Schweizer Unternehmen auf Boracay – «Die Sperre wird uns hart treffen»

Ab dem 26. April dürfen keine Touristen mehr auf Boracay. Unternehmer auf der philippinischen Insel dürfte das hart treffen.

Tourists Boracay

Manila, Philippinen – Die Ferieninsel Boracay auf den Philippinen ist ab dem 26. April für Touristen gesperrt. Grund dafür ist die Umweltverschmutzung: «Boracay ist als ein Paradies in unserem Land bekannt und diese vorübergehende Schliessung soll sicherstellen, dass die kommenden Generationen dies auch noch erleben werden», sagt ein Sprecher des philippinischen Staatschefs Rodrigo Duterte.

Duterte bezeichnete Boracay in der Vergangenheit als «Kloake». Die rund 500 Hotels, Restaurants und Unternehmen in der Tourismusbranche würden ihre Abwässer ungeklärt ins Meer leiten. Während der Schliessung sollen neue Abwasser- und Entwässerungssysteme gebaut werden.

Die Insel zieht alljährlich Millionen Ferienreisende an. Laut AFP entgehen der Tourismusbranche auf der Insel ohne die Touristen rund 900 Millionen Franken pro Jahr. Die halbjährige Schliessung dürfte also kostspielig sein.

«Die Sperre wird uns hart treffen»

David Goldberg ist Schweizer und lebt seit 30 Jahren auf Boracay. Er ist Manager des Grosshändlers Werdenberg International Boracay und des Delikatessenladens Heidiland Deli. «Die sechsmonatige Sperre wird uns finanziell hart treffen», sagt er zu 20 Minuten. Der Grosshandel werde fünf Monate lang komplett geschlossen bleiben und auch bei Heidiland rechnet Goldberg mit einer Schliessung für drei bis vier Monate.

Da Goldbergs Unternehmen ihre langjährigen philippinischen Mitarbeiter während dieser Periode behalten werden, müssten seine Firmen weitere Einschränkungen und Einbussen hinnehmen. Um dem etwas entgegenzuwirken, würde ein Teil der Angestellten auf die Büros in Städten auf anderen philippinischen Inseln transferiert. Ein weiterer Teil der Belegschaft werde die Zeit für Trainings nutzen.

Die Touristensperre wird laut Goldberg vor allem die kleineren und mittleren Betriebe treffen, denen die finanziellen Reserven fehlen. Sie seien am meisten auf die Kunden angewiesen, die ab dem 26. April fehlen würden.

Notfall-Fonds dürfte kaum helfen

Der Staat habe zwar einen Notfall-Fonds für solche Fälle, doch reiche er nur für 5000 Personen und werde wahrscheinlich nicht Unternehmen, sondern sogenannten Informal Workers zugute kommen. Das seien Personen, «die von der Hand in den Mund und gelegentlichen Jobs leben», sagt Goldberg.

Eine Sprecherin des Restaurants Swiss Inn, das den Touristen auf der Insel Schweizer Spezialitäten bietet, sagt, die Sperre sei zwar schlecht fürs Geschäft, das ja von den Touristen abhängig sei. Andererseits begrüsse das Swiss Inn aber die Bemühungen, die Insel für spätere Generationen zu erhalten. «Wir erwarten, dass die Touristendestination schlussendlich durch die Aktion gestärkt wird», sagt die Sprecherin zuversichtlich. Das Swiss Inn sei übrigens seit 2006 an die Kanalisation angeschlossen und trage darum nicht zur von Duterte angeprangerten Verschmutzung des Meeres bei.

Mövenpick sieht Chancen

Die Schliessung sei eine Chance, die Dienstleistungen zu verbessern, sagt eine Sprecherin von Mövenpick. Das Unternehmen betreibt ein Resort auf der Insel. Beim Abwassersystem der Anlage sieht Mövenpick aber keinen Verbesserungsbedarf: Vor der Eröffnung des Resorts im Dezember 2017 habe das Unternehmen eine eigene Kläranlage installiert, um sicherzustellen, dass das Abwasser nicht ins Meer fliesse.

Für Reiseveranstalter scheint der temporäre Ausschluss von Touristen kein grosses Problem zu sein. Hotelplan Suisse nimmt vorbeugend bereits seit dem 29. März keine Neubuchungen nach Boracay mehr entgegen. Das Unternehmen erklärt, dass die Sommermonate Nebensaison seien. Nur vier Kunden hätten im April bei Hotelplan Suisse einen Aufenthalt auf Boracay gebucht. Für sie werde nun eine alternative Lösung gesucht. Das dürfte nicht schwierig sein, da die Philippinen über 7000 Inseln umfassen. Laut Medienberichten könnte insbesondere die zweitgrösste philippinische Insel Mindanao von der Schliessung Boracays profitieren.

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