Ostertipp – Vigan, ein Besuch in Spanisch-Asien

„Hallo Fuhrmann. Was kostet ‘ne Runde bei dir?“

Schon gegen Mitte des 16. Jahrhunderts war die spanische Kolonialmacht auf den Philippinen fest etabliert und begann schon bald, mit dem benachbarten China Handel zu treiben. Manila war dabei nur Durchgangsstation zwischen dem Reich der Mitte und Mexiko, mit fast jährlich hin- und herpendelnden Galeonen, die ungeheure Reichtümer transportierten.

Die Hauptstadt blühte und gedieh dabei und wurde immer mächtiger. So konnte es nicht ausbleiben, dass zahlreiche Neider mit dieser fetten Pfründe liebäugelten. Die Spanier mussten sich stets erneut in ihrer Haut erwehren, was ihnen mit großem Schneid auch gelang. Nicht nur waren die philippinischen Ersteinwohner ihnen nicht gerade freundlich gesinnt und hielten die ungeliebten Eindringlinge mit einem dauerhaften Guerrillakrieg in Atem, bis Gouverneur Legazpi 1571 mit ihnen einen Friedensvertrag aushandelte.

Die ernsteste Bedrohung waren jedoch die Chinesen, die in großer Zahl vom asiatischen Hauptland herangesegelt kamen und zudem über viele Spione innerhalb der Philippinen verfügten. Um ein vorgeschobenes Bollwerk gegen diesen potenziellen Feind zu haben, beschlossen die Spanier, an der Nordwestküste von Luzon Stützpunkte einzurichten. Der blutjunge Hauptmann Juan de Salcedo wurde mit dieser Mission betraut. Im Jahr 1572 landete er mit acht Schiffen an der Mündung des Flusses Lagben und nahm die dortige Niederlassung, aus der die Stadt Vigan entstehen sollte, im Handstreich. Dieser Vorläufer des spanischen Brückenkopfes trug paradoxerweise einen chinesischen Namen, denn Handel mit dem unfern gelegenen Nachbarn wurde dort bereits seit Jahrhunderten getrieben.

Bigán hieß der Ort ursprünglich, oder auch meián, beides mit der Bedeutung „bezauberndes Ufer“. Er war ein wichtiger Hafen für Im- und Exporte mit Verbindungen über den ganzen südostasiatischen Raum und eine ideale Stätte für die spanischen Vorhaben. Salcedo war genau der richtige Mann für diesen Auftrag. Er hatte sich schon bei der Eroberung Manilas bewährt und das mit nur einer winzigen Streitmacht. Der kühne Abenteurer starb bereits mit 27 Jahren. Er liegt in Manila begraben.

Wie alles in seinem kurzen Leben geriet Salcedo auch die Gründung der Stadt Vigan zur Perfektion. Was er entstehen ließ, hielt den Zeitläuften stand, um bis in die Gegenwart im Original erhalten zu bleiben. Zuerst wurde die Stadt nach dem Sohn Philipp II. Villa Fernandina benannt, doch dieser Name stellte sich nach zunehmender Bedeutung als allzu bescheiden heraus. Fortan lautete der Titel „Ciudad Fernandina de Vigan“, von dem in der Neuzeit nur das letzte Wort übrig blieb. Heute ist Vigan, 400 Kilometer nördlich von Manila gelegen, die Kapitale der Provinz Ilocos Sur und die älteste bestehende spanische Kolonialstadt — weltweit! Dieser Status wurde 1999 mit der Aufnahme in das Weltkulturerbe der Unesco honoriert.

Der Fluss Lagben, der Vigan einst zum Seehafen gemacht hatte, existiert nicht mehr. Im 19. Jahrhundert vrsandete er, und Vigan sitzt seither mit Ausnahme eines verbliebenen Seerosenteichs auf dem Trockenen. Das tut seiner Großartigkeit keinen Abbruch. Wer sich für altspanisches Ambiente begeistern kann, der sollte bei einem Philippinen-Besuch Vigan nicht auslassen, zumal die Stadt verkehrstechnisch leicht zu erreichen ist. Zu schönen Eindrücken tragen insbesondere die Calesas bei, zweirädrige Pferdekutschen, die in der ganzen Innenstadt präsent sind und nicht nur den Touris dienen, sondern auch den Einheimischen für ganz normale Alltagsbesorgungen. In der Karwoche platzt Vigan fast vor Lebenfreude. Aufwendige und farbenfrohe Prozessionen mit Tausenden von Teilnehmern finden dann statt. Salcedo und seine damalige Priesterschaft hätten ihre helle Freunde an diesem Bild gehabt. Heute hat sie der ausländische Besucher.

Bilder und Text von Roland Hanewald

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