Chinesische Geldeintreiber foltern Schuldner und filmen die Tat

skyline Manila

Manila, Philippinen – Schuldeneintreiber sind dafür bekannt, nicht gerade zimperlich bei der Durchsetzung ihrer Forderungen gegenüber Schuldnern zu sein.

Dies wurde für einen Chinesen auf den Philippinen jetzt brutale Realität. Damit er seine Spielschulden begleicht, wurde er von fünf Männern entführt und misshandelt. Dabei nahmen die Täter die Tat per Video auf, um damit von seiner Familie das geschuldete Geld zu erpressen.

Ort des Geschehens war ein Haus in der Umgebung von Manila, wo die chinesischen Täter ihr Opfer Si Yuxiang brutal malträtierten, bis dieser von einer Eliteeinheit der örtlichen Polizeikräfte befreit wurde. Angeblich hatte Si Yuxiang bei den Gangstern in einem namentlich nicht genannten Casino Spielschulden gemacht, die er nicht zurückzahlen konnte.

Ermittler gehen davon aus, dass es sich um das Solaire Resort & Casino in Manilas berüchtigtem Glücksspiel-Viertel handelt. In dem Gebiet kam es bereits in Vergangenheit mehrfach zu blutigen Überfällen auf Casinobesucher.

Entführung und Folter für Schulden im Wert von 5.000 US-Dollar

Da Si Yuxiang seine Schulden nicht zurückzahlen konnte, entführten die Männer ihr Opfer kurzerhand in ein Haus in der südlich der philippinischen Hauptstadt gelegenen Gemeinde Laguna. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen und den Betrag von umgerechnet 5.200 US-Dollar zurückzubekommen folterten sie den mit Handschellen gefesselten Mann mit Stromstößen und Schlägen.

Die Täter nahmen die Tortur per Video auf, das sie an die Familie des Opfers schickten. Die geschockten Angehörigen zahlten den Betrag, doch die Verbrecher forderten daraufhin weitere 2.500 US-Dollar. Dies veranlasste die verängstigte Familie schließlich dazu, sich an das chinesische Außenministerium zu wenden, welches umgehend die chinesische Botschaft auf den Philippinen und die dortigen Ermittlungsbehörden einschaltete.

Denen gelang es, im Zuge des Geldtransfers das Haus zu lokalisieren, in dem der Mann gefangen gehalten wurde. Beim Sturm des Anwesens wurde neben vier Chinesen der philippinischen Fahrer der Entführer festgenommen, der ebenfalls an den Misshandlungen beteiligt war.

Solaire Resort & Casino

In dem Solaire-Casino nahm das Verbrechen seinen Anfang.

Opfer kein Einzelfall

Wie der Kommandant der auf Entführungsbekämpfung spezialisierten Einheit PNP-AKG, Chief Super Intendent Glenn Dumlao, angab, habe die Gruppe allein im letzten Monat insgesamt drei Männer in das Haus entführt und dort misshandelt, um von Angehörigen die ausstehenden Spielschulden zu erpressen.

Es gäbe seit einigen Jahren auf den Philippinen Syndikate, die sich auf die Entführung chinesischer Spieler spezialisiert hätten, die in Casinos große Summen verlieren und dabei in Kontakt zu Kreditgebern der Gruppen kommen. Dumlao sagte zu dem Erfolg:

“In dem Haus wurden diesen Monat bereits drei Opfer gefangen gehalten. Die Täter gehören zu einem Syndikat von Kreditwucherern, die säumige Schuldner in das Haus entführen und im Zweifelsfall dort auch misshandeln, um an ihr Geld zu kommen. Mit ihrem geheimen Unterschlupf, drei Fahrzeugen und diversen Waffen verfügte die Gruppe über eine umfangreiche Ausstattung, was sie von vergleichbaren Gangs abhebt.”

Nach weiteren acht Beteiligten wird nach Angaben der Polizei zurzeit noch gefahndet. Es wird davon ausgegangen, dass auch diese Männer Mitglieder des Syndikats von kriminellen Kredithaien und Geldeintreibern in Manilas Glücksspiel-Szene sind.

Entführungen von Schuldnern nicht nur auf den Philippinen gängige Praxis

Auch wenn der aktuelle Fall mit dem Filmen der Misshandlungen und dem Versand des Videos an Angehörige nicht die Regel ist, die Entführung von säumigen Schuldnern ist in einigen Ländern Asiens gang und gäbe.

Meist geht es bei den geschuldeten Summen um Beträge zwischen 5.000 und 20.000 US-Dollar. Diese Summen steigen jedoch rasant, denn die Kidnapper fordern teilweise Strafzinssätze von bis zu 20 % pro Tag.

Auf den Philippinen grassiert das Vergehen dermaßen stark, dass Politiker bereits eine Ausweitung der Maximalstrafe für derartige Kidnappings auf 14 Jahre fordern. Doch auch in der Spielerstadt Macau ist das Kidnapping an der Tagesordnung. Hier gehen die Fallzahlen jedoch zurück, da die chinesischen Behörden mittlerweile massiv gegen die Banden vorgehen.

Eine besonders perfide Praxis wurde Anfang des Jahres in Myanmar aufgedeckt. Hier wurden Chinesen unter dem Vorwand von Jobangeboten über die Grenze gelockt. Doch statt der angeblichen Arbeitsplätze wurden die Opfer zu manipulierten Casinospielen gezwungen, bei denen sie zwangsläufig Geld verloren.

Da es sich bei den Opfern größtenteils um mittellose Wanderarbeiter handelte, konnten diese die Beträge nicht bezahlen. Daraufhin erhielten Dutzende von chinesischen Familien Forderungen zur Begleichung der ausstehenden Schulden ihrer vor Ort festgehaltenen Verwandten.

Es wird geschätzt, dass auf diese Weise über 330 Familien um ihr Geld gebracht wurden. Das breit angelegte Verbrechen führte dazu, dass sich das chinesische Außenministerium genötigt sah, vor derlei Jobangeboten aus Myanmar zu warnen.

Quelle

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