Ein Kinderlachen reicht Madelein als Lohn

Ursprünglich wollte Madeleine Widmann aus Neudingen nur sechs Monate in einem philippinischen Kinderdorf arbeiten. Doch mittlerweile engagiert sich mit ganzem Herzen.

Madeleine Widmann

Madeleine Widmann hat in einem Kinderdorf auf den Philippinen ihre zweite Familie gefunden. Bilder: Ruth Graumann

Manila, Philippinen – Wenn Madeleine Widmann von den Philippinen erzählt, dann leuchten ihre Augen. Sie gerät ins Schwärmen – über das Land, die Menschen und vor allem die Kinder. „Man kann sich nur verlieben, man kann es einfach nicht beschreiben“, sagt die 20-jährige Neudingerin. Schon immer wollte sie auf die Philippinen. Eine Freundin, die sie seit der Grundschule kennt und selbst aus dem Land stammt, hat sie neugierig gemacht und früh ihre Begeisterung gesät.

Und so war schnell klar: Nach dem Abitur, das Madeleine Widmann 2016 am Technischen Gymnasium in Schwenningen gemacht hat, geht es in Richtung Philippinen. Doch es sollte kein Traumurlaub im Inselparadies werden. Als Volunteer ging es sechs Monate in ein Kinderdorf. „Es war gar nicht so leicht, etwas Entsprechendes zu finden, denn die meisten nehmen Volunteers nur für ein Jahr“, blickt Widmann zurück. Doch so lange wollte sie eigentlich gar nicht weg – letztendlich waren es dann aber doch achteinhalb Monate, weil sie die Kinder einfach nicht verlassen wollte und noch einmal ein paar Wochen hinten dran gehängt hat. „Es dauert, bis man zu den Kindern eine gute Beziehung aufbaut.“ Und als das geschehen war, wollte sie nicht einfach in den Flieger zurück nach Deutschland steigen. Nicht nur länger ist sie geblieben, am Montag fliegt sie bereits zum dritten Mal auf die Philippinen. „So geht es eigentlich den meisten Volunteers, die in dem Kinderdorf waren, sie machen noch einmal Urlaub dort.“ Wobei Urlaub nicht gleichbedeutend ist mit Strand, Party oder Entspannung. Urlaub bedeutet, im Kinderdorf helfen und mitarbeiten.

Das Kinderdorf gehört zum Hilfsprojekt Mariphil, das auf der Insel Mindanao auf unterschiedlichste Weise hilft – nach dem Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“. „Die Insel Mariphil wird auch als Armenhaus der Philippinen bezeichnet“, erklärt Widmann. Im Projektgebiet leben rund 230 000 Menschen, viele davon am Existenzminimum ohne jegliche Aussicht, diese Situation aus eigener Kraft jemals entrinnen zu können. Hier setzt Mariphil an: So gibt es beispielsweise einen Solarbrunnen, eine Kooperative für Reisbauern, Bildungsprojekte und das Kinderdorf.

Hier leben rund 80 Kinder, die die unterschiedlichsten Schicksale haben. „Viele Kinder sind ehemalige Straßenkinder, die vorher auf dem Markt gelebt haben“, erklärt die 20-Jährige. Andere Kinder wurden misshandelt. Nun helfen ihnen im Kinderdorf auch von Psychologen und Sozialarbeitern. „Aber es gibt auch Eltern, die ihre Kinder abgeben, weil sie sie nicht ernähren können.“ Mit dem, was die Kinder bislang erlebt haben, sei es nicht verwunderlich, dass sie die Volunteers schnell ins Herz schließen. „Sie haben mich immer Ate Madeleine genannt. Ate heißt Schwester und man ist für sie wirklich eine große Schwester.“

Doch irgendwann musste auch die große Schwester zurück in die Heimat: Doch die Kinder ließen sie nicht los. „Ich habe mir dann die Frage gestellt, was ich machen kann.“ Mit Traumfängern und Armbändern, die sie selbst herstellt, sammelt sie Spenden. „Ich hätte nie erwartet, dass das so gut angenommen wird. Es ist erstaunlich, wie man mit einfachen Mitteln etwas bewegen kann.“ Denn mittlerweile hat sie 300 Euro gesammelt – auf den Philippinen das Monatsgehalt eines Arztes und für viele eine unvorstellbare Summe. Und sie erzählt von dem Projekt: Beispielsweise am Fürstenberg-Gymnasium, das sie bis zur zehnten Klasse besucht hat. Dabei geht es ihr nicht nur um Spenden: „Als ich zum ersten Mal dort war, waren es zwölf Volunteers, beim letzen Mal leider nur noch drei.“ Dabei ist das Projekt auf die jungen Helfer angewiesen: von der Arbeit auf der Farm, über das Kinderdorf, bis hin zum Marketing, dass die Gelder fließen und die Spender auch eine Rückmeldung bekommen, was sie mit ihrem Geld bewirkt haben. „Wenn es weniger Volunteers gibt, dann findet für die Kinder am Wochenende kein Freizeitprogramm statt.“ Und das ist genau das, was den Kleinen wieder Freude ins Leben bringt. Die kommenden drei Monate wird es definitiv stattfinden: „Ich will unbedingt wieder ein Programm für die Kinder anbieten.“ Und vielleicht erreicht sie durch ihre Arbeit jemanden, der sich auch Volunteer werden möchte.

Für Madeleine Widmann war die erste Reise auf jeden Fall ein Wendepunkt. Das Studium für Kulturanthropologie ist nichts für sie, Psychologie oder Soziale Arbeit soll es werden.

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Meister Solar