Bunte: Ellesse Tzinberg – Die philippinische Ausnahme-Reiterin

Ellesse Tzinberg

Die Ausnahme-Reiterin über ihre Karriere, Schicksalsschläge und ihre große Liebe

Sie ist die erste philippinische Reiterin, die an einer Dressage-Weltmeisterschaft teilnimmt: Ellesse Tzinberg hat eine beeindruckende Karriere hingelegt. Wir sprachen mit der 27-Jährigen über ihren steinigen Weg.

Das Klischee, Dressurreiten sei nur etwas für die europäische Upperclass und Aristokratie, hält sich nach wie vor hartnäckig. Dabei hat der Sport längst Aushängeschilder, die das Gegenteil beweisen. Zu den wohl schönsten gehört zweifellos Ellesse Jordan Tzinberg (27). Auf den Philippinen geboren und aufgewachsen, zieht es sie bald nach Amerika und Europa. Ihr Ziel: professionelle Reiterin werden. Ihr Weg dahin ist kein leichter, ein Autounfall wirft sie um Jahre zurück. Doch Ellesse kämpft weiter und das mit Erfolg: In diesem Jahr tritt sie als erste philippinische Reiterin bei dem Finale des FEI World Cup Dressage in Paris an.

BUNTE.de trifft die 27-Jährige in der französischen Hauptstadt und spricht mit ihr nicht nur über ihre Karriere, sondern auch über eine wirklich einmalige Liebesgeschichte (und einen verpatzten Heiratsantrag!).

Ellesse Tzinberg

BUNTE.de: Deinen Namen bringt man nicht unbedingt mit dem philippinischen Raum in Verbindung. Woher kommt er?
Ellesse Tzinberg: Mein Vorname kommt aus dem Französischen, aber es gibt ihn auch in Italien. Mein Nachname ist Russisch.

Du hast sehr internationale Wurzeln. Womit identifizierst du dich mehr?
Ich habe die ersten 16 Jahre meines Lebens in Malaysia und den Philippinen verbracht. Das wird immer mein Zuhause sein. Ich habe aber auch viel Zeit in den USA verbracht, wo ich mich momentan sehr wohl fühle. Ich musste Asien verlassen, weil ich dort nicht viele Möglichkeiten hatte, im Reitsport weiterzukommen.

Was bedeutet es dir, die erste philippinische Reiterin zu sein, die an der Weltmeisterschaft teilnimmt?
Es ist eine sehr große Errungenschaft. Ich bin sehr weit weg von meiner Heimat. Ich lebe nicht bei meinen Eltern, was immer sehr hart und traurig ist, und es ist auch nicht einfach, sie von unserer Homebase Los Angeles aus zu besuchen. Doch so weit gekommen zu sein, war eine unglaubliche Reise und ich hoffe, ich inspiriere andere Filipino-Reiter.

Wie viele Sprachen sprichst du?
Ich bevorzuge Englisch. Aber ich spreche auch Malaysisch, vor allem um meine Mutter zu verstehen, wenn sie sauer auf mich ist (lacht). Und Französisch – ich habe sechs Monate in Paris gelebt. Den letzten Sommer habe ich in Dänemark verbracht, deshalb ist mein Dänisch mittlerweile auch nicht schlecht. Und ich bin eine Zeit lang in Deutschland gewesen, spreche die Sprache zwar nicht perfekt, aber ich kann auf jeden Fall Essen auf Deutsch bestellen.

Reden wir wieder über deine Reitkarriere. Hast du von Anfang an das Ziel gehabt, eine professionelle Reiterin zu werden?
Ich habe aus Spaß begonnen. Selbst meine Eltern hätten nie gedacht, dass ich das einmal professionell ausüben würde. Außerdem ist dieser Beruf in Asien nicht wirklich üblich. In Europa werden die Sportler bereits in solche Familien hineingeboren. Meine Eltern hatten mit Reiten nichts am Hut. Das hat es definitiv schwerer für mich gemacht. Ich habe deshalb zuerst mit Rennpferden trainiert, die für die Dressage überhaupt nicht geeignet sind, allerdings bezahlbar waren. Nur dadurch konnte ich den Sport überhaupt finanzieren. Ich kann es heute manchmal selbst nicht glauben, dass ich so weit gekommen bin.

Hast du Vorbilder?
Ich bewundere Isabell Werth. Ich verfolge ihre Karriere, seitdem ich ein Kind bin. Wir waren mal in Deutschland in ihrem Heimatort und ich wollte sie besuchen. Also haben wir sie einfach angerufen und sie hat uns in ihre Ställe eingeladen. Sie war so nett und es ist eine große Ehre im gleichen Wettbewerb wie sie anzutreten.

Du hattest vor einigen Jahren einen schlimmen Autounfall. Was ist passiert?
Es war 2009 und ich lebte zu diesem Zeitpunkt in Kansas. Die Straßen waren zugeschneit und ich verlor die Kontrolle über das Auto und landete auf dem Dach. Es war ein Totalschaden. Ich habe mich dabei an der Wirbelsäule verletzt, musste mehrfach operiert werden und saß dann im Rollstuhl. Es folgten mehrere Monate Physiotherapie. Bis 2012 konnte ich nicht reiten.

Wie siehst du diesen Unfall heute?
Natürlich wünschte ich, er wäre nie passiert. Aber ich denke mir auch: Wäre ich heute hier, wenn es nicht passiert wäre? Ich bin damals von Kansas nach San Diego gezogen, um eine bessere Physiotherapie zu bekommen. Dort fing ich dann an zu modeln. Ich konnte noch immer nicht reiten wegen meiner verletzten Wirbelsäule. Und das war eine tolle Erfahrung und ich konnte irgendwann sogar davon leben – ich war ja noch Studentin.

Ellesse Tzinberg

Auf was bist du heute stolzer: deine Model- oder deine Reitkarriere?
Da ich mich nun für meine erste Weltmeisterschaft qualifiziert habe und meine harte Arbeit sich endlich auszahlt, denke ich, eher meine Reitkarriere. Ich bin aber auch sehr stolz auf meine Modelkarriere und dass ich diese Branche überlebt habe. Viele Mädchen werden da zu Opfern. Doch ich bin mit einer positiven Einstellung gegangen. Ich bin stolz, dass ich etwas habe, was ich meinen Kindern zeigen kann. Doch das Reiten war so eine unmögliche Reise. Ich musste so viele Hürden überwinden, weil ich die Erste aus meinem Land war. Es war sehr aufregend, aber auch anstrengend. Ich bin froh, dass ich nie aufgegeben habe.

Gibt es gerade jemanden an deiner Seite?
Mein Trainer Henrik ist mein Verlobter. Wir sind seit über zwei Jahren ein Paar. Er ist mein Fels in der Brandung und hilft mir sehr. Er hat viel Erfahrung im Springreiten und war schon bei vielen Weltmeisterschaften.

Wie hat er um deine Hand angehalten?
Tatsächlich hat er zweimal gefragt. Beim ersten Mal waren wir an diesem wunderschönen Strand in West Palm Beach. Doch zu dieser Zeit schlüpften gerade Wasserschildkröten, weshalb Licht am Strand verboten war. Es war also stockdunkel. Also spazierten wir eine Ewigkeit am Strand entlang und ich fragte ihn schon: ,Warum laufen wir so weit?‘ Wir sind dann nach Hause gegangen und da ist er auf die Knie gegangen. Er sagte mir später, dass er so wütend war, dass am Strand kein Licht war. Etwas später machten wir Urlaub auf den Bahamas, um das zu feiern und da fragte er mich einfach noch einmal. Die Hochzeit haben wir aber auf nächstes Jahr geschoben.

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