Jill Schmidt aus Kosel – Auf ans andere Ende der Welt

Jill Schmidt aus Kosel will ein Jahr auf den Philippinen verbringen – und dort mehr als nur eine neue Sprache lernen.

Jill Schmidt

Dahin soll‘s gehen: Jill Schmidt aus Kosel wird das nächste Jahr auf den Philippinen verbringen, um dort für einen Freiwilligendienst zu arbeiten. Einen Teil der Kosten muss sie selbst einwerben. Spenden sind herzlich willkommen.

Manila, Philippinen – Bereits seit der 11. Klasse überlegt sie, Medizin zu studieren. Das will die junge Frau mit den langen dunklen Haaren und dem breiten Lächeln immer noch, jetzt, da sie ihr Abitur in der Tasche hat.

Mit einem Notendurchschnitt von 1,1 stehen ihre Chancen gut, einen Studienplatz zu bekommen. Doch vorher will Jill Schmidt, die in dem kleinen Ort Kosel aufgewachsen ist, Erfahrungen sammeln und dabei eine neue Sprache lernen. Nebenbei. Was sie eigentlich will, ist helfen. Um alles unter einen Hut zu bringen, hat sie sich eine Hilfsorganisation gesucht, die Freiwillenprojekte im Ausland unterstützt. In „Weltwärts“ hat sie einen solchen Partner gefunden. Der Freiwilligendienst besteht seit 2008. Er wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

„Jeder muss sich sein Projekt aber selbst suchen“, erklärt Jill. Sie hat sich für die Philippinen entschieden und im Kinderdorf Mariphil, eine deutsche Gründung, einen Partner vor Ort gefunden. Ab August wird sie irgendwo im philippinischen Hinterland ohne fließend Wasser und ohne Strom Aufklärungsarbeit leisten. Nicht politisch, sondern sexuell. Es geht um die Themen Schwangerschaft und Verhütung, die dort bis vor Kurzem verboten war. Jill weiß schon in etwa, was auf sie zukommt. Die 18-Jährige hat einen Intensivkurs zur Vorbereitung auf ihren Hilfseinsatz absolviert. An den Wochenenden wird sie mit anderen Freiwilligen aus dem insgesamt 18-köpfigen Team im Children Center Kinder betreuen und Nachhilfe geben. „Da kommen auch schwangere 15-Jährige“, erzählt sie. Ein Mädchen, das gerade dort ist, führt einen Internet-Blog.

Damit ihre Beratung auch ankommt, wird sie „Elongo“ lernen müssen. Das ist die Sprache, die man in dem Teil des Inselreichs spricht, in dem Jills Hilfe gebraucht wird. Und eine von insgesamt drei Hauptsprachen. Jill ist übrigens nicht die Einzige ihrer Klassenstufe am Friedrich-Schleiermacher-Gymnasium Niesky , die sich für einen längeren Auslandsaufenthalt entschieden hat. Sie weiß von mindestens zwei anderen. Die meisten kombinieren Geldverdienen und Reisen. Freiwilligenarbeit hat dabei in der Regel keinen Platz. Australien, Neuseeland, aber auch Brasilien stehen als Reiseziele hoch im Kurs. Auch deshalb hat sich Jill bewusst für ein anderes Land entschieden. Der entscheidende Tipp kam von einem älteren Ehemaligen, der auf Sri Lanka im Einsatz war.

Sprachen zu lernen, fällt Jill leicht. Sie belegte an der Schule den Englisch-Leistungskurs, besuchte außerdem eine Latein-AG. Doch eigentlich schwärmt sie für Spanisch. Das Fach will sie auch studieren, wenn es mit dem Medizinstudium wider Erwarten nicht klappen sollte. Vielleicht in Kombination mit Französisch, um später hauptberuflich als Übersetzerin zu arbeiten. Sie will selbst sehen, was in der Welt los ist und ungefiltert davon berichten. Sie ist offen für Neues. Das zeichnete sich schon in der Schule ab. Zehn Jahre lang trainierte sie intensiv beim Leichtathletiksportverein Niesky, spielte Volleyball, sang im Gospelchor. Seit der 10. Klasse nahm sie Gitarrenunterricht. Bis zur Konzertgitarristin wird sie es kaum schaffen „Aber für ein paar Lieder am Lagerfeuer reicht‘s“, meint sie grinsend. Seit anderthalb Jahren nimmt sie Klavierunterricht. Auf die Philippinen will sie eine Ukulele mitnehmen und das Instrument so gut lernen, wie es die Zeit erlaubt. Sobald sie zurück ist, wird sie sich auf das Medizinstudium stürzen, wenn sie eine Zulassung erhält. Der Ärztenotstand in der Oberlausitz ist ihr nicht egal. Aber gleich nach dem Studium wieder in die alte Heimat zurückkehren, das mag sie sich heute noch nicht vorstellen. Mit ein paar Erfahrungen mehr wird das irgendwann ganz anders aussehen. „Wenn ich etwas älter bin, will ich auf alle Fälle wieder hier leben.“

Aber das liegt noch in weiter Ferne. Jetzt steht erst einmal der Aufenthalt auf den Philippinen an. Jill arbeitet dort zwar freiwillig und bekommt auch finanzielle Unterstützung. Um das Pojekt am Leben zu halten, muss sie 25 Prozent der Kosten selbst einwerben. Bei Firmen in der Region war sie bereits erfolgreich. Aber das reicht noch nicht. Deshalb ist das Projekt auf weitere Spenden angewiesen. „Jede Spende ist willkommen“, so Jill, „auch Sachspenden.“

Quelle

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