Kritiker: Netflix macht sich zum Handlanger Dutertes

Auf den Philippinen sorgt eine Netflix-Serie für Streit. Kritiker sehen in dem Crime-Drama „Amo“ eine unverhohlene Werbung für die Politik des autoritären Präsidenten Rodrigo Duterte und fordern die Absetzung der Serie.

Netflix

Darum geht es bei dem Streit: Nachdem es zuletzt Boykottaufrufe gegen das brasilianische Crime-Drama „Der Mechanismus“ und gegen den Streaming-Giganten selbst gegeben hat, steht nun erneut eine Netflix-Serie im Zentrum einer Kontroverse: Auf den Philippinen schlägt das Drogen-Drama „Amo“ hohe Wellen. Gegen den 13-Teiler wurden Vorwürfe laut, Regisseur Brillante Mendoza würde die von zahlreichen Menschenrechtsgruppen kritisierte schonungslos brutale Anti-Drogen-Politik von Präsident Rodrigo Duterte, die extralegale Hinrichtungen und den Einsatz von Todesschwadronen gegen Drogenhändler und -abhängige beinhaltet, gutheißen und verharmlosen.

Das ist der politische Hintergrund: Der 2016 ins Amt gewählte Duterte hat mehrfach öffentlich zur Ermordung von Kriminellen und Drogensüchtigen aufgerufen und beteuert, er würde am liebsten alle drei Millionen Drogenabhängigen des Landes töten. Seit seiner Wahl gab es Tausende Tötungen im Drogenmilieu durch die Polizei und die Armee, aber auch durch privat organisierte Killerkommandos, die allesamt ohne juristische Konsequenzen blieben.

Das sagen die Kritiker von „Amo“: Vertreter des International Network of People who Use Drugs (INPUD), eine Organisation, in der sich Drogennutzer zusammengeschlossen haben, um sich für ihre Rechte einzusetzen, forderten Netflix-Geschäftsführer Reed Hastings in einem offenen Brief dazu auf, „Amo“ abzusetzen. Die Serie betreibe gleichsam Werbung für illegale Tötungen und Gewalt. INPUD sieht in der düsteren Handlung um den 17-jährigen Joseph (Vince Rillon), der in Manila auf die schiefe Bahn und zum Drogendealer wird, eine Glorifizierung von Dutertes Krieg gegen Drogen und damit von Massenmord und Menschenrechtsverletzungen.

Ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte gegenüber der BBC, die Serie „gebe einer mörderischen Kampagne gegen die Armen, die schon mehr als 12.000 Menschenleben gefordert hat, einen lächerlichen Anstrich von Zivilität und Gesetzmäßigkeit“. Und Luzviminda Siapo, die Mutter eines 19-Jährigen, der als angeblicher Haschdealer erschossen wurde, lancierte einen Boykottaufruf gegen „Amo“.

Das sagt der Regisseur: Brillante Mendoza, der als loyaler Duterte-Anhänger gilt, reklamiert in einem Interview mit dem Telegraph für sich, „beide Seiten der Medaille“ zu beleuchten. Der 2009 in Cannes für seinen Thriller „Kinatay“ mit dem Regiepreis ausgezeichnete Filmemacher hält der Kritik entgegen, dass er ein vollständiges Bild zeichne, das auch die Korruption bei der Polizei und die schrecklichen Folgen extralegaler Tötungen umfasse. Allerdings bezeichnet er die rigorose Regierungspolitik kürzlich auch als „notwendig“.

Das sagt Netflix: Inzwischen hat auch der Streaming-Riese reagiert und über einen Sprecher verlauten lassen, dass Netflix eine breite Auswahl biete und der Konsument entscheiden könne, was er schaue, wann er es schaue und wo. Es sei den Verantwortlichen klar, dass es abweichende Meinungen zu einzelnen Inhalten gebe, aber die Entscheidung überlasse man den Zuschauern.

So ist das Ganze einzuordnen: Dass Rodrigo Dutertes Anti-Drogen-Politik mehr als fragwürdig ist, das kann hierzulande anders als auf den Philippinen selbst, wo der Präsident hohe Zustimmungsraten erzielt, als weitgehend unumstritten gelten. Und nach allem, was bisher über „Amo“ zu lesen ist, wird der umstrittene Politiker in der Serie tatsächlich mit Samthandschuhen angefasst. Damit bekommt auch sie zumindest einen fragwürdigen Touch. Wann wir uns ein eigenes Urteil bilden können, ist allerdings unklar, denn in Deutschland ist „Amo“, das seit dem 9. April auf den Philippinen und in anderen Ländern bei Netflix zu sehen ist, noch nicht freigeschaltet.

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