fahr nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Sie habe aber fast keinen Unterschied zu den Münchner S-Bahnen festgestellt. Nur voller seien sie gewesen.

Der Inselstaat war einst eine amerikanische Kolonie – und das merke man bis heute, so Wimmer. Der Duft nach Frittiertem weht aus den Fast-Food-Lokalen an jeder Straßenseite und Englisch ist neben Filipino die Hauptsprache. Die Offenheit und Aufgeschlossenheit der Filipinos haben ihr gefallen, aber innigere Freundschaften habe sie vermisst. „Alles war sehr oberflächlich.“ Doch manche ihrer Freunde haben sich ihr gegenüber geöffnet und auch von ihren – für deutsche Standards – untypischen Beziehungen erzählt: Die Familien leben auf engstem Raum zusammen, junge Paare bleiben bis zu ihrer Hochzeit im Haus der Eltern. Völlig normal sei es für Jugendliche und junge Heranwachsende, als Paar gewisse Etablissements aufzusuchen. Das Motto dieser Hotels: „So clean, so good.“ Dies stünde aber im Gegensatz zur katholischen Erziehung auf den Philippinen.

Solche Gegensätze fielen Wimmer immer wieder auf: „Manchmal kam mir alles rückständig vor, aber dann auch wieder sehr fortschrittlich.“ Umweltfreundliche Müllentsorgung schien ein Fremdwort, dafür galt Transgendern oder Männern mit pinken Haaren gesellschaftliche Akzeptanz. Auch die Arm-reich-Schere mache sich deutlich bemerkbar: In ländlicheren Gegenden essen Familien Straßenhunde und können sich nur mit Müh und Not gegen Taifune schützen. Die Hauptstadt Manila ist dagegen deutlich besser gegen die tropischen Wirbelstürme gewappnet. An einem Wochenende durften die Studentinnen nicht das Haus verlassen. Der Regen vor ihren Fenstern war so dicht wie Nebel.

Während ihres Auslandsaufenthalts blieb Wimmer vor allem auf der nördlichsten Insel. Mit ihren Kommilitonen reiste sie zu den asiatischen Nachbarländern: nach Vietnam, Malaysia, Singapur, Taiwan und China. Ihre schönste Erfahrung sei das Schwimmen mit Walhaien auf Cebu gewesen. Weniger begeistern konnte sich die Studentin für das Essen. Das bestehe hauptsächlich aus Reis, Ei und Essig. „Hau auf alles ein Ei, das ist dann philippinisch“, scherzt sie. Landestypische Delikatessen wie Balut, angebrütete Eier, und Dinuguan, eine Suppe mit Blut, wollte sie partout nicht probieren.

Durch das Auslandssemester sei sie lockerer geworden, sagte Lisa-Marie. Die Philippinen sieht sie als „gutes Land, um in Asien einsteigen zu können.“ Seit dem 21. Dezember hat Wimmer wieder deutschen Boden unter den Füßen. Für einen Urlaub möchte sie wieder auf die Philippinen: „Es gibt so viel, was ich noch sehen möchte.“

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