Porträt – Elnora Hummel

Elnora Hummel

Beim Internationalen Kreativtreff ist Nora Hummel (Mitte) in ihrem Element. © Foto: Staufenpress

Manila, Philippinen – Lachend öffnet Elnora Hummel die Haustür des kleinen Einfamilienhauses in Eislingen. Die 71-jährige Philippinin ist quirlig, lacht gerne und Stillsitzen ist für sie eigentlich fast schon eine Qual.

„Ich muss immer etwas tun“, gibt sie schmunzelnd zu. Und zu tun hat sie einiges, denn soziales Engagement steht für Elnora Hummel, die von allen nur Nora genannt wird, ganz oben auf ihrer Prioritätenliste. „Ich habe, als ich nach Deutschland kam, viel Unterstützung bekommen, wurde sehr freundlich aufgenommen und das möchte ich jetzt an Migranten und Flüchtlinge weitergeben“, begründet sie.

Geboren ist die 71-Jährige auf der Philippinen-Insel Panay, in Iloilo. Aufgewachsen ist sie mit sechs Geschwistern und zwei Adoptivgeschwistern. Ihr Vater war Polizist, politisch aktiv und engagiert – das hat vielleicht auf die Tochter abgefärbt. Nora Hummel ist Krankenschwester, hat in ihrem Heimatland vier Jahre lang studiert und ein Jahr auf Panay im Krankenhaus gearbeitet, dann zog es sie nach Manila, wo ihr Bruder bei der Navy stationiert war. „Dort habe ich drei Jahre in einer kleinen Klinik gearbeitet“, erzählt sie schnell. Das Labor und die Röntgenabteilung habe sie aufgebaut.

Sie hatte einen großen Traum, wollte unbedingt weg von der Südsee-Insel, in die USA, das gelobte Land, auch wegen der Sprache, Englisch beherrscht Nora Hummel sehr gut. 1972 traf sie eine Freundin, die nach Deutschland ausreisen und dort als Krankenschwester arbeiten wollte. „Ärztliches Personal war damals sehr gesucht“, weiß Hummel, die gleich auf den Zug aufgesprungen ist, sich beworben hat, ein Einreisevisum für Deutschland bekam und kurzerhand zu neuen Ufern aufgebrochen ist. Alleine, denn ihrer Freundin war dies aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich.

Statt in den USA landete die junge Frau in Göppingen, als Krankenschwester im damaligen Kreiskrankenhaus. „Ich wurde sehr gut aufgenommen, trotzdem war es schwierig“, sagt Hummel, aber sie sei zäh, eine Kämpferin und offen für alles Neue. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, ist die 71-Jährige überzeugt. Sie sprach kein Wort Deutsch, lernte es im einmal pro Woche stattfindenden Unterricht, aber vor allem von ihren Kollegen. An das erste deutsche Essen erinnert sie sich noch gut. „Da stand alles auf dem Tisch und ich wusste nicht, was man zuerst isst, geschweige denn mit welchem Besteckteil“, erzählt Hummel, die zwar in guten, aber dennoch völlig anderen Verhältnissen aufgewachsen ist, lachend.

1974 hat sie ihren Mann kennengelernt und ist mit ihm für drei Jahre nach Tokio gegangen, wo er als Dolmetscher beschäftigt war. In Japan hat das Paar  geheiratet. „Das war eine tolle Zeit“, erzählt sie. Nora Hummel liebt Menschen, je mehr, desto besser. Sie hat Japanisch und  die Blumensteckkunst Ikebana gelernt, Englischunterricht gegeben und bei einem Botschafter die Kinder gehütet. In Tokio hat sie schnell einen internationalen Frauentreff ins Leben gerufen. „Frauen verschiedenster Nationalitäten und jede kann etwas anderes einbringen“, sagt Hummel.

1977 kam das Paar zurück nach Plochingen, ein Jahr später wurde der Sohn geboren und Nora Hummel arbeitete wieder als Krankenschwester, zuerst in Plochingen, dann in der Göppinger Klinik. Die umtriebige Frau ist eine Macherin, sagt, sie sei Migrantin und deshalb kann sie sich auch gut in Frauen anderer Nationalitäten, die jetzt in Deutschland leben, hineinversetzen. Im philippinischen Freundeskreis Göppingen war sie lange sehr aktiv, hat die Weihnachtsfeiern organisiert und dafür gesorgt, dass die Kultur ihres Heimatlandes bewahrt wird. Beim Theater für eine Welt hat sie mitgewirkt und im vergangenen Jahr den Kreativtreff für Frauen in Eislingen ins Leben gerufen, mit sehr großem Zulauf übrigens. Das internationale Frauenfrühstück in Eislingen hat sie initiiert und stellt es jetzt zweimal pro Jahr auf die Beine. Und hier schließt sich der Kreis, mit ihren Aktivitäten möchte Nora Hummel Frauen unterschiedlichster Herkunft eine Plattform geben, sie zusammenbringen. „Nur so kann man Grenzen überwinden, Integration leben“, ist sie sich sicher.

Ihr Engagement sei nicht politisch motiviert, obwohl Frauenrechte für sie ein wichtiges Thema sind. „Ich fühle mich nur wohl, wenn ich etwas für andere tun kann“, erklärt sie und das macht sie mit Herzblut, ohne auf die Uhr zu schauen. Schon vor vielen Jahren hat sie zwei Familienpatenschaften für Göppinger Familien übernommen und unterstützt. Jetzt kümmert sie sich um Flüchtlingsfrauen, sorgt für Angebote im Kreativtreff, für Materialnachschub, um kreatives Schaffen erst zu ermöglichen,  und bringt die Frauen einmal pro Monat zusammen, zum gemeinsamen Werkeln und vor allem zum Reden. „Da kommen Frauen aus bis zu 30 Nationen zusammen“, freut sich die engagierte Eislingerin.

Auch ins Café Asyl zieht es sie und wenn sie sieht, dass viele dort nicht in die Gemeinschaft finden, alleine an einem Tisch sitzen, dann macht sie das traurig. „Gemeinschaft ist wichtig, egal welche Hautfarbe die Menschen haben und woher sie kommen“, ist sich Hummel sicher. Sie bemüht sich auch um die Flüchtlingskinder, malt und bastelt mit ihnen und hat damit schon manches Herz gewonnen und manchen zum Reden gebracht.

Die gebürtige Philippinin ist kreativ, sie malt, schreibt Gedichte und Kurzgeschichten, sammelt Briefmarken – natürlich aus aller Welt – und kümmert sich gerne um ihren Garten. „Hauptsache, ich habe etwas zu tun“, lacht sie. Ein bisschen hat sie schon zurückgesteckt, aus gesundheitlichen Gründen, aber solange es geht, wird sie ihr Engagement für die Migranten und Flüchtlinge sicher nicht aufgeben.

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