Schweizer Martin Zoller – «Ich bin ein Träumer, der seinen Traum lebt»

Martin Zoller ist mit 20 Jahren auf die Philippinen ausgewandert, wo er zusammen mit seiner Frau den Botolan Wildlife Park aufbaute. Weil das Geld lange nicht reichte, kam er jedes Jahr für ein paar Monate zurück, um Geld dazuzuverdienen.

Martin Zoller

Martin Zoller steht hier nicht an einem See auf den Philippinen, sondern am Alten Rhein beim Rohr bei Diepoldsau. (Bild: Max Tinner)

Eigentlich wollte Martin Zoller nur zusammen mit einem Kollegen auf den Philippinen Ferien machen. Doch er fand dort die Liebe seines Lebens: Juvy. Ein Jahr später heirateten die beiden. Martin Zoller verkaufte in der Schweiz seinen Töff und was er sonst noch an Habseligkeiten hatte. Aus dem Erlös kauften er und seine Frau in dem südostasiatischen Inselstaat eine gemeinsame Farm. Damals war Martin Zoller 20. Heute ist er 55. Aus der Ferienromanze ist eine Familie geworden. Enkelkinder sind auch schon da. Und die Farm hat sich zu einem Wildpark und botanischen Garten entwickelt, zur Botolan Wildlife Farm. Sie ist auch amtliche Quarantänestation und beteiligt sich am Artenschutzprogramm für verschiedene vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Mehrfach beteiligte sich die Wildlife-Farm der Familie Zoller schon an Auswilderungsprojekten. Und in ihrem botanischen Garten gibt es unter anderem Orchideen, die nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo 1991 nur noch hier zu finden waren. Nachgezüchtet werden sie heute teils in der Schweiz.

Sein Engagement verschaffte ihm Respekt und Ansehen

Der Erfolg rief allerdings auch Neider auf den Plan, die Zoller sogar des Verstosses gegen die Washingtoner Artenschutzabkommen bezichtigten und vor Gericht zerrten. Die Behörden stellten sich aber hinter ihn. Der zuständige Minister legte dar, dass er persönlich die Bewilligung zum Halten seltener Tierarten erteilt habe. Und als Martin Zoller dann zusätzlich noch eine Ausbildung zum Tierpfleger absolvierte – im Walter Zoo in Gossau – war die Klage vom Tisch. Dass sich die Behörden dermassen engagiert hinter einen zugewanderten Ausländer stellen, mag verwundern. Martin Zoller erklärt dies mit seinem besonderen Engagement für seine Wahlheimat. Er engagiert sich nicht nur für die Artenerhaltung, sondern auch für chronisch kranke Kinder. Einem abgelegenen Dorf hat er ein Reservoir und eine Wasserleitung gebaut, und vielen Einheimischen kann er zumindest zeitweise Arbeit bieten. «Die Behörden haben gesehen, dass ich einen Wasserbüffel gezähmt habe, um mit ihm den Boden zu pflügen, während andere ausländische Männer mit zwei Frauen im Arm am Strand sitzen», sagt Zoller, «das hat mir Respekt und Ansehen verschafft.» Rentabel war die Wildlife-Farm allerdings lange nicht. Bis heute kommt er jeden Sommer in die Schweiz, um Geld dazuzuverdienen. Viele Jahre konnte Martin Zoller, der in Gossau und Bludenz aufgewachsen ist, den Sommer über für Paul Bruggmann in der Firma Glessmann in Rüthi als Maschinenschlosser arbeiten.

Beeindruckt von Zollers Engagement auf den Philippinen, hat Bruggmann ihn auch beim Bau jener Wasserleitung für das Bergdorf unterstützt. Glessmann gibt es mittlerweile nicht mehr. Die letzten Jahre konnte Zoller den Sommer über bei Rieter in Winterthur arbeiten. Heuer soll es aber der letzte Arbeitssommer in der Schweiz gewesen sein, sagt Martin Zoller. Mittlerweile werfe die Wildlife-Farm genug Geld ab. Der Zoo werde wöchentlich von 1000 bis 1500 Schulkindern besucht. Ausserdem trügen mehrere Nebenbetriebe dazu bei, die saisonalen Schwankungen auszugleichen. So gehören schon länger einige Gästezimmer zur Wildlife-Farm. Auch Rheintaler hätten schon hier Ferien gemacht. Manche frühere Arbeitskollegen aus der Rüthner Zeit kämen fast jedes Jahr, freut sich Mar- tin Zoller. Ausserdem ist das Fünfeinhalb-Hektar-Grundstück gross genug, um einen Teil davon als Altersresidenz zu nutzen. Neuerdings gibt es auch einen kleinen Schweinemastbetrieb, was den Selbstversorgungsgrad erhöht und die eigene Metzgerei besser auslastet.

Leidenschaftlicher Harley-Fahrer

Und Zoller schwebt bereits ein weiterer Ausbau vor: Als leidenschaftlicher Harley-Fahrer möchte er die Botolan Wildlife Farm zur Motorcycle-Destination machen, zum Ferienziel für ebenso «angefressene» Töfffahrer. «Ich weiss, ich bin ein Träumer», sagt er, «aber ein Träumer, der seinen Traum lebt.» Dies alles bedeutet freilich viel Arbeit. Martin Zollers Frau Juvy managte die Wildlife-Farm mit inzwischen zehn Angestellten aber während all der Jahre auch problemlos während seiner Arbeitsmonate in der Schweiz. «Auf den Philippinen hat ohnehin die Frau die Hosen an», sagt Zoller. Eine glückliche Fügung war ausserdem, dass eine Tochter eine Hotelfachausbildung machte und einen Tierarzt geheiratet hat. «Die Philippinen sind eine andere Welt; es ist paradiesisch dort», sagt Martin Zoller. Er hat sich in das Land verliebt, in die Natur, in die Leute dort. Seiner Mutter erging es übrigens nicht anders. Mit ihren 82 Jahren ist sie heute oft für längere Zeit auf der Botolan Wildlife Farm zu Besuch.

Hinweis

Mehr im Internet auf Botolan Wildlife Farm und auf Facebook

Quelle

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