Pater Lois Ortner: „Ich gehöre auf die Philippinen“

„Ich war 31 Jahre in Österreich, bin seit 31 Jahren auf den Philippinen, die nächsten 31 Jahre werden die interessantesten“, sagt Pater Alois Ortner. Der Steyler Missionar, weitum bekannt als Pater Lois, ist noch bis 21. August in Österreich. Er sammelt Spenden für sein neuestes Bauprojekt, eine Basilika.

Pater Lois Ortner

Manila, Philippinen – „Kommts herein, ich freu mich“, begrüßt Pater Lois seine Besucher mit strahlendem Lächeln und in ebenso strahlend gelbem T-Shirt in seinem Häuschen bei Sägewerk Ortner. Alle drei Jahre tritt er auf eigene Kosten die Reise von seiner Heimatpfarre Lumbang nach Österreich an, um die Finanzierung seiner zahlreichen Projekte sicherzustellen. Dazu zählen Brunnen, Wasserleitungen, Schulen und Straßen ebenso wie Hängebrücken.

Gotteshaus für 600 Menschen

„Mein nächstes Vorhaben ist eine Basilika für rund 600 Menschen. Die ersten Säulen stehen schon“, schwärmt der Seelsorger und Baumeister. „Denn je größer das Gotteshaus ist, desto mehr Menschen kommen zur Messe“, weiß er aus Erfahrung. 62 Jahre sei er jetzt alt, aber gesundheitlich „voll in Ordnung“, wie der jüngste Check ergeben hat. „An die Pension denke ich nicht“, sagt der Gottesmann bestimmt. Er gehöre auf die Philippinen, und das nicht nur, weil ihm das feucht-heiße Klima als „Kind von Bronchitis und Lungenentzündung“ ausgezeichnet bekommt. „Außerdem habe ich mich an die Mentalität der Menschen gewöhnt. Sie sind eher schwach und faul, es gibt viel Korruption, und bei der Obrigkeit herrscht die Meinung vor, dass Menschen aus dem Westen wie ich gar nicht mehr da sein sollten. Aber das muss man akzeptieren, oder man geht wieder. Ich bin zu alt, mich an so kleinen Dingen zu stoßen. Das würde auch das Ende meiner Mission bedeuten.“

Schlau sein und gute Kontakte haben

Akzeptiert hat die Mentalität auch Ortners Tante, eine Ordensfrau, die ab 1930 fünf Jahrzehnte lang auf den Philippinen gewirkt hat und zu seinem Vorbild wurde. Im Umgang mit den Menschen und speziell mit Behörden braucht der umtriebige Gottesmann viel Schläue und gute Kontakte. „Dann erreicht man auch etwas, das Bestand hat. Brunnen, Brücken, Wasserwerke, Schulen – alles funktioniert, auch wenn ich nicht mehr dort bin. Bei meiner Mission haben wir so viel Glück“, strahlt Pater Lois. Glück und eine schützende Hand von oben – das hat der Missionar in der Vergangenheit auch immer wieder gebraucht, wenn ihm nach dem Leben getrachtet wurde. „Ich hätte schon mehrfach erschossen werden sollen, aber es nimmt immer so eine glückliche Wendung, dass es zum Lachen ist.“

Mordanschlag überlebt

Und das tut Pater Lois auch, wenn er von dem Mordanschlag auf ihn berichtet, als ihn ein über die Straße gespanntes Drahtseil vom Motorrad riss, den Hals aufschnitt und ihn tatsächlich fast das Leben gekostet hätte. „Ich habe mir gedacht, aha, so ist das also, jetzt sterbe ich ausgerechnet zu Pfingsten.“ Glückliche Umstände und Zufälle retteten ihm dennoch das Leben. „Als ich nach sechs Wochen im Spital und in Pflege wieder erschienen bin, war ich ein Phantom und habe seither meine Ruhe“, spielt der Missionar auf den noch heute weitverbreiteten Aberglauben an. „Und das, obwohl 84 Prozent der Philippinos Katholiken sind.“ Für „seine“ Pfarrschäfchen ist Pater Lois jedoch nichts zu mühsam, und so hält er auf Heimaturlaub abermals Vorträge und sammelt Geld, um seine Basilika vollenden zu können, deren Bau er zu Gunsten von Schulgebäuden unterbrochen hat.  „Und dann werde ich weiterziehen, auf eine kleine Insel ohne Strom im Meer“, kennt der Tragweiner schon seine nächste Wunsch-Mission.

Vortrag im Kulturtreff Bad

Eine der letzten Gelegenheiten, um einen Vortrag des Missionars in Österreich zu hören, gibt es am Donnerstag, 16. August, um 19.30 Uhr im Kulturtreff Bad in seiner Heimatgemeinde Tragwein. Wer Pater Lois in seiner Pfarre Lumbang auf den Philippinen besuchen möchte, ist willkommen. Gruppen bis sechs Personen empfiehlt er eine Reisezeit zwischen Jänner (Januar) und März. Kontakt: office@p-loisortner.org

Quelle

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