Weisser Sandstrand – unter einem Meer von Plastik

Boracay

Manila, Philippinen – Dass auf den Philippinen die Insel Boracay schließt, wo der Kinofilm „Die Bucht“ von 2009 spielte, hat international für Aufsehen gesorgt. Die damals unberührte Bucht ist durch die schonungslose touristische Vermarktung zu einem Abfallhaufen degeneriert. Jetzt greift der Präsident durch. Doch mit Hauruck-Methoden wird sich das Abfallproblem kaum lösen lassen.

Ein Video von der schwarzen Flüssigkeit, die in einem stetigen Strom aus der Röhre austritt, in krassem Kontrast zum türkisfarbenen Wasser und dem weissen Sand von Bulabog Beach, ging Anfag dieses Jahres durch die sozialen Medien. Das veranlasste den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte zu einem entschiedenen Eingreifen. Das von ihm ausgesandte Untersuchungsteam entdeckte eine Umweltkatastrophe. Die zehn-Quadratkilometer-Insel wird jährlich von zwei Millionen TouristInnen besucht. Doch 195 von 500 Unternehmen und 4’000 von 40’000 BewohnerInnen sind nicht an eine Abwassersystem angeschlossen. Ihr Abwasser wird direkt ins Meer geleitet.

In der Folge verfügte der Präsident, die „Kloake“ für 6 Monate zu schliessen. Jetzt wird dort eifrig geputzt. Auch auf anderen Inseln wie Maya Bay oder Koh Yoon und Koh Tachai gibt es seit einigen Jahren Schonzeiten, in denen sich die Ökosysteme wieder regenerieren sollen. Doch ob diese Massnahmen wohl reichen, um die Zerstörung des natürlichen Lebensraum an der Küste und im Ozean aufzuhalten? In der Tourismusstrategie der Regierung ist von Investitionen in die Nachhaltigkeit des Tourismusgeschäfts kaum die Rede, dafür umso mehr vom anzustrebenden Tourismuswachstum. 6.6 Millionen TouristInnen besuchten die Philippinen im vergangenen Jahr.

Explodierende Tourismuszahlen und fehlende Abfall- und Abwasseranlagen

Ähnlich sieht es in Bali/Indonesien aus: 4,8 Millionen Tonnen Abfall werden dort jährlich produziert. Sie landen in den Flüssen, treiben ins Meer und werden von den tropischen Sturmwinden wieder an die Strände getragen. Bis zu 100 Tonnen Abfall wurden an manchen Tagen an den Stränden der Insel eingesammelt. Im ganzen Land hat sich das Tourismusaufkommen von 2,2 Millionen Gästen im Jahr 1990 auf heute 13.7 Millionen mehr als versechsfacht. In Thailand hat sich die Zahl im gleichen Zeitraum von gut 5 auf gut 35 Millionen versiebenfacht. Auf vielen der zum Teil schwer zugänglichen Trauminseln ist die Infrastruktur für so viele Menschen einfach nicht vorhanden.

Gleichzeitig produzieren TouristInnen rund viermal soviele Abfälle wie zu Hause, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt. Hotels verteilen Plastik-Getränkeflaschen, Flaschen mit Shampoo, Strohhalme und Magnetkarten als Raumschlüssel.

Aber die Schuld für die Abfallmisere liegt nicht allein beim Tourismus: Viele bevölkerungsreiche Länder Asiens liegen an Küsten. Ihnen fehlt die Infrastruktur für das Rezyklieren oder Verbrennen von Abfällen, weil die Regierungen diese wichtige Infrastrukturentwicklung versäumt haben. Der grösste Teil des Kunststoffes, der im Pazifik landet, wird in China, Indonesien, Vietnam, den Philippinen und Thailand produziert. 1.5 Millionen Tonnen jährlich werden durch den Yangtse-Fluss ins Meer transportiert. Hinzu kommen Importe von Kunststoffabfällen aus der westlichen Welt, wie sie in Asien üblich sind. Ganz vorne dabei beim Produzieren von Abfällen ist Nestlé: 1 von 6 von Greenpeace an eine Strand von Manila analysierten Plastikobjekten wurden von Nestlé produziert.

Quelle


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