Zu alt? – 90-Jährige, die ihre Heimat verlässt und armen Kindern hilft

Anne Bönisch

In diesem Haus in Luckenwalde hat die Rentnerin zuletzt gelebt. Foto: Berliner Kurier

Manila, Philippinen – Diese Oma ist nicht zu bremsen: Anne Bönisch ist 90 Jahre alt und startet jetzt noch einmal durch. In knapp zwei Monaten wird die Rentnerin aus Brandenburg auf die Philippinen auswandern, um dort ein Tagesheim für arme Kinder aufzubauen.

Die Rentnerin hat ihre Wohnung in Luckenwalde (60 Kilometer südlich von Berlin) schon ausgeräumt. „Das meiste habe ich einfach verschenkt. Es sind nur materielle Sachen und die haben für mich keinen Wert“, sagt Bönisch, die seit Jahren ehrenamtlich engagiert ist. Zuletzt hat sie in einem Pflegeheim und in der Flüchtlingshilfe gearbeitet.

Bezug zu Südostasien liegt in der Familie

Doch warum wandert eine alte Dame ausgerechnet auf die Philippinen aus? „In Deutschland habe ich häufig zu hören bekommen, dass ich jetzt zu alt bin, um ehrenamtlich zu arbeiten. Dabei fühle ich mich noch richtig fit. Nun gehe ich eben dorthin, wo die Menschen dankbar über meine Unterstützung sind“, so Bönisch.

Der Bezug zu Südostasien liegt in der Familie. Ihr Sohn Peter hat eine Philippinerin geheiratet und Bönisch selbst hat schon zweimal dort Urlaub gemacht. „Ich habe so viel Elend und so viel Not gesehen. Da kann man nicht die Augen vor verschließen“, sagt sie. Der Plan ist, in der Gemeinde San Marcelino (33.000 Einwohner) gemeinsam mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter Kinder aus armen Familien zu unterstützen.

„Mit englisch kommt man überall durch“

Die passende Immobilie für ein Tagesheim haben sie bereits im Auge. „Ich werde für die Kinder kochen und mit ihnen spielen“, sagt die flotte 90-Jährige. Um Sprachbarrieren zu vermeiden, paukt Oma Anne noch fleißig englische Vokabeln. „Mit Englisch kommt man überall durch und sonst verständige ich mich mit Händen und Füßen“, sagt sie und lacht.

Ob ihr die Hitze denn in der Ferne gar nicht zu schaffen macht? „Ach die Luftfeuchtigkeit ist nicht ganz ohne, aber ich habe schon ganz andere Dinge ertragen müssen“, sagt sie.

Anne Bönisch

Anne Bönisch bei ihrem Urlaub in San Marcelino (Philippinen)

Die sechsfache Mutter, 18-fache Großmutter und 15-fache Urgroßmutter war dreimal verheiratet. „Ich habe meine drei Männer sehr geliebt, aber sie sind alle an schweren Krankheiten vor mir gestorben“, sagt sie. Bönisch selbst, 1928 geboren, wuchs die ersten 13 Jahre ihres Lebens bei ihren Großeltern auf und anschließend in einem Kinderheim. „Meine Mutter wollte mich nicht“, sagt sie. Als ihr erster Ehemann Adam 1957 an Krebs starb, musste sie fünf Kinder allein großziehen.

Angst vor dem Älterwerden hatte Bönisch nie. Mit 64 eröffnete sie mit ihrem dritten Ehemann Friedhelm in Spanien noch ein Restaurant mit deutscher Küche und baute sich selbst ein Haus bei Lloret de Mar. Jetzt will sie mit 90 noch mal neu beginnen und ist optimistisch. Sie sagt: „Ich hoffe, dass ich noch fünf Jahre lebe und das Kinderhaus in Ruhe aufbauen kann. Danach können es andere weiterführen.“

Quelle

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