Bekannter Stammeskrieger und Widerstandskämpfer streckt die Waffen – Indigene sagen, Kampf ist nicht vorbei

Krieger der Manobo

Manila, Philippinen – Es wäre das Ende eines Kampfes, der ein Vierteljahrhundert dauerte. Die Öffentlichkeit der Philippinen streitet gegenwärtig über die angebliche Unterwerfungszeremonie von Datu Guibang Apoga. Militär und Regierung feiern.

Sie sagen, dass mit der Rückkehr des bekannten Stammeskriegers aus dem Dschungel und der Waffenabgabe der Aufstand seines Volkes beendet sei. Die Mitstreiter Apogas treten dieser Darstellung vehement entgegen.

Fakt ist: 25 Jahre ist es her, seit der Anführer der Stammesgruppe der Langilan-Manobo im Süden der zweitgrößten Hauptinsel Mindanao zusammen mit etlichen Getreuen zu den Waffen griff, um den Ausverkauf des Lands ihrer Vorfahren zu verhindern. Es ging in erster Linie gegen die Holzfirma Alcantara & Sons (Alsons). Zudem sollte in diesem, vor allem von indigenen Gruppen besiedelten Teil des Archipels das Vordringen von Bergbaugesellschaften bekämpft werden. Erst legten sich die lediglich mit Pfeil und Bogen sowie einigen alten Gewehren bewaffneten Stammeskrieger nur mit dem privaten Sicherheitspersonal der Firmen an. Bald aber schon schickte der Staat paramilitärische Gruppen und Einheiten der regulären Armee, um die ökonomischen Interessen der Konzerne gegen die indigenen Guerillos durchzusetzen. Allerdings gelang es in den zweieinhalb Jahrzehnten nie, den Aufstand militärisch niederzuschlagen.

Der mittlerweile legendenumwobene Datu Guibang Apoga zog sich damals immer weiter in den Dschungel von Davao del Norte und Bukidnon zurück, jetzt tauchte der 80jährige wieder auf. Am Wochenende, so die offizielle Darstellung aus Militärkreisen, habe Datu – das ist der traditionelle Titel eines Stammesführers – Guibang Apoga erklärt, seinen Frieden mit der philippinischen Gesellschaft zu machen. Er habe vor General Ernesto Torres Jr., Kommandeur der 1.003. Infanteriebrigade, und Oberst Edwin Paredes vom 56. Infanteriebataillon seine Waffen niedergelegt. Damit sei der Aufstand seiner Gruppe »Einheit für die Verteidigung des Landes der Vorfahren« beendet, heißt es. 500 Stammesälteste und andere Vertreter der Manobo hätten der »Unterwerfungszeremonie« beigewohnt.

Während auch The Inquirer, die führende englischsprachige Zeitung des Landes, diese Interpretation übernommen hat, versuchen indigene Vertreter, ihr entgegenzutreten. Bai Bibiyaon Ligkayan Bigkay, eine Manobo-Anführerin, sprach gegenüber Kodao Productions, einem kleinen Medienunternehmen, das sich marginalisierten Gruppen der Gesellschaft verbunden fühlt, von einem Täuschungsmanöver. Auf Apoga werde Druck ausgeübt. Zudem hätten nicht 500, sondern lediglich 150 Angehörige der Volksgruppe der Zeremonie beigewohnt. Von einer Aufgabe des Kampfes sei nie die Rede gewesen, entgegnen Bibiyaon und weitere prominente Vertreter der »Lumad«, Sammelbegriff für die indigenen Gruppen im Süden Mindanaos. Die Bezeichnung bedeutet in der Cebuanosprache so viel wie »Ureinwohner«.

Für Militär und Regime wäre die Unterwerfung Apogas auch deshalb wichtig, weil der Stammeshäuptling und seine Leute über die Jahre auch mit der kommunistischen Guerillaorganisation Neue Volksarmee (NPA) sympathisierten und ihr verbunden waren. Präsident Rodrigo Duterte hatte bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren einen Friedensschluss mit der Guerilla der Kommunistischen Partei (CPP) angekündigt. Neue Verhandlungen wurden aufgenommen, einige Linke zu Ministern ernannt. Seit dem Vorjahr ist der Dialog jedoch völlig zusammengebrochen, es wird wieder geschossen und Duterte spricht in der üblichen Wortwahl der Herrschenden in Manila von »Terroristen«, die man zur Strecke bringen müsse.

Auch wenn die NPA sich derzeit in der Defensive befindet und teilweise Terrain verloren hat: Die Untergrundkämpfer genießen weiter Rückhalt in der lokalen Bevölkerung. Auf Mindanao geht es vielerorts zu wie im Stammesgebiet der Manobo, Konzerne, die ihr Geld unter anderem mit Bergbau verdienen, sind auf dem Vormarsch und negieren die traditionellen Rechte der Einheimischen. Der Widerstand dagegen dürfe nicht aufhören, sagt Anführerin Bibiyaon.

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