»Asiatisches Modell« als Vorbild für Kampf gegen Piraterie

Piraterie-Asien

Erfahrungen und Erkenntnisse der jüngeren Vergangenheit sind ein zentrales Element im präventiven Kampf gegen Piraten. Auch zwischenstaatliche Kooperationen gehören dazu. Daher gilt Asien mittlerweile als Vorbild für andere Region wie Ost- und Westafrika, meint die Reeder-Vereinigung Intertanko.

Manila, Philippinen – Philip Belcher, Marine Director bei Intertanko lobte jetzt das asiatische Modell ausführlich. Auf der Jahresversammlung der zwischenstaatlichen Kooperation ReCAAP )(Regional Cooperation Agreement on Combating Piracy and Armed Robbery against Ships in Asia) betonte er den Nutzen koordinierter Aktionen der Regierungen. »Piraterie nimmt auf der ganzen Welt viele Formen an und lässt sich nur schwer ausmerzen. Wenn wir uns ansehen, was funktioniert, können wir sehen, dass das asiatische Modell einer koordinierten Reaktion, unterstützt durch die Sammlung von Informationen, eine gute Vorlage für den Umgang mit dieser Geißel darstellt«, sagte Belcher in Hongkong. Diese hart erkämpften Lehren würden jetzt auch auf neue Bedrohungen angewendet, mit denen die Schifffahrtsindustrie vor dem Jemen konfrontiert sei.

In der Hochzeit der somalischen Piraterie war die Gefahr in südostasiatischen Gewässern in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig in den Hintergrund gerückt. Dabei war und ist das Problem nach wie vor groß. Zuletzt konnte allerdings ein Rückgang der Piraterie verzeichnet werden. Die von der Organisation »Oceans Beyond Piracy« (OBP) veröffentliche Piraterie-Bilanz für 2017 zeigte, dass die Überfälle und Entführungen in südostasiatischen Gewässern enorm eingedämmt wurden. Das liegt unter anderem am resoluten Vorgehen vom philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte. Zudem haben sich Malaysia, Indonesien und die Philippinen auf trilaterale Patrouillen und – in besonders gefährdeten Gebieten in den Sulu- und Celebes-Gewässern – auf Eskorten geeinigt.

Für eine Region, in der die einzelstaatliche Souveränität besonders betont und geschützt wird, war das ein bedeutender Schritt. Doch man sollte die Augen nicht davor verschließen, dass der Rückgang auch mit einem verschobenen Fokus der Terorgruppe Abu Sayyaf zusammen hängen dürfte. Die Islamisten waren für einige der brutalsten Entführungen und Ermordungen von Seeleuten verantwortlich, 2017 gab es aber Anzeichen dafür, dass sie sich wieder verstärkt auf den Terror an Land fokussieren, etwa auf den Kampf um die Stadt Marawi.

Das ReCAAP-Projekt hat sich vor allem auf das Sammeln und Teilen von Informationen zu Piratengruppen und Überfällen spezialisiert und liefert den Regierungen der Region damit wichtige Hinweise. Auf der Jahresversammlung sprach sich auch Bimco-Sicherheitschef Jakob Paaske Larsen für mehr Kooperation aus: »Um mit der sich ständig weiterentwickelnden Bedrohung Schritt zu halten, müssen wir unsere Zusammenarbeit, Prozesse und Verfahren kontinuierlich verbessern. Der Schlüssel zu unserem Erfolg besteht darin, dass Lehren aus der ganzen Welt gegen Piraterie geteilt werden.« Auf diese Weise könntn Maßnahmen, die sich in einer Region als erfolgreich erwiesen haben, erkannt, entwickelt und an andere Regionen angepasst werden, so der Experte.

Quelle


Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...
Print Friendly, PDF & Email