Berlinale Wettbewerb – Der kriegerische Alptraum der Philippinen

In Zeiten des Teufels

„Ang Panahon ng Halimaw“: „DMs Boongaling und Shaina Magdayao Foto: Giovanni D. Onofrio

Die Zeit des Kriegsrechts, das der philippinische Präsident Ferdinand Marcos verhängte, dauerte von 1972 bis 1981. „Ang Panahon ng Halimaw – Zeit des Teufels“ ist nicht der erste Film, in dem sich der philippinische Autorenfilmers Lav Diaz mit dieser traumatischen Periode seines Landes beschäftigt, dem „philippinischen Alptraum“, wie er sie einmal nannte. Sein Film handelt von Dorfbewohnern auf der abgelegenen Insel Ginto, die von Soldaten oder Paramilitärs terrorisiert werden,von einer Ärztin, die dort ermordet wird, ihrem Mann, einem Dichter, der sie sucht. Lav Diaz bezieht sich dabei auf eine wahre Geschichte.

Der Film weist viele Merkmale auf, wie sie für sein Werk typisch sind. Er ist in Schwarz-Weiß gedreht, aber ohne harte Kontraste, so dass die Bilder manchmal fast einen Sepiaton haben. Es gibt wenig Kamerabewegung, keine schnellen Schnitte, wenig Nahaufnahmen, oft wirkt die Leinwand wie eine Theaterbühne.

Der Film ist eine Art Musical

Und so gibt es wie bei jedem der seltenen Male, die man einen Diaz-Film im Kino sehen kann, auch Menschen, die diesen Angriff auf ihre Sehgewohnheiten nicht aushalten und den Saal verlassen.Der Regisseur selbst sagt über seine langsame Ästhetik, dass sie Teil seiner Lebenserfahrung als Sohn eines Bauern sei, der jeden Tag zehn Kilometer zur Schule hin lief und zehn Kilometer wieder zurück. Seine Filme sind üblicherweise extrem lang, „In Zeiten des Teufels“ ist mit knapp vier Stunden einer der kürzeren. Das macht sie kommerziell praktisch unverwertbar.

Der Soundtrack kommt aus dem Dschungel, man hört Vögel, Grillen, Wind, der durch Blätter fährt. Es ist dies aber auch Diaz’ erster Film, der eine Art Musical ist. Es singen Mörder und Opfer die sämtlich vom Regisseur selbst komponierten Stücke, die man bald als perverse Lieder vom Tod und auch als heroische Anklage akzeptiert und sogar herbeisehnt.

„Wacht auf, Kinder dieser Heimat“

Doch dieser Film handelt nicht nur von der Vergangenheit, er ist ein Kommentar zur politischen Situation in den Philippinen, wo der Präsident Rodrigo Duterte mit Hilfe von Polizei und Paramilitärs gegen Drogendealer und Kriminelle vorgeht und nach Berichten von Human Rights Watch seit 2016 mindestens 7 000 Menschen einfach abknallen ließ. Lav Diaz inszeniert Bilder, die den Zeitungsfotos der Ermordeten gleichen. Auf den Leichen liegen Pappen, auf denen ihre angeblichen Geständnisse niedergeschrieben sind.

Der Film ist ein Aufruf. Immer wieder fällt der Satz: „Wach auf, Kind dieser Heimat.“ Einmal blickt der Protagonist dabei direkt in die Kamera, so als wende er sich an das Publikum. Man würde sich wünschen, dass diese Szene auf jedem Billboard entlang der Hauptverkehrsstraße in Manila liefe, der berühmten Edsa, auf der die großen Demonstrationen stattfanden, die den Dikator Marcos stürzten. Tatsächlich wird Diaz’ Film kaum je in einem philippinischen Kino laufen.

Quelle

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